Büssing 8000 Kipper (Basis Wiking)

Da muß ich wohl mal wieder Abbitte leisten. Der Büssing 8000, der gute alte Veteran aus dem Hause Wiking, kam mir immer vor wie ein viel zu kümmerlich geratenes Spielzeugauto. Alte Wiking-Laster sind 1:90, so „weiß“ man ja. Stimmt ja auch — meistens.

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Beim 8000 stimmt es aber nicht. Der Vergleich mit Vorbildfotos und -Maßen sowie mit dem Brekina-Modell ergibt zwar ein paar Abweichungen, aber wie man sehen wird, keine dramatischen:

  • Die Motorhaube ist ein bißchen kürzer.
  • Die Kabine ist hinten ein bißchen schmaler.
  • Die Räder, und in der Folge auch die Kotflügel, sind deutlich kleiner.
  • Die Breite über alles ist deutlich geringer.
  • Der Radstand und die Länge ist deutlich geringer.

Das klingt zugegebenermaßen jetzt nicht sooo toll. Aber wenn man dann noch weiß (oder wie ich neulich gelernt hat), daß es zwei verschiedene Büssing-8000-Serien gab, daß Wiking die ältere und Brekina die neuere nachgebaut hat, und daß die ältere tatsächlich eine etwas kürzere Motorhaube hatte — dann reift schnell der Entschluß, daß man aus dem Wiking-Modell was bauen muß.

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Fraktur ist Glückssache

Nein, natürlich ist Fraktur bzw. ihr korrekter Satz keine Glückssache.  Aber man könnte es meinen, wenn man die Regeln dafür kennt und dann offenen Auges durch die Welt läuft.

Die einfachste und zugleich wichtigste Regel des Fraktursatzes lautet: Am Wortanfang, außer bei Großschreibung, und im Wort wird aus dem „runden“ s, das wir heute als das normale empfinden, ein „langes“ s.  Das sieht dann so aus (oben falsch, unten richtig):

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Man sehe aber bitte genauer hin: außer den langen s unterscheiden sich die beiden Wörter auch durch einige Ligaturen.  Das sind zusammengegossene Buchstaben, oben im Beispiel ll, sch und ft. Und das muß auch so sein! Ligaturen wurden immer verwendet, wenn es sie gab.  Damals haben Laien keine Schriften gesetzt, und die Profis kannten die Regeln.

Sehr schöne Frakturschriften mit allen nötigen Ligaturen, aber auch Antiquaschriften mit langem s und viele andere schöne Fonts findet man z.B. bei CAT-Fonts.

Der eigentliche Auslöser für diesen Artikel war aber ein anderer.  Die einfachste Regel von oben hat nämlich noch einen zweiten Teil: am Wortende und auch am Silbenende wird nämlich ein rundes s gesetzt! Das erklärt auch das runde s in „Transport“, für die, die es oben schon gemerkt haben.  Für irgendwas muß ‚s‘ ja gut sein :-)

So.  Und jetzt seht Euch mal diese Tür des Märklin-Büssing 650 an:

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Einmal mit Profis …

Okay.  Eigentlich ist es mir egal, denn die Lackierung, die ja eher an eine Tauchlackierung erinnert, kommt eh runter — in der Hoffnung, daß darunter etwas weniger seifenschnitzereimäßige Gravuren versteckt sind.  Aber trotzdem finde ich diesen Fauxpas zu etwa gleichen Teilen amüsant und peinlich für den Hersteller.

Mehr zum Büssing 650 von Märklin dann demnächst …

Nachtrag: Und natürlich hatte ich mir in diesem Artikel gleich einen genauso amüsant-peinlichen Schnitzer geleistet und „Transportgesellschaft“ komplett mit langen s gesetzt.  Danke an den aufmerksamen Kommentarschreiber „svenman“ fürs prompte Aufdecken meiner Missetat, ich gelobe feierlich Besserung!

Die Kraft, die aus dem Keller kommt

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Nein, es geht nicht nur um Unterflur in den neuesten überflüssigen Artikeln bei Modellbahnfrokler.  Es gibt dort je eine Übersichtsseite zu Büssing-Haubenwagen und –Frontlenkern, soweit sie für die Epoche 3 von Bedeutung sind.  Natürlich mit Frokeltips und illustriert mit Modellfotos, wenn auch noch mit viel zu wenigen — Ergänzungen folgen immer dann, wenn mal wieder ein Büssing-Modell fertig wird, also immer mal wieder über die kommenden paar Jahrzehnte ;-)

Feldgrau? Das ist doch nur Grundierung!

