56.2: Der Mangel nähert sich dem Ende

Neulich auf einem Balkon in Hannover:

337.2 — oder 6 mal 56.2 ;-)

Und nein, das sind nicht alles meine.  Nur zwei Drittel davon ;-)  Aber zumindest werden vermutlich alle achtundvierzig Radsätze dieser Lokomotiven demnächst gemeinsam die Reise zum Abdreher antreten.  Und fünf davon müssen dann auch noch ihre Schleifer einbüßen, denn es handelt sich um die neulich allenthalben verramschten Liliput-AC-Digital-Versionen — für rund nen Hunni das Stück kann man dann ja auch mal etwas größere Stückzahlen beschaffen, gell.

Die Mikados kommen

v.l.n.r. 41 019, 41 348, 41 026, 41 323

Wie kommt man auf die Idee, mehrere 41er des Bw Flensburg nachzubauen?

Es begann damit, dass ich ein Vorbild für eine günstig erworbene Roco 41 suchte.  Ich fand ein Bild von 41 019 im Bw Hmb-Eidelstedt.  Die Lok hatte es mit sofort angetan, mit Lampenbügeln und 32er Niettender alter Ausführung hob sie sich von Einheitsbrei der Neubaukessel-41er ab.  weiterlesen Die Mikados kommen

Update zur 56.2 / Trix-Umbau

Nachdem ich zum Jahresende hier einen Beitrag zum Umbau einer Trix BR55 zur 56.2 gepostet habe, hier ein kurzer Zwischenstand was in der Zwischenzeit passiert ist.

Nachdem der gesamte Umlauf neu gelötet wurde wollte ich eigentlich nur noch die MäTrix-Pufferbohle ersetzen, da diese leider nicht sonderlich gelungen ist. Zu dick, dafür zu flach, Puffer in der falschen Höhe. Absägen.
Dabei stellte ich fest das es wohl einfacher ist den gesamten Vorschuh aus Messingblech neu zu bauen. Gesagt. Getan.

Aus 0,5mm Ms-Blech wurden die Seitenteile neu angefertigt. Die Riffelblechabdeckung der Pufferbohle und eine weitere Querstrebe im Innenren wurden verlötet. Das Konstrukt wurde dann am Umlauf mit angelötet.

Auch die neue Pufferbohle habe ich schon vorbereitet. Sie entstand aus einem Evergreen-PS-Profil und wird mit diversen Weinert-Teilen wie Federpuffer, Sockelplatten, Kupplungsflansch, Bremsschläuchen sowie Kupplergriffen zugerüstet. Davon habe ich leider aktuell kein Foto, aber das kommt noch.

Bis dahin hier 3 (leider etwas unscharfe Handy-) Fotos vom Bau des Vorschuhs.
Umlaufblech aus Messing gelötet

Umlaufblech aus Messing gelötet

Umlaufblech aus Messing gelötet

Text und Bilder (c) by Erik Streda. Alle Rechte vorbehalten.

Mal wieder was zur 56.2

Die gute alte G8.1 mit Vorlaufachse, also eine 56.2, hat uns hier bei Modellbahnfrokler schon öfters beschäftigt.

Die 2012 fast zeitgleich erschienen Modelle von Liliput und MäTrix haben beide ihre Stärken und Schwächen und konnten uns hier leider nicht ganz überzeugen. Noch bevor diese Modelle überhaupt angekündigt wurden hat sich Tobias schon seit Jahren mit einem Selbst-/Umbau auf Basis der Fleischmann-55 beschäftigt die nach gut 10 Jahren jetzt endlich fast fertig ist.

Und bei mir liegt seit 2011 ein Umbau auf Basis des MäTrix-Modells der BR55, welches ich halbfertig von einem Modellbauer via DSO erstanden habe. Der Umbau konnte zwar technisch überzeugen (unter anderem Dreipunkt-Lagerung), aber optisch gab es doch ein paar Fehler die ich zu beheben wünschte. Die Trümmer lagen jetzt lange genug in der Kiste und ich habe mich in den letzten Tagen ein wenig damit beschäftigt.

Ich habe mich im wesentlichen mit dem leider nicht sehr schön gelungenen Umlaufblech beschäftigt. Dieses hatte der Vorbesitzer zersägt und passend neu zusammen gestückelt. Wegen der Schnitte sah das nicht so gut aus und ich habe mich daher dazu entschlossen den Umlauf inkl. Führerhausboden aus Messing komplett neu zu bauen.

