Alle mal die Luft anhalten

Nein, die Überschrift ist nicht im übertragenen Sinne gemeint, streitet ruhig weiter ;-)  Aber beim Anblick dieses Modellchens hier hat es mir dann doch spontan den Atem verschlagen:

Es handelt sich um einen 3D-Druck des Westfalia-Gepäckanhängers Typ Wolfsburg, wie er in den 50er Jahren hergestellt wurde.  Zielgruppe waren natürlich vorwiegend Volkswagenfahrer.  weiterlesen Alle mal die Luft anhalten

Keine Messe, kein Bericht (V): D 83

Und dann kommt doch noch einer nachgekleckert und kündigt einen wunderbaren D-Zug in Epoche 3a an: Hobbytrain bringt in einem fünfteiligen und einem dreiteiligen Set den D 83/84, wie er im Winterfahrplan 1956 über die Nord-Süd-Strecke rollte.  In Epoche 3a!  Fünf flaschengrüne C4ümg-54, ein ebensolcher BC4ümg-55 und je ein stahlblauer B4ümg-54 und BR4ümg-54, alle aus der Schmiede von LS-Models wie man liest, alle schön mit den korrekten hochliegenden Schlußleuchten und unter dem Rahmen aufgehängten Lichtmaschinen und so, zweifellos korrekt bis ins Kleinste und superdetailliert — ein Traum.

Der bei mir auch einer bleiben wird.

Denn ganz ehrlich, 720 Euro (Listenpreis) für acht D-Zug-Wagen?  Bei aller Liebe zur Epoche 3a, nein.  Ganz bestimmt nicht.  Nicht daß ich das nicht für einen Zug ausgeben würde — ein deutlich teurerer ist gerade in der Beschaffungsphase und wird demnächst seinen ersten Auftritt in diesem Theater haben, und der wird dann im Fremo-Betrieb sogar eher weniger einen Zweck erfüllen als ein D-Zug.  Aber Fensterwagen sind halt Fensterwagen, und Fensterwagen, erst recht so moderne, sind langweilig.  Schön, ja sicher, flaschengrün und stahlblau sind immer schön — aber langweilig.

Trotzdem eine tolle Neuheit, die ich allen Epoche-3a-Freunden gern ans Herz legen möchte.  Soll ja wohl auch Fensterwagenfetischisten geben da draußen, wie man hört.  ;-)

Keine Messe, kein Bericht (IV): Kleinigkeiten

Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder viele wunderschöne Kleinigkeiten unter den Nichtmesseneuheiten.  Und damit meine ich nicht mal die vielen Action-Sets und Themenwelten, mit denen die einschlägigen Hersteller, allen voran Busch und Noch, die Phantasie ihrer Kunden in vorgegebene Bahnen lenken und damit der Miwulaisierung des Hobbys weiteren Vorschub leisten, sondern halt die kleinen Dinge, die einfach irgendwo herumstehen und Atmosphäre stiften.  weiterlesen Keine Messe, kein Bericht (IV): Kleinigkeiten

Keine Messe, kein Bericht (III): Automobile

Jeweils einen eigenen Beitrag über diese Neuheiten wollte ich der Leserschaft dann doch nicht antun.  Meine Begeisterung über die neuen Automodelle auf der Nichtmesse hält sich ohnehin ziemlich in Grenzen, aber einen gemeinsamen Artikel sollen die wenigen aus meiner Sicht interessanten solchen dann doch wert sein.  weiterlesen Keine Messe, kein Bericht (III): Automobile

Keine Messe, kein Bericht (II): Brawa

Na da ist er ja schon, der Neuheitenprospekt eines der beiden im ersten Teil dieses Nichtmessenichtberichts ;-) als „wichtig“ titulierten Hersteller.  Und ja, es ist auch ein für mich interessantes Modell drin.