Bitte keinen Schreck kriegen …

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… wir machen jetzt nicht in Wehrmacht! (Also keiner der mir bekannten Modellbahnfrokler jedenfalls.) Solch feldgraue Lasterchen verschwanden aber genau wie die Nazis nicht 1945 spurlos von der Erdoberfläche, sondern suchten sich, im Regelfall natürlich umgefärbt, in der neuen Zivilgesellschaft eine Wirkungsstätte. Zumindest bei den Lastern ist dagegen ja auch nicht viel zu sagen, und so verdienen sie schon einen zweiten bis dreiundzwanzigsten Blick, die Wehrmachts-Dreitonner aus dem Vertrieb von Herpa und Busch — jetzt neu in unserer Rubrik Modellkritik!

Zehn Reifen für vier Röllchen

Um pa-Behälter-Zustellfahrzeuge geht es in einem neuen Übersichtsartikel drüben auf der Website. Da hat die geschätzte Großserienindustrie schon so einigen Mist abgeliefert, und die Kleinserie ist auch nicht ganz perfekt.

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Aber man kann was draus machen.  Dazu dann — wie immer — mehr ein andermal …

That’s the way I Leig it

Na komm, ich hab mir drüben auf der Website jedes Leig-Wortspiel verkniffen, hier im Blog darf ich dann doch mal?  Jedenfalls gibt’s drüben eine neue Übersichtsseite zu den diversen Leig-Einheiten, die hier mehr oder weniger im Entstehen begriffen sind, bei der Gelegenheit mit schickem Literaturverzeichnis und so, alles ganz schnieke.  Schnieker jedenfalls als die schon oft belamentierte Situation bei den Käfermodellen, deren Modellkritik jetzt aber immerhin schon mal Vorbildfotos und ein paar neue Erkenntnisse aufweist.

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Viel Spaß damit wünscht: Ermel.

Überraschungsmesse

Nein, dies ist noch nicht unser Messerundgang (falls es überhaupt einen gibt), ich will nur vorab ein paar echte Überraschungen kundtun — Modellneuheiten, mit denen ich nun wirklich nicht gerechnet habe (und wenn, dann bestimmt nicht von diesem Hersteller).  Ob die dann was taugen, wird man sehen, aber erstmal ist es doch erfreulich, daß man engagierte Pessimisten wie mich noch positiv überraschen kann.

  • Bei den hier zuvor gemeldeten neuen Schuco-Käfern war leider der Wunsch Vater des Gedanken, es gibt wie immer nur Farbvarianten des bekannten Modells (mit verwirrenden Vorschaubildern dazu im Prospekt). Bitte entschuldigt die begeisterungsbedingt unzureichend verifizierte Fehlmeldung.
  • Zweiachsige Deutzer Kesselwagen (das sind die ohne durchgehenden Rahmen in der Mitte, also mit dem Kessel als tragendem Teil) lagen irgendwie in der Luft, seit Stefan Carstens in Güterwagen Band 7 uns die Augen öffnete, daß das Klein-Modellbahn-Modell davon eigentlich gar keins ist, sondern ein auf Deutz umgefrickelter Einheitskesselwagen. Insofern überrascht mich hier nur der Hersteller: ESU. Nachdem sie schon mit den Eilzugwagen Gruppe 36 eingetretene Pfade als Digital- und Blinkqualmdröhnlok-Hersteller verlassen haben, jetzt nun also auch Güterwagen. Man darf gespannt sein.
  • Und noch ein neuer Güterwagen, der DB Oc/Om 93, ist angekündigt. Der ist bei der DB ein Exot, na klar, aber in der Tschechoslowakei, wo er herkommt, ist es ein Massenwagen. Und im Modell kommt er von Tillig, die ja bis auf einen ebenfalls ziemlich östlichen Kesselwagen letztes Jahr schon seit Jahrzehnten keine formneuen Epoche-3-Güterwagen gemacht haben. Schön, daß sie sich wieder mal trauen!
  • Der Behelfs-Packwagen MPw4ye-57 (bzw. seine Vor-Umbau-Version MPw4i-50 mit offenen Übergängen) ist ja schon seit Jahrzehnten von Röwa, dann Roco, erhältlich (und auch immer noch ziemlich gut). Ungefähr genauso lange wünscht sich die Epoche-4-Fraktion dessen Umbau-Version mit Plattenwänden und neuen Fenstern, letztes Jahr zwar erhört von Märklin, aber naja. Märklin. ;-) Daß er jetzt von Brawa kommt, ist nicht die Überraschung — sondern daß er von Brawa in der Version mit Bretterwänden und alten Fenstern kommt, in beiden Versionen mit offenem oder Faltenbalg-Übergang. (Letzteren hatte Röwa/Roco noch nicht, deren MPw4ye-57 hat Gummiwulste.) Ich finds schön — aber den Epoche-4-Leuten wünsch ich trotzdem noch mal nen anständigen Plattenwandwagen, ich bin ja gar nicht so. ;-)
  • Neben Wikings stilisiertem Menck-Bagger (ein im Laufwerksbereich noch verschlimmbesserter Nachbau eines schon damals erklärtermaßen vorbildfreien Werbemodells größeren Maßstabes aus den 1960er Jahren) und Kibris schon recht großem und recht modernen Menck M 154 LC gab es bisher nur ein paar Kleinserienmodelle von Produkten dieser wohl bekanntesten Seilbagger-Firma. ArsenalM schließt die Lücke mit einem Resinbausatz, und zwar eigentlich auch sehr treffsicher mit dem M60 — das ist so untere Mittelklasse unter den Menck-Baggern, paßt damit aber auch noch auf Straßentieflader und Eisenbahnwagen und gehörte auch mit dreistelligen Stückzahlen ab den frühen 1950ern zu den meistgebauten Typen. Einziger Wermutstropfen: ArsenalM kombiniert den „modernen“ Oberwagen mit abgeschrägten hinteren Ecken mit dem „alten“ Unterwagen mit großen Laufrollen. Das gab es so nur bei der Bundeswehr. (Und diese Vorbildwahl ist bei ArsenalM dann aber auch wieder keine Überraschung.) Kann man aber verschmerzen bzw. umbauen — erfreulich hingegen, daß, wie man hört, außer der ersten Version als Kran auch noch die Varianten mit Hoch- und Tieflöffel kommen sollen.