Das heißt im Wesentlichen:

  • Laufbleche aus Weinert-Riffelblech mit untergelöteten Verstärkungen aus 0,6mm dicken Messing-Streifen
  • Führerhausboden aus 2mm dickem Messing mit 2x2mm Messingleisten für den Absatz zum Umlaufblech
  • diverse angesetze Teile aus Messingblech

Wer mehr zu dem Umbau wissen möchte, möge im Frokelwiki im Umbaubericht nachlesen.

Hier noch ein paar Fotos dazu, die den aktuellen Stand zeigen.

Umlaufblech aus Messing gelötet

Ansicht seitlich

Ansicht schräg von vorne

Text und Bilder (c) by Erik Streda. Alle Rechte vorbehalten.

56.2 von Liliput: Eine Verdrahtungsfrage

Leserpost, wegen Unbeantwortbarkeit 1:1 durchgereicht:

Hallo Erik,

bin durch Zufall auf Deinen Testbericht im Internet gestoßen. Ich war auf
der Suche nach einem Erfahrungsbericht über die Digitalisierung mit einem
Dekoder für meine Br 56, die ich vor drei Wochen auf einer Börse erstanden
habe. Laut Anleitung zur Lok müsste sich auf der Schnittstelle ein
Brückenstecker befinden- dies ist aber nicht der Fall. Die Lok läuft so ohne
Brückenstecker analog, ich habe aber Angst einen Dekoder aufzustecken, weil
ich befürchte ihn zu zerstören, da ja eigentlich beim Analogbetrieb Motor
und Schiene verbunden sind. Dies würde durch den Brückenstecker
normalerweise ermöglicht. Hast Du eventuell eine Draufsicht der
Tenderplatine, um mal zu sehen wie die Kabel angelötet sind? Es sieht so aus
als ob an „LED+“ und „SM+“ rumgelötet wurde. Hier sind jeweils zwei Kabel
angelötet – ist hier etwa die Schnittstelle gebrückt worden? Wäre super,
wenn Du mir hier helfen könntest.

Beste Grüße
(Name der Redaktion bekannt)

P.S.: Übrigens ein Super Testbericht!!!

Danke, danke. War ja auch nicht von mir. ;-)

Also, wenn Du dem Fragesteller weiterhelfen kannst — ich würde mich freuen! Egal ob als Kommentar oder per Mail, ich werde die Info natürlich sofort weiterleiten.

Update: Na also:

56.2-tenderplatine

Schönen Dank an Andreas für das Bild. Hoffe, damit ist jetzt alles klar? Wenn nicht: Fortsetzung folgt :-)

Diema DL 6 — Teil 3: Rahmen und Aufbau

Nachdem das Fahrwerk fertig montiert ist, geht es nun an die sichtbaren Teile der Lokomotive. Los gehts mit dem Rahmen!

Ich habe zuerst die recht massiven Radlager an die seitlichen Träger gelötet, dann die fünf Haupt-Blechteile zusammengesetzt. Die Puffer, kleine Detaillierungsbleche und die Eckversteifungen machen den Rahmen vollständig. KBscale hat diese Bauteile leider vollständig unabhängig voneinander geätzt, sodaß keinerlei Hilfen zur Positionierung vorhanden sind. Dadurch muss man sich intensiv mit Klammern, Stahlklötzen und ähnlichen Hilfsmitteln behelfen.

Erste Rahmenbauteile fertig verlötet
Erste Rahmenbauteile fertig verlötet

Wichtig ist beim Verlöten der Bauteile, dass ausreichend Platz für das Fahrwerk bleibt. Insbesondere im mittleren Bereich der Front- und Heckplatte muss daher sparsam gelötet werden. Lötpaste hilft bei den ganzen Lötarbeiten sehr. Ich habe mit normalem Elektroniklot angefangen und erst später dazugelernt…

Wichtig ist beim Verlöten der Bauteile, dass ausreichend Platz für das Fahrwerk bleibt. Insbesondere im mittleren Bereich der Front- und Heckplatte muss daher sparsam gelötet werden.
Freiraum für das Fahrwerk

Um das Fahrwerk mitsamt Decoder und den darüber angebrachten Kondensatoren montieren zu können, habe ich den Ausschnitt im Rahmen auf der rechten Seite so breit gesägt wie möglich und in der Tiefe an beiden Enden etwas erweitert. Besser wäre es natürlich gewesen, dies vor den ganzen Lötarbeiten zu machen…

Der Ausschnitt für den Antrieb wird erweitert, um mehr Platz für das Demontieren des Fahrwerks zu erhalten.
Der Ausschnitt für den Antrieb wird erweitert, um mehr Platz für das Demontieren des Fahrwerks zu erhalten. Selbst auf diesem Bild hat er noch nicht seine vollständige Größe...

