Volkswagen auf Maß gebracht (I)

So, nun ist es endgültig an der Zeit. Wie in meiner Ungezieferwarnung schon angedeutet, kann mich die geneigte Industrie jetzt mal gepflegt „an die Füße fassen“, ich mach mir meine Käfer jetzt selber. Und wenn es 10 Jahre dauert, dann dauert es meinetwegen 10 Jahre — eher werden uns die allseits verehrten Großserienhersteller Wiking, Praliné/Busch, Brekina, Schuco, Herpa, Schonwiederwiking und Schonwiederbusch, in der Reihenfolge ihrer bisherigen Versuche seit 1986, eh nicht mit einem weiteren Versuch enttäu beehren.

Aber ich will ja nicht schon wieder das Klagelied des Käferfans anstimmen. Getreu meinem Neujahrsvorsatz — weniger jammern, mehr frokeln — habe ich beschlossen, die Sache jetzt wirklich mal selbst in die Hand zu nehmen. Und weil das hier ein ziemlicher Sermon werden wird, können alle Interessierten nach einem Klick … weiterlesen Volkswagen auf Maß gebracht (I)

Ungezieferwarnung

Hach ja. Busch hat einen komplett neuen Brezel- und Ovalkäfer gemacht. Das war dringend nötig, wenn man sich das alte Busch-ex-Praliné-Modell ankuckt, und ja, ich war hoffnungsfroh, was bei mir altersstarrsinnigem Pessimisten ja einiges heißen will.

Und deswegen gab es angesichts der CAD-Vorschauen und ersten Mustermodelle auch hier keinen Verriß. Vielleicht korrigieren sie ja die Fehler noch. Kann doch sein. So ein wichtiges Modell werden die doch nicht versemmeln.

Ja. Arschlecken.

Sorry, aber freundlicher kann ich es nicht formulieren: Dieses Modell ist Grütze. Besser detailliert und dekoriert, ja, aber formal eher schlechter als das alte Wiking-Modell des Brezelkäfers. Von 1986Von fucking 1986!

Sorry. Geht gleich wieder.

Oben Busch, unten Wiking.

Auf den ersten Blick sieht der Buschkäfer natürlich besser aus als der von Wiking. Fein bedruckt, schicker Chrom, zwar keine zweifarbigen aber immerhin wagenfarbige Felgen, sicher auch ein schönerer Innenraum als der wikingsche. Keine Frage. Aber wenn man genauer hinkuckt, fallen einem am Buschkäfer viele unschöne Details auf. Zu denen gleich, aber erstmal zum wichtigsten Merkmal überhaupt:

Die. Seitenfenster. Sind. Schon. Wieder. Zu. Groß.

Echt. Ich fasse es nicht. Wozu rede ich mir denn jahrzehntelang den Mund fusselich, wenn jeder einzelne verfluchte Hersteller wieder und wieder und wieder denselben Fehler macht? Ist heute Murmeltiertag oder was? Zum Mitmeißeln: Käfer bis 1964 hatten kleinere Seitenscheiben als Käfer ab 1965. Da, kuck:

Rechts ein Dickholmer (also Soll), links angeschnitten ein Dünnholmer (also so wie die H0-Modelle).

Ja, auf dem Bild ist kein Brezelkäfer, danke für die Aufmerksamkeit. Für die Seitenfenster macht das aber genau keinen Unterschied. So wie am rechten hätten die Modelle aussehen sollen. So wie am linken sehen sie aus.

Und damit wäre der Buschkäfer an sich auch schon erledigt, denn ein Modell mit so einem Fehler, aus brandneuen Formen, zu Preisen auf Starmada-Niveau (vor der momentanen Ramschphase wohlgemerkt) — wer das kauft, ist echt selber schuld. Aber wo ich gerade so schön in Fahrt bin, rante ich gleich noch ein bißchen weiter, denn nein, das war nicht das einzige Problem. Die Aussage „schlechter als das Wiking-Modell“ war schon bewußt so gewählt oben. Zur Erinnerung nochmal das Vorbild? Gern:

So sieht ein alter Käfer von vorne aus. Von 1938 bis 1967.

So. Und hier Buschs Interpretation

„Aber Volkswagen, warum hast du denn so große Augen?“ — „Hau ab, ich bin am Kacken!“

Da ist beim Vorbild jede Menge mehr Luft zwischen Stoßstange und Scheinwerfer. Bei Busch liegt die Oberkante des Stoßstangenhorns, wie das erste Bild noch deutlicher zeigt, höher als die Scheinwerferunterkante! Aber die Position der Scheinwerferoberkante haut hin, und die der Stoßstange auch. Was bitte ist da passiert, Busch? Habt Ihr den Scheinwerferdurchmesser an der Außenkante Chromring gemessen und dann das Maß für den Durchmesser der Streuscheibe so groß gemacht (und dazu noch den Chromring zu breit) oder was? Irgendwer gehört für diesen Fehler fürchterlich aufs Maul gehauen. Die deutlich sichtbare Formtrennkante ist da nur noch eine zusätzliche Beleidigung.

Genauso schlimm verkorkst: Felge und Radkappe. Hier stimmt formal nichts. Gut, Wikings Räder sind viel zu breit, aber Form und Durchmesser mögen für die 16″-Felgen des Wiking-Vorbilds gut hinkommen. Vernünftige 15″-VW-Räder gibt es bei Brekina, übrigens. Diese Buschdinger hingegen sind alles, aber nicht VW.

Busch von hinten: Ovali und Brezel. Leider beide falsch.

