Mercedes LP(S) 333 oder Wikings Ehrenrettung

Häufig werden Wikings rundliche Mercedes-LP-Kabinen der schweren Baureihe von Modellbauern mit Unverständnis und Verachtung gestraft. Zu groß sind die formalen Unterschiede zu den allgemein als „richtig“ erachteten Kabinen z.B. der Brekina LP 333 und 334. Hier ist beispielhaft eine entsprechende Modellkritik zu finden.

Vorn Wikings LPS 333, dahinter der LP 333 von Brekina.
Bild: © Friedrich Auffenberg

In diesem Beitrag möchte ich zeigen, daß diese Kritik „zu kurz gesprungen“ ist: zuerst mit Vorbildfotos, dann mit einem genaueren Blick auf die Modelle und abschließend mit einem Maßvergleich.  weiterlesen Mercedes LP(S) 333 oder Wikings Ehrenrettung

Alle mal die Luft anhalten

Nein, die Überschrift ist nicht im übertragenen Sinne gemeint, streitet ruhig weiter ;-)  Aber beim Anblick dieses Modellchens hier hat es mir dann doch spontan den Atem verschlagen:

Es handelt sich um einen 3D-Druck des Westfalia-Gepäckanhängers Typ Wolfsburg, wie er in den 50er Jahren hergestellt wurde.  Zielgruppe waren natürlich vorwiegend Volkswagenfahrer.  weiterlesen Alle mal die Luft anhalten

Keine Messe, kein Bericht (III): Automobile

Jeweils einen eigenen Beitrag über diese Neuheiten wollte ich der Leserschaft dann doch nicht antun.  Meine Begeisterung über die neuen Automodelle auf der Nichtmesse hält sich ohnehin ziemlich in Grenzen, aber einen gemeinsamen Artikel sollen die wenigen aus meiner Sicht interessanten solchen dann doch wert sein.  weiterlesen Keine Messe, kein Bericht (III): Automobile

Mehr Müll wagen!

Da habe ich ja wieder was angerichtet mit der Müllwagensache neulich — vor allem in meinem Hirn. Denn natürlich arbeitet sowas weiter da drin, und irgendwann stellte sich mir die Frage, ob der alte Müllwagen von Wiking — der hier …

„Alter Müllwagen“ von Wiking, hier bereits mit der verglasten Magirus-Kabine. Raus kam er so ca. ’56 noch als Unverglaster; es gab ihn aber auch mit zwei verschiedenen Mercedes-Kabinen

… denn nun frei erfunden sei oder was? Da ist man sich bei Wiking ja nie so ganz hundertprozentig sicher …  weiterlesen Mehr Müll wagen!

Die Bachert-Einzelkabine

Vor einem guten Jahrzehnt hat Wiking neue Formen für Magirus-Haubenwagen der leichten Baureihe (3500, 4500, Saturn, Mercur, Sirius etc.) gebaut.  Das ist grundsätzlich eine erfreuliche Entscheidung.  Leider war man aber schlecht beraten, was die Kabinenform angeht.

Links das zeitgenössische Wiking-Modell, rechts die moderne Interpretation. Wir erkennen: die neue Kabine ist viel zu breit und zu eckig (und hat aber wunderbar klare Fenster!).
Foto mit freundlicher Genehmigung von „U 406er“

Wie das kam, ist ausnahmsweise mal gut nachvollziehbar.  Das, und was man da frokeln kann, sei deswegen in diesem Beitrag beschrieben.  weiterlesen Die Bachert-Einzelkabine

Volkswagen auf Maß gebracht (I)

So, nun ist es endgültig an der Zeit. Wie in meiner Ungezieferwarnung schon angedeutet, kann mich die geneigte Industrie jetzt mal gepflegt „an die Füße fassen“, ich mach mir meine Käfer jetzt selber. Und wenn es 10 Jahre dauert, dann dauert es meinetwegen 10 Jahre — eher werden uns die allseits verehrten Großserienhersteller Wiking, Praliné/Busch, Brekina, Schuco, Herpa, Schonwiederwiking und Schonwiederbusch, in der Reihenfolge ihrer bisherigen Versuche seit 1986, eh nicht mit einem weiteren Versuch enttäu beehren.