Der Rahmen wird mit Abdeckungen von Getriebeteilen, dem Sitz und der Rückwand ergänzt. Die Getriebeteilabdeckungen müssen zunächst rund gebogen werden, was aber kein größeres Problem darstellt. Durch eingeätzte Nuten und Laschen sind sie auch eindeutig auf dem Rahmen positioniert. Der Sitz ist recht massiv und muss daher mit viel Hitze an seine Haltestange gelötet werden.

Die Rückwand sollte, damit sie stabil mit dem Rahmen verbunden ist, verlötet werden. Mir wäre eine Verklebung nach der Lackierung wesentlich lieber, aber das ist in diesem Fall wohl leider nicht möglich. Da der Hersteller keine Positionierungshilfen vorgesehen hat, habe ich zwei Holzstäbe an den Rahmenabschluss und die Rückwand geklammert, alles ausgerichtet und dann mit Lötpaste verlötet.

Fertig verlöteter Rahmen, hier noch ohne den erweiterten Ausschnitt für das Fahrwerk
Fertig verlöteter Rahmen, hier noch ohne den erweiterten Ausschnitt für das Fahrwerk. Die Streifen neben der Motorraumabdeckung habe ich später wieder entfernt.

Für das Getriebe liegt ein Gussteil bei, das noch mit geätzten Hebeln ergänzt wird. Leider lässt sich das Gusteil weder bohren noch löten, daher habe ich die Hebel vollständig zusammengefügt und dann mit 2K-Kleber an das Getriebe geklebt.

Der Getriebekasten wird mit zwei Hebeln ergänzt. Löten ist an dieser Stelle unmöglich, daher sind die Hebel angeklebt.
Der Getriebekasten wird mit zwei Hebeln ergänzt. Löten ist an dieser Stelle unmöglich, daher sind die Hebel angeklebt.

Die Abdeckung des Motors besteht aus einigen recht großen Blechteilen, die aber ohne Probleme verbunden werden können. Dummerweise habe ich die Front zunächst verdreht, daher sitzt bei einigen Fotos meiner Diema die Klappe falsch herum (auf den Bildern in der Anleitung ist sie auch verkehrt eingesetzt!). Spannend wurde es beim Positionieren der Scharnierbänder, die frei auf die Fläche gelötet werden müssen, und beim Herstellen der Vorreiber. Für sie liegt ein Stück 0,4 mm-Draht bei, das zusammen mit ca. 1,5 x 0,5 mm kleinen Ätzteilen die Vorreiber ergibt. Sollte ich diesen Bausatz noch einmal bauen, würde ich mir irgendeine Alternative ausdenken…

Fertig verlötete Motorhaube provisorisch auf den Rahmen gesetzt
Fertig verlötete Motorhaube provisorisch auf den Rahmen gesetzt

Zur Nachbildung der Winkelprofile, die Motorhaube und Rahmen verbinden, liegen dem Bausatz geätzte Messingstreifen bei. Ich habe diese zuerst geteilt an die beiden Bauteile gelötet, mich aber dann später umentschieden. Im Sinne einer möglichst einfachen Lackierung müssen die Winkelprofile vollständig an die Motorhaube.

Der Bausatz sieht eine Wurhebelbremse vor. In der Anleitung wird diese mit dem Hebel nach unten dargestellt, was meines Erachtens für ein angetriebenes Modell sehr ungünstig ist: Ist der Hebel gesenkt, wird die Bremse angezogen, und die Lok kann nicht fahren. Außerdem habe ich den beiliegenden Streifen zur Verbindung von Wurfhebel und dem (nicht dargestellten) Umlenkhebel unter dem Rahmen verworfen und stattdessen ein etwas aufwendigeres Gestänge aus Draht gebaut. Das Ziel dabei war, das im Original vorhandene Spannschloss zum Einstellen der Bremsen nachzubilden.

Ich habe dazu zunächst ein Stück 0,6mm-Messingdraht in die Minibohrmaschine gespannt und mit der Feile teilweise auf 0,4mm ‚abgedreht‘. Das etwas dickere Mittelstück wird breitgeklopft, an beiden Enden mit 0,4mm durchbohrt und mit der Laubsäge aufgesägt. Das obere Ende durfte auch den vollen Durchmesser behalten und wurde ähnlich bearbeitet um das Gewindeauge zur Verbindung mit dem Wurfhebel darzustellen.