Und damit meine ich nicht die Vorserien-01, nicht die Mitteleinstiegswagen und auch nicht den gigantischen Trafo-Tieflader SSt 125.  Nicht mal die Staubgutwagen Kds 54/56 reißen mich vom Hocker, da finde ich die Roco-Modelle nach all den Jahrzehnten immer noch mehr als ausreichend schön.  Nein, mir geht’s um den Kalkdeckelwagen oder, wie man gern spöttisch sagt, „Klapperdeckelwagen“ der Austauschbauart, bei der DB K 25 geheißen.  Denn den gab es bisher in maßstäblicher Ausführung noch gar nicht — Fleischmann damals hat den sehr ähnlichen Verbandsbauartwagen K 15 der letzten Bauform gemacht, um (sinnvollerweise) die Fahrwerke des O 10 (Halle) verwenden zu können.

Man darf gespannt sein, ob Brawa die ganzen Griffchen und Trittlis und Anschlagwinkelein auf den Deckeln freistehend ansetzt — erwarten würde ich das von ihnen.  Und dann wird das bestimmt auch ein zum Sterben schönes Modell, das alle anderen K-Wagen plump erscheinen lassen wird.  Höchst löblich auch, daß direkt alle drei wesentlichen Varianten — ohne Handbremse, mit Bremserhaus und mit Bremserbühne — angekündigt werden, hier hat man anscheinend aus den Fehlern der Vergangenheit *hust* Oppeln *hust* gelernt.  Und nicht zuletzt braucht man auch gar nicht soo viele K 25, so daß selbst der zu erwartende gepfefferte Preis erträglich wird.

Doch.  Schön.  Wieder kein Pwg pr 12, natürlich kein Omm 37 (Duisburg), schon gar keine Leigeinheit Gllmehs 52.  Aber schön.

Keine Messe, kein Bericht

Nachdem meine Neuheit des Jahres, Rocos Pwgs 41, hier ja schon frohgemut verkündet worden ist, scheint die Luft raus zu sein.  Sicher, ein paar wichtige Hersteller wie Brawa und Weinert fehlen noch im Reigen der Ankündigungen, auch bei Artitec bin ich auf die PDFfe gespannt, aber einen richtigen Keinemessebericht ;-) werde zumindest ich hier wohl mal wieder nicht schreiben dieses Jahr, sondern allenfalls noch ein paar Highlights herausgreifen, wenn denn genug darüber bekannt ist.

Ein solches Highlight könnte Rocos angekündigte Baureihe 38.10-40, besser bekannt als preußische P8, werden.  Ich wünsch mir da ja eine Version mit „Allradantrieb“, also mit angetriebenen Lok- und Tenderachsen — ein Konzept, das mich außer bei großrädrigen Barrenrahmenlok immer noch überzeugt.  Und für die P8 hätte man zwei der passenden Tender, den Wannentender von der 50/52 und den pr 2’2′ T 31,5 von der württembergischen C alias Baureihe 18.1, ja schon mit der nötigen Technik drin verfügbar.

Ein anderes ist spezieller: die Firma Loewe, sozusagen Nachfolger im Geiste der eingestellten Marke Heico, stellt das seinerzeit schon von denen angekündigte Löschgruppenfahrzeug „LF 8 schwer“ auf Magirus-Deutz „D“ in Aussicht, in „der gewohnten Großserienqualität und in Zusammenarbeit mit VK-Modelle“, die ja wohl auch Besitzer der Heico-Formen sind — da geht’s also hoffentlich weiter, wie schön.

Nachträge: Als ich schon dachte, der Neuheitenreigen sei durch, kam noch Hobbytrain mit einer eigentlich lang ersehnten Neuheit für die Epoche 3a, der ich dann auch gleich einen eigenen Beitrag, aber trotzdem leider kein Budget widmen mußte.  Weitere Nichtmesseneuheits-Blogbeiträge gibt es zu Brawa, den wunderbaren Kleinigkeiten von Artitec, Busch, Mafen, Preiser und Weinert und den Autoneuheiten von Brekina, Busch, Rietze und SAI.  Die Neuheiten folgender Marken habe ich hingegen kommentarlos zur Kenntnis genommen: Auhagen, Bemo, Exact Train, Faller, Herpa, Jägerndorfer, Joswood, Kibri, Krüger, Märklin, Noch, NMJ, NPE, Piko, Tillig, Viessmann, Vollmer und Wiking.  Alle Beiträge und natürlich dieser Absatz werden auch weiterhin ergänzt, wenn Neues bekannt wird.