Aber ich will ja nicht schon wieder das Klagelied des Käferfans anstimmen. Getreu meinem Neujahrsvorsatz — weniger jammern, mehr frokeln — habe ich beschlossen, die Sache jetzt wirklich mal selbst in die Hand zu nehmen. Und weil das hier ein ziemlicher Sermon werden wird, können alle Interessierten nach einem Klick … weiterlesen Volkswagen auf Maß gebracht (I)

Ungezieferwarnung

Hach ja. Busch hat einen komplett neuen Brezel- und Ovalkäfer gemacht. Das war dringend nötig, wenn man sich das alte Busch-ex-Praliné-Modell ankuckt, und ja, ich war hoffnungsfroh, was bei mir altersstarrsinnigem Pessimisten ja einiges heißen will.

Und deswegen gab es angesichts der CAD-Vorschauen und ersten Mustermodelle auch hier keinen Verriß. Vielleicht korrigieren sie ja die Fehler noch. Kann doch sein. So ein wichtiges Modell werden die doch nicht versemmeln.

Ja. Arschlecken.

Sorry, aber freundlicher kann ich es nicht formulieren: Dieses Modell ist Grütze. Besser detailliert und dekoriert, ja, aber formal eher schlechter als das alte Wiking-Modell des Brezelkäfers. Von 1986Von fucking 1986!

Sorry. Geht gleich wieder.

Die Bilder stammen nicht von mir, alldieweil ich gerade krankheitsbedingt nicht daheim weile und auch noch keinen Buschkäfer habe. Geborgt habe ich sie mir bei Mo87.de.

Oben Busch, unten Wiking.

Auf den ersten Blick sieht der Buschkäfer natürlich besser aus als der von Wiking. Fein bedruckt, schicker Chrom, zwar keine zweifarbigen aber immerhin wagenfarbige Felgen, sicher auch ein schönerer Innenraum als der wikingsche. Keine Frage. Aber wenn man genauer hinkuckt, fallen einem am Buschkäfer viele unschöne Details auf. Zu denen gleich, aber erstmal zum wichtigsten Merkmal überhaupt:

Die. Seitenfenster. Sind. Schon. Wieder. Zu. Groß.

Echt. Ich fasse es nicht. Wozu rede ich mir denn jahrzehntelang den Mund fusselich, wenn jeder einzelne verfluchte Hersteller wieder und wieder und wieder denselben Fehler macht? Ist heute Murmeltiertag oder was? Zum Mitmeißeln: Käfer bis 1964 hatten kleinere Seitenscheiben als Käfer ab 1965. Da, kuck:

Rechts ein Dickholmer (also Soll), links angeschnitten ein Dünnholmer (also so wie die H0-Modelle).

Ja, auf dem Bild ist kein Brezelkäfer, danke für die Aufmerksamkeit. Für die Seitenfenster macht das aber genau keinen Unterschied. So wie am rechten hätten die Modelle aussehen sollen. So wie am linken sehen sie aus.

Und damit wäre der Buschkäfer an sich auch schon erledigt, denn ein Modell mit so einem Fehler, aus brandneuen Formen, zu Preisen auf Starmada-Niveau (vor der momentanen Ramschphase wohlgemerkt) — wer das kauft, ist echt selber schuld. Aber wo ich gerade so schön in Fahrt bin, rante ich gleich noch ein bißchen weiter, denn nein, das war nicht das einzige Problem. Die Aussage „schlechter als das Wiking-Modell“ war schon bewußt so gewählt oben. Zur Erinnerung nochmal das Vorbild? Gern:

So sieht ein alter Käfer von vorne aus. Von 1938 bis 1967.

So. Und hier Buschs Interpretation

„Aber Volkswagen, warum hast du denn so große Augen?“ — „Hau ab, ich bin am Kacken!“

Da ist beim Vorbild jede Menge mehr Luft zwischen Stoßstange und Scheinwerfer. Bei Busch liegt die Oberkante des Stoßstangenhorns, wie das erste Bild noch deutlicher zeigt, höher als die Scheinwerferunterkante! Aber die Position der Scheinwerferoberkante haut hin, und die der Stoßstange auch. Was bitte ist da passiert, Busch? Habt Ihr den Scheinwerferdurchmesser an der Außenkante Chromring gemessen und dann die Streuscheibe so groß gemacht und dazu noch den Chromring zu breit oder was? Irgendwer gehört für diesen Fehler fürchterlich aufs Maul gehauen. Die Formtrennkante ist da nur noch eine zusätzliche Beleidigung.

Genauso schlimm verkorkst: Felge und Radkappe. Hier stimmt formal nichts. Gut, Wikings Räder sind viel zu breit, aber Form und Durchmesser mögen für die 16″-Felgen des Wiking-Vorbilds gut hinkommen. Vernünftige 15″-VW-Räder gibt es bei Brekina, übrigens. Diese Buschdinger hingegen sind alles, aber nicht VW.