Rückwand der Lok mit Wurfhebelbremse
Rückwand der Lok mit Wurfhebelbremse

Zum Abschluss der Arbeiten an Rahmen und Aufbau habe ich die Teile vollständig gesandstrahlt, mit Fohrmann Messingbraun brüniert und etwaige Fehlstellen verspachtelt (vor allem am vorderen Rahmenabschlussblech, an den Kanten der Motorhaube und an den unterhalb der schrägen Flächen aufgesetzten Streifen).

Lackierbereite Lok
Lackierbereite Lok

Nachdem nun das Fahrwerk und der Rahmen mitsamt Aufbau fertig sind, fehlt nur noch die Lackierung!

Diema DL 6 — Teil 2: Fahrwerk und Elektronik

Im letzten Teil dieser Artikelserie haben wir den Bausatz der Diema DL 6 von KBscale vorgestellt. Nach Anleitung ist zuerst das Fahrwerk aufzubauen.

Montage des Fahrwerks

Das Fahrwerk besteht aus einem zum U gebogenen Neusilber-Blech, das alle Getriebeelemente, den Motor und die Achsen aufnimmt. Das Getriebe ist zweistufig; beide Stufen bestehen je aus einer Schnecke und dem Gegenrad. Zusammen ergibt sich eine 1:120-Untersetzung, die für eine angenehm niedrige und sogar vorbildentsprechende Fahrgeschwindigekeit sorgt.

Rahmen des Fahrwerks mit Schwinge der Dreipunktlagerung
Rahmen des Fahrwerks mit Schwinge der Dreipunktlagerung

Der Bausatz sieht eine starre Lagerung der Achsen im Rahmen vor. Mir ist aber, gerade bei einer so kleinen Lok, eine Dreipunktlagerung wichtig. Daher habe ich eine Rahmenwange mit einer beweglichen Schwinge versehen. Dazu sind nur wenige Änderungen notwendig.

Zunächst erhielt der fertig abgekantete Rahmen einen Längsschlitz mit der Trennscheibe. Um das Wippenlager zu bauen, habe ich dann einen Blechstreifen (aus den Resten der Ätzplatine) über die aufgesägte Seite gelegt und am Fahrwerk-Teil verlötet. Nachdem dieser Streifen und die zukünftige Schwinge mit 2mm durchbohrt sind, wird die Schwinge vorne und hinten mit einer Laubsäge aus dem Rahmen gesägt. Durch dieses Vorgehen ist sichergestellt, dass bei der späteren Montage die Position der Achslager noch stimmt. In die Schwinge wird ein 2mm-Messingrohr mit eingeschnittenem M1,4-Gewinde gelötet.

Um die Beweglichkeit der Achsen sicherzustellen, mussten die Achslager etwas aufgerieben werden. Dies geschah nach dem Einbau und nur so lange, bis sich provisorisch durchgeschobene Achsen ohne zu klemmen drehen ließen.

Um das Getriebe später noch einmal demontieren zu können, habe ich das hintere Widerlager der Zwischenwelle demontierbar eingebaut, anstatt es, wie vorgesehen, zu verlöten. Dazu erhielt der Rahmen einen Messingklotz eingelötet, der gemeinsam mit dem Quersteg durchbohrt wurde. Ein eingeschnittenes Gewinde und eine passende Schraube verbinden diese beiden Teile nun.

Fahrwerk mit Zwischenwelle von unten
Fahrwerk mit Zwischenwelle von unten

Dadurch, dass ich mein 12mm-Fahrwerk auf 13,3 mm umgespurt habe, reichten die vorhandenen Beilagscheiben nicht aus. Ich habe sie daher vollständig gegen Abschnitte von einem passenden Messingrohr ersetzt. Um sicherzustellen, dass diese rund laufen, habe ich das Messingrohr in die Minibohrmaschine gespannt und bei niedriger Drehzahl mit der Laubsäge und stoßend eingespanntem Sägeblatt gesägt. Dadurch ließ sich eine erstaunlich hohe Präzision erreichen!

Fertig montiertes Fahrwerk
Fertig montiertes Fahrwerk

Zur Stromabnahme liegt dem Bausatz ein Stück Bronzedraht bei. Dieser ist aber zu fest und beeinflusst die Schwinge des Dreipunktlagers so stark, dass sie wirkungslos ist. Ich habe daher stattdessen kleine Streifen aus Berryliumkupfer verwendet.