Fazit: Das Längenverhältnis der Hersteller-Listen im vorherigen Absatz kann durchaus als Maß meiner Begeisterung über das Neuheitenangebot allgemein gelesen werden ;-), aber hey, beschweren will ich mich auch nicht: zwei meiner Wunschgüterwagen und eine meiner Wunschlok (so ziemlich die letzte verbliebene) sind angekündigt worden, auch viele interessante Autos aus modernen Zeiten und jede Menge nützlichen, interessanten oder auch einfach nur schönen Kleinkrams; nur bei den Automobilen für die Epoche 3a klaffen trotz einer einzigen, unerwarteten Neuheit weiterhin die üblichen Lücken — Linderung erwarte ich hier aber ohnehin nicht mehr.

Meine Neuheit des Jahres

Bißchen verfrüht am 12. Januar?  Kann schon sein, aber es müßte schon echt eine Sensation folgen, um Rocos Haupt-Güterwagenneuheit aus meiner Sicht diesen Titel noch abzulaufen:

Roco bringt den Pwgs 41!

Was habe ich darauf gewartet.  Seit Stefan Carstens in der Miba-Serie „Güterwagen auf Maß gebracht“ seinen Selbstbau vorgestellt hat (Hefte 6 und 7/1983), wollte ich so ein Ding haben.  Da war ich 13!  Und der Bastelbogen dafür war eine der ersten Modellbahnfrokler-Seiten überhaupt (hat den eigentlich mal irgendwer gebaut?).  Das Märklin-Modell erfüllte mich leider nur anfangs mit Enthusiasmus, bis ich den Fehler bei der Fenstergröße bemerkt hatte.  Um einen Umbau hab ich mich aber jetzt endlich lange genug gedrückt und muß auch kein dreistelliges Geld mehr für den Weinert-Bausatz ausgeben.

Nun also endlich Roco.  Und die CAD-Vorschauen sehen gut aus!  Besonders freut mich die in drei Positionen (geschlossen, halboffen, offen) einsetzbare Schiebetür, denn gerade durch die innenliegenden Schiebetüren sieht der Wagen mit geöffneten Türen sehr interessant aus — beim Märklin-Modell die Schiebetür aus dem dicken Gehäuse zu flexen hab ich trotzdem nie auch nur ernsthaft erwogen.  Auch daß gleich Modelle mit und ohne Dachkanzel kommen (wenn auch ersteres nur in einer Zugpackung), finde ich gut, ebenso wie ich den österreichischen Modellbahnern die ÖBB-Umbauversion von Herzen gönne.  Ich hoffe aber, daß das Blechdach mit Falzen der CAD-Vorschaubilder auf die DB-/DR-Versionen ein Artefakt der ÖBB-Version ist und an den fertigen Modellen verschwunden sein wird!

Schade, daß erstmal keine Epoche-3-Version und vermutlich auch keine in Flaschengrün zum einfachen Umbeschriften kommen wird, aber das wird hoffentlich ja folgen — genau wie ich mich über künftige Varianten mit dem zusätzlichen Seitenfenster am Nicht-Einstiegs-Ende und ggf. der für einen Güterzug-Packwagen wunderbar grotesken Stromlinienkanzel sehr freuen würde.

Aber ich will mal nicht unverschämt sein und freu mich erstmal auch so bärig auf meine Neuheit des Jahres!

Ungezieferwarnung

Hach ja. Busch hat einen komplett neuen Brezel- und Ovalkäfer gemacht. Das war dringend nötig, wenn man sich das alte Busch-ex-Praliné-Modell ankuckt, und ja, ich war hoffnungsfroh, was bei mir altersstarrsinnigem Pessimisten ja einiges heißen will.