Am Heck fallen zunächst die fehlenden Auspuffendrohre auf. Beim Brezel, und auch bei der ersten Generation Ovali 1953-54, gehört da eh nur eins dran, und das hat Wiking auch richtig zumindest angedeutet. Bei Busch: Völlige Abwesenheit. Über die zu grobe Struktur der Kühlluftschlitz-„Orgelpfeifen“ sehe ich mal gnädig hinweg, das hat noch keiner richtig hinbekommen, wahrscheinlich geht es in Spritzguß auch gar nicht.

Was nur Käferkenner sehen, ist aber der Baujahresmix. Klar, wenn man Brezel und Ovali aus derselben Form bauen will? Mitnichten: 52er Brezel und 53/54er Ovalis sahen bis auf die Heckscheibe(n) genau gleich aus. Nur halt nicht wie die Busch-Modelle. Zum einen hatten sie die berühmten „Herzchen“-Rückleuchten mit dem Extrafenster fürs Bremslicht (ein Bild davon kommt unten). Zum zweiten gehören die viel weiter unten an die Kotflügel — und auch die sämtlich herzlosen kleineren, vorherigen Brezel- wie größeren, späteren Ovali-Rückleuchten. Die einzigen Käfer, für die die Rücklichtposition in etwa hinkommen mag, sind noch spätere Dickholmer wie im ersten Vorbildfoto oben, wenn sie mit den sogenannten Export-Bügelstoßstangen ausgestattet sind.

Quasi als Ausgleich für die zu neuen Rückleuchten, zumindest für den Brezel, hat die Motorhaube eine Kennzeichenprägung. Das gab es beim Vorbild auch — bis 1948. „Aber Ermel, das soll keine Prägung sein, sondern ein Kennzeichen!“ Ah, achso. Warum ist dann vorne keins?

Nee, Busch, tut mir vermutlich mehr leid als Euch, denn natürlich werden die Leute Eure Käfer trotzdem kaufen, aber das war ein Satz mit X. Wieder einmal wurde ein Käfer-Großserienmodell mit Anlauf vor den Ofen gesetzt, in einer Zeit, wo es dank Foren, Käferclubs und einem Internet, in dem es fast so viele Käfer- wie Katzenbilder geben dürfte, auch bei wohlwollendster Betrachtung nicht mal den Hauch einer Ahnung für eine valide Ausrede dafür mehr gibt. Null Punkte, aber nur, weil ich keine negativen vergeben kann.

Das kann doch nicht so schwer sein?

Seufz.

Nachtrag, Mai 2021: Mittlerweile haben meine beiden „Belegexemplare“ auch den Weg zu mir und ihre Fotos den Weg in diesen Artikel gefunden, und ich habe diesem Artikel nichts hinzuzufügen außer ein wenig Lob fürs stark stilisierte, aber immerhin als solches vom Ovali bzw. Zwitter zu erkennende Armaturenbrett.  Das Gesamturteil bleibt: Ein Modell, das die Welt nicht braucht und das mich dann wohl den Rest meines Lebens ärgern wird, wenn es irgendwo auf Anlagen und Fremodulen herumsteht.  Genau wie alle anderen Käfermodelle vor ihm.  :-(

Was jetzt mit meinen passiert?  Erstmal nix.  Vielleicht brauch ich ja irgendwann mal die Scheinwerfer oder die Felgen …

Fenster zu Schießscharten, Vol. II

Wer mich kennt, weiß um das ewige Gegreine ob der zu großen Seitenscheiben bei allen Modellen von VW-Käfern vor Baujahr ’65.  Langjährige Blogleser kennen den hier vielleicht auch noch:

Mein erster Versuch zum Fensterkleinermachen, 2009.

Das verlief dann, wie so vieles hier, im Sande, hauptsächlich wegen des gigantischen Aufwands (in der Zeit hätte man auch einen 1:1-Käferfensterrahmen entrosten und grundieren können).  Und so dachte ich dann immer mal wieder auf dem Thema herum nebenbei.  Heute kam mir dann mal wieder eine neue Idee.

Riesig ist der Effekt zugegebenermaßen nicht.

Bei scharfem Hinsehen erkennt man: das Modell hat schwarzgraue Fenstergummis.  Das ist bei meinen Modellen Pflicht, normalerweise durch Anmalen der Fensterhöhlungen in der Karosserie — aber gerade beim Brezelkäfer würden dadurch die Fenster optisch noch größer, das will man dann ja schon gar nicht.

Es geht aber auch einfacher als durch Verkleinern der Fensteröffnungen … weiterlesen Fenster zu Schießscharten, Vol. II

Brezelkäfer: Fenster zu Schießscharten!

Wie bekannt und auch bereits ausführlich drüber lamentiert, sind bei allen erhältlichen Käfermodellen in H0 nach älteren Vorbildern die Seitenfenster zu groß, nämlich genauso groß wie bei neueren. Darüber kann man sich den Mund fusselig meckern. Man kann aber auch was dagegen tun:

kf-hl-roh

PS-Profil, Dichlormethan, Spachtelmasse und ein paar Stunden genügen schon. Für ein Fenster. Aber so wird aus dem von den Proportionen her m.E. immer noch unübertroffenen Wiking-Brezelkäfer endlich ein korrektes Modell.

Hier ein etwas neuerer Käfer, aber mit genauso kleinen Seitenfenstern wie bei der Brezel, als Vorbildfoto:

kf-hl-vorb

Naja. Es gibt noch viel zu tun.