Busch von hinten: Ovali und Brezel. Leider beide falsch.

Am Heck fallen zunächst die fehlenden Auspuffendrohre auf. Beim Brezel, und auch bei der ersten Generation Ovali 1953-54, gehört da eh nur eins dran, und das hat Wiking auch richtig zumindest angedeutet. Bei Busch: Völlige Abwesenheit. Über die zu grobe Struktur der Kühlluftschlitz-„Orgelpfeifen“ sehe ich mal gnädig hinweg, das hat noch keiner richtig hinbekommen, wahrscheinlich geht es in Spritzguß auch gar nicht.

Was nur Käferkenner sehen, ist aber der Baujahresmix. Klar, wenn man Brezel und Ovali aus derselben Form bauen will? Mitnichten: 52er Brezel und 53/54er Ovalis sahen bis auf die Heckscheibe(n) genau gleich aus. Nur halt nicht wie die Busch-Modelle. Zum einen hatten sie die berühmten „Herzchen“-Rückleuchten mit dem Extrafenster fürs Bremslicht (ein Bild davon kommt unten). Zum zweiten gehören die viel weiter unten an die Kotflügel — und auch die sämtlich herzlosen kleineren, vorherigen Brezel- wie größeren, späteren Ovali-Rückleuchten. Die einzigen Käfer, für die die Rücklichtposition in etwa hinkommen mag, sind noch spätere Dickholmer wie im ersten Vorbildfoto oben, wenn sie mit den sogenannten Export-Bügelstoßstangen ausgestattet sind.

Quasi als Ausgleich für die zu neuen Rückleuchten, zumindest für den Brezel, hat die Motorhaube eine Kennzeichenprägung. Das gab es beim Vorbild auch — bis 1948. „Aber Ermel, das soll keine Prägung sein, sondern ein Kennzeichen!“ Ah, achso. Warum ist dann vorne keins?

Nee, Busch, tut mir vermutlich mehr leid als Euch, denn natürlich werden die Leute Eure Käfer trotzdem kaufen, aber das war ein Satz mit X. Wieder einmal wurde ein Käfer-Großserienmodell mit Anlauf vor den Ofen gesetzt, in einer Zeit, wo es dank Foren, Käferclubs und einem Internet, in dem es fast so viele Käfer- wie Katzenbilder geben dürfte, auch bei wohlwollendster Betrachtung nicht mal den Hauch einer Ahnung für eine valide Ausrede dafür mehr gibt. Null Punkte, aber nur, weil ich keine negativen vergeben kann.

Das kann doch nicht so schwer sein?

Seufz.

So sehen Sieger aus

Darf ich vorstellen? Ein Audi Typ C 14/35 PS „Alpensieger“ der Baujahre 1912-21.

Audi Alpensieger von Artitec. Die Bildqualität bitte ich zu entschuldigen, …

Was ich damit will?  Nun, zu meiner Zweitepoche 2a-b, Stichjahr 1928, waren diese Kisten ältliche Gebrauchtwagen, das paßt schon — allenfalls muß ich mal eruieren, ob die zu der Zeit echt noch naturfarbene Reifen hatten oder ab wann da Schwarz aufkam.

Aber kuckt Euch mal das Modell an! Vor allem die Räder mit zwei geätzten Lagen Speichen pro Rad sind umwerfend. Auch vordere Blattfedern, Kotflügel, Hupe und Lenkrad sind Ätzteile; die Scheibe mit bedrucktem Rahmen ist wohl Kunststoffspritzguß, der Rest Resin. Und das kommt so wie es da steht, also zusammengebaut und bemalt bis hin zum Schlußlicht, zart gealtert und mit Schiebebild-Kennzeichen, von Artitec zum Preis eines nicht ganz billigen Güterwagens.

… die Bilder werden bei Gelegenheit durch bessere ersetzt!

Meine Bilder werden dem Modell nicht gerecht (ich muß mir mal wieder ne funktionierende Digitalkamera zulegen, die Schlaufonkäm kommt an ihre Grenzen bei sowas). Aber die wunderbar strukturierten Polster, die feinen Ätzteile und die absolut plane, klare und dünne Scheibe sieht man hoffentlich auch so.  Der Lack ist nicht perfekt, aber ordentlich — und bei mir soll es ja auch keinen Neuwagen darstellen, das ist schon okay so.