Und deswegen gab es angesichts der CAD-Vorschauen und ersten Mustermodelle auch hier keinen Verriß. Vielleicht korrigieren sie ja die Fehler noch. Kann doch sein. So ein wichtiges Modell werden die doch nicht versemmeln.

Ja. Arschlecken.

Sorry, aber freundlicher kann ich es nicht formulieren: Dieses Modell ist Grütze. Besser detailliert und dekoriert, ja, aber formal eher schlechter als das alte Wiking-Modell des Brezelkäfers. Von 1986Von fucking 1986!

Sorry. Geht gleich wieder.

Die Bilder stammen nicht von mir, alldieweil ich gerade krankheitsbedingt nicht daheim weile und auch noch keinen Buschkäfer habe. Geborgt habe ich sie mir bei Mo87.de.

Oben Busch, unten Wiking.

Auf den ersten Blick sieht der Buschkäfer natürlich besser aus als der von Wiking. Fein bedruckt, schicker Chrom, zwar keine zweifarbigen aber immerhin wagenfarbige Felgen, sicher auch ein schönerer Innenraum als der wikingsche. Keine Frage. Aber wenn man genauer hinkuckt, fallen einem am Buschkäfer viele unschöne Details auf. Zu denen gleich, aber erstmal zum wichtigsten Merkmal überhaupt:

Die. Seitenfenster. Sind. Schon. Wieder. Zu. Groß.

Echt. Ich fasse es nicht. Wozu rede ich mir denn jahrzehntelang den Mund fusselich, wenn jeder einzelne verfluchte Hersteller wieder und wieder und wieder denselben Fehler macht? Ist heute Murmeltiertag oder was? Zum Mitmeißeln: Käfer bis 1964 hatten kleinere Seitenscheiben als Käfer ab 1965. Da, kuck:

Rechts ein Dickholmer (also Soll), links angeschnitten ein Dünnholmer (also so wie die H0-Modelle).

Ja, auf dem Bild ist kein Brezelkäfer, danke für die Aufmerksamkeit. Für die Seitenfenster macht das aber genau keinen Unterschied. So wie am rechten hätten die Modelle aussehen sollen. So wie am linken sehen sie aus.

Und damit wäre der Buschkäfer an sich auch schon erledigt, denn ein Modell mit so einem Fehler, aus brandneuen Formen, zu Preisen auf Starmada-Niveau (vor der momentanen Ramschphase wohlgemerkt) — wer das kauft, ist echt selber schuld. Aber wo ich gerade so schön in Fahrt bin, rante ich gleich noch ein bißchen weiter, denn nein, das war nicht das einzige Problem. Die Aussage „schlechter als das Wiking-Modell“ war schon bewußt so gewählt oben. Zur Erinnerung nochmal das Vorbild? Gern:

So sieht ein alter Käfer von vorne aus. Von 1938 bis 1967.

So. Und hier Buschs Interpretation

„Aber Volkswagen, warum hast du denn so große Augen?“ — „Hau ab, ich bin am Kacken!“

Da ist beim Vorbild jede Menge mehr Luft zwischen Stoßstange und Scheinwerfer. Bei Busch liegt die Oberkante des Stoßstangenhorns, wie das erste Bild noch deutlicher zeigt, höher als die Scheinwerferunterkante! Aber die Position der Scheinwerferoberkante haut hin, und die der Stoßstange auch. Was bitte ist da passiert, Busch? Habt Ihr den Scheinwerferdurchmesser an der Außenkante Chromring gemessen und dann die Streuscheibe so groß gemacht und dazu noch den Chromring zu breit oder was? Irgendwer gehört für diesen Fehler fürchterlich aufs Maul gehauen. Die Formtrennkante ist da nur noch eine zusätzliche Beleidigung.