Jo. Schaun wir mal, wie’s weitergeht. Von den Großen (ROFL und Mätrix) bin ich wie immer enttäuscht (bis auf den hier schon gewürdigten Roco-Linz/Villach natürlich), aber so wie es aussieht, werden die Kleinen es auch dieses Jahr wieder herausreißen.

Böhmerland (Davo/Hauler)

Von ehemals Davo, jetzt Hauler gibt es einige wirklich schöne Motorradbausätze in H0, von denen ich kürzlich die Böhmerland aufgebaut habe. Erhältlich sind sie vom fliegenden Tschechen oder über ebay; es gibt sicherlich auch den einen oder anderen Händler in Deutschland.

Die Bausätze sind aus Resin gegossen und der pure Wahnsinn: Bauteile mit nur 0,4mm Querschnitt, Hinterschneidungen, und winzigen, aber exakten Gravuren. So auch hier, wo der Lenker tatsächlich gegossen ist! Dafür muss man das Motorrad aber auch aus etlichen kleinen Teilen zusammensetzen.

Abgetrennte und lackierbereite Bauteile.
Abgetrennte und montierbereite Bauteile

Nach dem Entgraten (so viel ist wirklich nicht dran zu tun!) können die Bauteile lackiert werden. Ich habe mich dabei an zahlreichen im Internet verfügbaren Fotos verschiedener Maschinen orientiert und nicht akribisch exakt die Lackierung eines bestimmten Jahres zu treffen versucht.

Einzelteile lackiert und fertig zum Zusammenkleben.
Einzelteile lackiert und fertig zum Zusammenkleben.

Die Bauteile müssen sorgfältig ausgerichtet werden, weil keine angespritzten Hilfen existieren. Das klappt aber trotzdem recht gut.

Fast fertig.
Fast fertig.

Einige kleine Details sind wirklich fisselig, vor allem der Auspuff, die Leitungen der Bremse und die Hebel am Getriebe. Aber auch das lässt sich lösen.

Büssing 12000 U von Brekina

Schon im Messebericht freudig erwartet, vor einiger Zeit nun ausgeliefert: der mächtige Epoche-3a-Exot Büssing 12000 U von Brekina, zunächst als „unverglastes“ Nostalgie-Modell aus der Serie „Die Halbstarken“:

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Im Bild, wie man sich denken kann, rechts der „Halbstarke“ — soll wohl an alte Wiking-Autos erinnern, ist dafür aber viel zu gut detailliert ;-)  Gottseidank ist er auch nicht wirklich unverglast, sondern nur die Verglasung in Karosseriefarbe gespritzt, so daß man ihn dank der planen Scheiben nach dem Umlackieren auch sehr einfach verglasen kann.