Und vor allem ist dieser Audi trotz seines stolzen Namens eben kein Renn-, Spocht- oder Luxuswagen, sondern ein ganz normaler Mittelklasse-Phaeton. Das ist zu betonen, denn normale Autos aus diesen Epochen sind selten am Modellmarkt. (Natürlich konnten sich damals nur reiche Leute einen Mittelklassewagen leisten — auch das war aus der Sicht des Durchschnittsbürgers, der mit Glück vielleicht ein kleines Motorrad sein Eigen nannte, schon unvorstellbarer Luxus.)

Das einsame Schlußlicht dürfte vorbildgerecht sein, aber mal sehen, 1928 hatte man vielleicht ja auch schon ein zweites montiert. Oder vielleicht auch eine Kofferbrücke?

Wenn man partout was dran verbessern will: Die Hupe ist etwas zweidimensional geraten so als Ätzblech, die vier Scheinwerfer könnten mehr Glanz in den Reflektoren und Bondic als Scheibenimitat vertragen, und die evtl. Epochenanpassungen bei Schlußlichtern und Reifenfarbe habe ich ja schon erwähnt.  An möglichen Zubehörteilen fällt mir außer der genannten Kofferbrücke noch ein Scheibenwischer ein, da muß ich mich mal schlaulesen.  Der größte Aufwand dürfte aber das Einpassen einer Preiser-Reisegesellschaft werden …

Großes Kompliment also an die Firma Artitec. Und ja, ich gebe zu: ich hätte ihn auch gekauft, ohne die passende Epoche im Portfolio zu haben — dann stünde er halt stark patiniert und auf platten Reifen auf irgendeinem 1955er Allenstedter Hinterhof.  Solch Schicksal bleibt ihm aber nun erspart — was ich damit vorhabe, wird noch nicht verraten, aber ein prominenter Platz ist ihm sicher!

Hundertdreiundzwanziger Hochlang

Der lange, hohe Mercedes-Krankenwagen gehörte zum Straßenbild meiner Kindheit und Jugend — anscheinend waren die Bullis der damaligen Zeit nicht flott genug für Alarmfahrten über längere Distanzen?  Jedenfalls war das entsprechende Siku-Druckgußmodell ein wesentlicher Bestandteil meiner Sandkastenflotte.

In H0 hingegen gab es damals nix, nur einen beim Vorbild raren hochkurzen /8 von Wiking — das mit den Hochlang-KTW fing in unserem Maßstab erst mit dem W 124 aka „Plastikbenz“ von Wiking und Herpa an, und der war mir damals zu häßlich.  (Das Vorbild, nicht das zumindest bei Herpa sehr gelungene Modell.  Heut mag ich beide gut leiden, was wohl an den seither stetig häßlicheren neuen E-Klassen liegt.)  Und so spielte der „Hochlang“ für mich im Modell keine Rolle mehr.

Letztes Jahr kam dann der /8-Hochlang als Brekina/Starmada-Modell.  Den habe ich mir bisher auch noch nicht gekauft, weil er mir von der Farbanmutung nie recht gefallen wollte und die schiefe Kante der weißen Fläche in der Verglasung mich störte.  Aber ich glaube, der Hochlang wird künftig denn doch eine Rolle spielen müssen im Sankra-Park der Feuerwehr Allenstedt.

Warum der plötzliche Sinneswandel?  Deshalb:

Busch bringt den Hochlang auf 123er-Basis, mit vollem Namen den Mercedes-Benz VF 123 — genau das Vorbild meines Siku-Autos von damals!  Das gezeigte Modell ist eins von zwei marmorierten Vorserien-Modellen, die Busch und Mo87 zu wohltätigem Zwecke bei Ebay versteigern; das Bild ist mit freundlicher Genehmigung © Busch.  Aber ich werde natürlich keinen marmorierten zum Umlackieren in RAL 3000 feuerrot ersteigern, sondern eins der Serienmodelle dann — ab März.  Und /8, W 124 und W 210 müssen dann natürlich auch her — neuere nicht unbedingt, die Bullis sind ja heutzutage flott genug. ;-)

Versöhnlicher Verriß zum Jahresende

So, nun hat Wiking also auch die VW-Doppelkabine der zweiten Transporter-Generation, kurz die T2-Doka, einigermaßen vergurkt.  Seufz.

Den Modellbericht aus meiner Tastatur gibt es, einer alten Tradition folgend, bei Mo87.  Und irgendwann im neuen Jahr kümmer ich mich dann auch mal um den Bau einer richtigen T2-Doka in H0, wenn die in Lüdenscheid es schon nicht hinkriegen — ein paar Baugruppen des grünen Etwas‘ werden da aber natürlich Verwendung finden.

Euch jedenfalls schöne Feiertage und einen erfreulichen Jahreswechsel!