Genauso schlimm verkorkst: Felge und Radkappe. Hier stimmt formal nichts. Gut, Wikings Räder sind viel zu breit, aber Form und Durchmesser mögen für die 16″-Felgen des Wiking-Vorbilds gut hinkommen. Vernünftige 15″-VW-Räder gibt es bei Brekina, übrigens. Diese Buschdinger hingegen sind alles, aber nicht VW.

Busch von hinten: Ovali und Brezel. Leider beide falsch.

Am Heck fallen zunächst die fehlenden Auspuffendrohre auf. Beim Brezel, und auch bei der ersten Generation Ovali 1953-54, gehört da eh nur eins dran, und das hat Wiking auch richtig zumindest angedeutet. Bei Busch: Völlige Abwesenheit. Über die zu grobe Struktur der Kühlluftschlitz-„Orgelpfeifen“ sehe ich mal gnädig hinweg, das hat noch keiner richtig hinbekommen, wahrscheinlich geht es in Spritzguß auch gar nicht.

Was nur Käferkenner sehen, ist aber der Baujahresmix. Klar, wenn man Brezel und Ovali aus derselben Form bauen will? Mitnichten: 52er Brezel und 53/54er Ovalis sahen bis auf die Heckscheibe(n) genau gleich aus. Nur halt nicht wie die Busch-Modelle. Zum einen hatten sie die berühmten „Herzchen“-Rückleuchten mit dem Extrafenster fürs Bremslicht (ein Bild davon kommt unten). Zum zweiten gehören die viel weiter unten an die Kotflügel — und auch die sämtlich herzlosen kleineren, vorherigen Brezel- wie größeren, späteren Ovali-Rückleuchten. Die einzigen Käfer, für die die Rücklichtposition in etwa hinkommen mag, sind noch spätere Dickholmer wie im ersten Vorbildfoto oben, wenn sie mit den sogenannten Export-Bügelstoßstangen ausgestattet sind.

Quasi als Ausgleich für die zu neuen Rückleuchten, zumindest für den Brezel, hat die Motorhaube eine Kennzeichenprägung. Das gab es beim Vorbild auch — bis 1948. „Aber Ermel, das soll keine Prägung sein, sondern ein Kennzeichen!“ Ah, achso. Warum ist dann vorne keins?

Nee, Busch, tut mir vermutlich mehr leid als Euch, denn natürlich werden die Leute Eure Käfer trotzdem kaufen, aber das war ein Satz mit X. Wieder einmal wurde ein Käfer-Großserienmodell mit Anlauf vor den Ofen gesetzt, in einer Zeit, wo es dank Foren, Käferclubs und einem Internet, in dem es fast so viele Käfer- wie Katzenbilder geben dürfte, auch bei wohlwollendster Betrachtung nicht mal den Hauch einer Ahnung für eine valide Ausrede dafür mehr gibt. Null Punkte, aber nur, weil ich keine negativen vergeben kann.

Das kann doch nicht so schwer sein?

Seufz.

So sehen Sieger aus

Darf ich vorstellen? Ein Audi Typ C 14/35 PS „Alpensieger“ der Baujahre 1912-21.

Audi Alpensieger von Artitec. Die Bildqualität bitte ich zu entschuldigen, …

Was ich damit will?  Nun, zu meiner Zweitepoche 2a-b, Stichjahr 1928, waren diese Kisten ältliche Gebrauchtwagen, das paßt schon — allenfalls muß ich mal eruieren, ob die zu der Zeit echt noch naturfarbene Reifen hatten oder ab wann da Schwarz aufkam.

Aber kuckt Euch mal das Modell an! Vor allem die Räder mit zwei geätzten Lagen Speichen pro Rad sind umwerfend. Auch vordere Blattfedern, Kotflügel, Hupe und Lenkrad sind Ätzteile; die Scheibe mit bedrucktem Rahmen ist wohl Kunststoffspritzguß, der Rest Resin. Und das kommt so wie es da steht, also zusammengebaut und bemalt bis hin zum Schlußlicht, zart gealtert und mit Schiebebild-Kennzeichen, von Artitec zum Preis eines nicht ganz billigen Güterwagens.