Bei Conrad kommt die Tage dann aber auch der erste werkseitig detailbedruckte und verglaste 12000 U.  Und bei Mo87 kommt die Tage gibt es jetzt die ausführliche Modellkritik, aus der ich das obige Bild mal als kleinen Appetitanreger entliehen habe.

Leser fragen: VW-Autotransport-Ganzzüge

Eine weitere Leserfrage und mein Versuch einer Antwort. Frank Müller fragte (vor geraumer Zeit, irgendwie ist dieser Artikel im Entwurfsstadium hängengeblieben, sorry dafür!):

a) Können nicht doch Bullis (oben) und Käfer (unten) ganz kurz zusammen auf einem Offs 55 transportiert worden sein – nämlich in der Zeit von 1955 (erster Einsatz der Offs 55) bis 1956 (Verlagerung der Bulli-Produktion von Wolfsburg nach Hannover)?

b) Wie sind denn wohl von 1956 bis 1959 (bis es die Offs 60 gab) die Bullis aus Hannover abtransportiert worden? Nur mit Flachwagen? Wäre natürlich vorstellbar… oder womöglich mit Offs 55 mit leerem Unterdeck? Und wenn das so war, hätte dann ein Zug auf dem Weg von Hannover nach, sagen wir mal Berlin, nicht kurz in Wolfsburg „halten“ können, um das Unterdeck mit Käfern zu füllen? Nein, ist wahrscheinlich zu abwegig, viel zu viel Rangieraufwand und Wartezeit. Aber ein paar fertig mit Käfern gefüllte Offs 55, Off 59 oder Off 52 an einen Bulli-Zug anhängen, das wäre doch vielleicht möglich…?

Ich suche natürlich nur eine Begründung, dass ich alle Autotransporter (jetzt dann wohl endlich von Exacttrain auch vernünftige Offs 55) in einem Zug unterbringen kann. Autotransportzüge sind toll, aber zwei Ganzzüge wollte ich mir dann doch nicht zulegen, wenn es sich vermeiden lässt.

Fangen wir mit der letzten Bemerkung an: Offs 60 waren so konstruiert, daß sie Bullis (und andere Kleintransporter) im Ober- und Unterdeck befördern konnten — aber sie liefen selbstverständlich auch in gemischten Zügen mit Off 52, Offs 55 und Off 59 in der PKW-Beförderung. Gegen Deinen gemischten Ganzzug spricht demnach gar nichts!

Die Mischbeladung Bullis und Käfer hingegen halte ich bis zum Beweis des Gegenteils für unwahrscheinlich. Grund: Als der Bulli noch aus Wolfsburg kam, spielte er stückzahlmäßig im Vergleich zum Käfer praktisch keine Rolle. Bullis wurden in Wolfsburg mehr oder weniger handgeklöppelt, während Käfer direkt vom Fließband auf die Doppelstock-Autotransportzüge krabbelten. Da einzelne Bullis in den Käferzug zu steuern und dann noch dafür zu sorgen, daß sie auch auf einem Offs landeten, erscheint mir viel zu aufwendig — die werden sie irgendwo an der Ladestraße des Werks auf Flachwagen geladen haben und gut.

Flachwagen ist eh ein gutes Stichwort — es gibt Bilder von der Bulli-Entladung im Hamburger Hafen (zum Export in die USA), wo die Bullis ausnahmslos auf Flachwagen verladen sind und mit dem Kran runter (und in den Schiffsbauch) gehievt werden. Die Verwendung eines der ohnehin knappen Offs 55 (denn wegen der Autotransportwagen-Knappheit hat man ja nur die an sich bereits veralteten Off 59 (um-)gebaut) zum Transport von Bullis im Oberdeck bei leerem Unterdeck kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Also: Käfer auf Flachwagen, mit dem Aufkommen der Off-Generationen dann sehr bald in diesen — aber zumindest anfangs auch gemischt mit Flachwagen, wobei die Flachwagen aber an den Enden des Zuges hingen; Bullis auf Flachwagen, mit Aufkommen des Offs 60 dann sicher auch in gemischten Zügen aus beidem.

Ganzzüge aus Bullis und Käfern kenne ich nicht, aber sowohl Bullis als auch Käfer wurden nicht ausschließlich in Ganzzügen befördert, sondern auch auf (Gruppen von) Einzelwagen in normalen gemischten Güterzügen.