… die Bilder werden bei Gelegenheit durch bessere ersetzt!

Meine Bilder werden dem Modell nicht gerecht (ich muß mir mal wieder ne funktionierende Digitalkamera zulegen, die Schlaufonkäm kommt an ihre Grenzen bei sowas). Aber die wunderbar strukturierten Polster, die feinen Ätzteile und die absolut plane, klare und dünne Scheibe sieht man hoffentlich auch so.  Der Lack ist nicht perfekt, aber ordentlich — und bei mir soll es ja auch keinen Neuwagen darstellen, das ist schon okay so.

Und vor allem ist dieser Audi trotz seines stolzen Namens eben kein Renn-, Spocht- oder Luxuswagen, sondern ein ganz normaler Mittelklasse-Phaeton. Das ist zu betonen, denn normale Autos aus diesen Epochen sind selten am Modellmarkt. (Natürlich konnten sich damals nur reiche Leute einen Mittelklassewagen leisten — auch das war aus der Sicht des Durchschnittsbürgers, der mit Glück vielleicht ein kleines Motorrad sein Eigen nannte, schon unvorstellbarer Luxus.)

Das einsame Schlußlicht dürfte vorbildgerecht sein, aber mal sehen, 1928 hatte man vielleicht ja auch schon ein zweites montiert. Oder vielleicht auch eine Kofferbrücke?

Wenn man partout was dran verbessern will: Die Hupe ist etwas zweidimensional geraten so als Ätzblech, die vier Scheinwerfer könnten mehr Glanz in den Reflektoren und Bondic als Scheibenimitat vertragen, und die evtl. Epochenanpassungen bei Schlußlichtern und Reifenfarbe habe ich ja schon erwähnt.  An möglichen Zubehörteilen fällt mir außer der genannten Kofferbrücke noch ein Scheibenwischer ein, da muß ich mich mal schlaulesen.  Der größte Aufwand dürfte aber das Einpassen einer Preiser-Reisegesellschaft werden …

Großes Kompliment also an die Firma Artitec. Und ja, ich gebe zu: ich hätte ihn auch gekauft, ohne die passende Epoche im Portfolio zu haben — dann stünde er halt stark patiniert und auf platten Reifen auf irgendeinem 1955er Allenstedter Hinterhof.  Solch Schicksal bleibt ihm aber nun erspart — was ich damit vorhabe, wird noch nicht verraten, aber ein prominenter Platz ist ihm sicher!

Der Messebericht

… kommt dieses Jahr wegen Motivations- und Begeisterungsmangel der traditionnellen Autoren von Steffen, der hiermit sein Debüt gibt. Willkommen!  (Anmerkung von ermel — wie auch im Folgenden an der kursiven Schrift zu erkennen –, der aber verspricht, einen Artikel über die neuen Autos alsbald nachzuschieben.)

Ganz kleiner (güterwagenlastiger) Rückblick auf die Messe 2020

Nun liegt die Nürnberger Spielwarenmesse bereits drei Wochen zurück. Man hatte genug Zeit, die diversen Prospekte zu durchstöbern und sich Gedanken zu machen.

Hier deshalb in aller Kürze mein persönliches Fazit mit Schwerpunkt DB, Epoche 3 und 4:

Ein Hoch auf Brawa!

Im Prinzip läuft das seit fast 10 Jahren gleich: Brawa haut eine Neuheit nach der anderen raus und zeigt Weitblick für echte Lücken und moderne Neuauflagen.

Ein echtes Volumenmodell ist sicher der Gmmhs 56 / Gs 211+212 in diversen Varianten der DB und nahezu aller europäischen Nachbarn – große Klasse! (Wobei abzuwarten bleibt, inwieweit Brawa die Bauartunterschiede der verschiedenen Staatsbahnen berücksichtigen wird.)

Mit dem 30 m³ Leichtbaukesselwagen der Uerdinger Bauart konnte man wiederum eine Lücke füllen, die durch die zahlreichen Kesselwagen-Neuheiten der letzten Jahre weniger werden. (Das war die letzte größere Lücke bei den Zweiachsern. Uerdinger von Brawa, Deutze von ESU, Einheitswagen von Exacttrain und Roco-ex-KMB, geschweißte von Brawa und Liliput und genietete von Fleischmann selig — hach, es ist prachtvoll!)

Der Kkds 55 ist ein Wunschmodell vieler Modellbahner, vermutlich aufgrund des betagten Fleischmann-Modells. Die Ankündigung in verschiedenen Varianten von Epoche 3 bis 5 zeigt die Vielfältigkeit trotz der sehr geringen Stückzahl.  (Einziger Wermutstropfen ist, daß Brawa als Messemuster einen Bausatz von bengelsven verarbeitet hat, ohne um Erlaubnis zu fragen oder auch nur den Hersteller zu nennen — ein schwaches Bild!)

Abseits der Güterwagen sind sicher die Donnerbüchsen das Highlight, auch wenn der Preis selbst für Brawa-Verhältnisse heftig ist.

Bei Roco habe ich eigentlich nur eine Frage: kam nach dem Linz/Villach anno 2016 überhaupt noch eine echte Güterwagenformneuheit für die Epochen 3 und 4? (Ja, der FF der FS kam danach, und der ist auch wirklich klasse, da kann man nicht meckern.)  Ich konnte auch dieses Jahr keine relevante Güterwagen-Neuheit entdecken. (Roco scheint das nur alle paar Jahre mal zu wagen — ich freue mich aber auf ihren Omm Duisburg (Omm 37) für 2023! ;-))

Exacttrain kündigt als sinnvolle Ergänzung den Glmms 61 / Gbs 254 mit Bremserbühne an.

Eine echte Überraschung ist die spanische Firma Mabartren. Ein Fährbootwagen Hfs/Hfhs in Ausführung der Transfesa und DB wird hier angekündigt. Das wird sicherlich mein erster Spanier auf der Anlage werden.

Liliput feiert 2020 die Rückkehr der Jedi… ähhh Kesselwagen. Das ist dermaßen überfällig und zeugt davon wie schlafmützig das Produktmanagement in den letzten Jahren war. Diese Serie gut detailierter und (damals noch) günstiger Kesselwagen hätte in den letzten 10 Jahren viele Varianten verdient gehabt. Hoffentlich unterstützt Stefan Carstens hier bei der Realisierung, damit uns zukünftig Spielereien wie grüne BP-Wagen erspart bleiben. (Da wünscht man sich die Variantenreitereivielfalt von ESU!)

Die Freunde aus den Niederlanden werden den Artitec Käsewagen inkl. passendem Ladegut sicher begrüßen. (Abseits der Güterwagen ist der Artitec-Prospekt aber wie immer auch einen dritten bis achtzehnten Blick wert!)

Spannend finde ich die Variante des ehemaligen FS-Spitzdachwagen der CFR von Amintiri Feroviari. Muränische Güterwagen fehlen bei mir bislang auch völlig ;-)

Soweit meine Eindrücke zu den Wagen hinter den Loks.

Apropos Loks: nachdem gefühlt nahezu alle Lücken gefüllt sind und man sich mit Doppelentwicklungen gegenseitig den rückläufigen Markt begrenzt, bleiben kaum noch Wünsche offen.

Eine 50.40 (DB) von Roco vielleicht oder eine überarbeitete 93.5 (die Hoffnung auf die 93.0 bei Rivarossi habe ich nicht ganz aufgegeben). Beim Blick auf die Doppelseite mit den Brawa-Donnerbüchsen ließen schon viele an eine 93.5 von Brawa glauben. Möglich (und wünschenswert) wäre es, dass diese massenhaft gebaute Maschine nach fast 25 Jahren auch im Modell neu entsteht.