Fahrwerk von oben, gut sichtbar sind die Stromabnehmer aus Blechstreifen.
Fahrwerk von oben, gut sichtbar sind die Stromabnehmer aus Blechstreifen

Dem Bausatz liegen vier gegossene Bremsbacken bei, die mit Draht zu einem Bremsgestänge verbunden werden sollen. Leitende Bauteile so nah an den Radlaufflächen sind aber geradezu eine Garantie für Kurzschlüsse, daher habe ich das Gestänge aus isolierendem Kunststoff gebaut.

Dazu habe ich die beiliegenden Bremsbacken durchbohrt und an den Enden dünner gefeilte 1,3 mm-PS-Stäbe eingeklebt. Diese sitzen nun in den 0,7 mm-Löchern des Fahrwerks. Fahrwerk und Bremsgestänge sind nicht verklebt, sodaß eine spätere Demontage möglich bleibt.

Fahrwerk mit Bremsgestänge aus Polystyrolstäben
Fahrwerk mit Bremsgestänge aus Polystyrolstäben

Speicherkondensatoren und Decoder

Zur Steuerung der Lok habe ich einen Esu Lokpilot Micro eingebaut. Dieser ist von der Leistung her ausreichend dimensioniert und passt gerade so rechts neben den stehenden Motor (der große Kondensator am Ende muss dabei neben dem Motor zu liegen kommen). Eine nette Eigenschaft dieses Decoders ist die Erweiterbarkeit mit einem Speicherbaustein: Zwar bietet Esu ein passendes Modul an, in der Anleitung wird aber auch der Anschluss eines einfachen Kondensators beschrieben. Diese Möglichkeit habe ich genutzt, da kleine Kondensatoren noch gut in der Lok versteckt werden können.

Die Anforderungen an die zu verbauenden Kondensatoren sind einfach: Esu schreibt 25V Spannungsfestigkeit vor, als Kapazität haben sich ab 1000µF bewährt und der Bauraum muss möglichst winzig sein. Aufgrund des äußerst günstigen Kapazität-pro-Bauvolumen-Verhältnisses (und nicht etwa wegen des günstigen Preises…) habe ich mich für die Tantal-Elkos der Serie T491 von Kemet entschieden.

Kondensatorenpakete, noch unisoliert aber bereits an die Hohlräume der Lok angepasst.
Kondensatorenpakete, noch unisoliert aber bereits an die Hohlräume der Lok angepasst.

Von diesen passen fünfmal 100µF links und dreimal 68µF rechts neben den Motor sowie je einmal 68µF auf den Motor, in den Fahrwerksrahmen und rechts und links ins Fahrwerk. Insgesamt ergeben sich damit nominell 908µF, das Multimeter sagt aber sogar 1150µF; die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Um möglichst kompakte Baugruppen zu bilden, habe ich die Kondensatoren zuerst mit Schleifpapier an die wirklich knapp bemessenen Hohlräume angepasst und dann direkt mit Kupferstreifen verlötete „Päckchen“ gebildet, die dann untereinander mit dünner Litze verbunden werden. Um ein problemloses Programmieren der Lok zu ermöglichen, können die Kondensatoren über einen Mikro-Schiebeschalter vom Decoder getrennt werden.

Der gesamte Speicher wird über zwei Lötpads am Decoder angeschlossen. Dazu muss der Schrumpfschlauch geöffnet werden; ich habe die notwendigen Arbeiten minimalinvasiv ausgeführt und den Schlauch nur um die Lötpads mit zwei kleinen Schnitten aufgeklappt. Bei dieser Gelegenheit mussten auch gleich die ungenutzten Anschlusskabel der Zusatzfunktionen weichen.

Fertiges Fahrwerk mit Decoder und Speicherkondensatoren, aber (wieder) ohne Bremsen
Fertiges Fahrwerk mit Decoder und Speicherkondensatoren, aber (wieder) ohne Bremsen

Die fertige Lok ist nicht besonders schwer und insbesondere recht frontlastig, was zu einer stark ungleichen Achslastverteilung führt. Um dies so gut es geht zu kompensieren, muss möglichst weit hinten möglichst viel Gewicht untergebracht werden. In diesem Bereich geht das aber nur im Heck des Fahrwerks, das wenige kleine Hohlräume bietet, die mit Blei ausgefüllt werden können.

Fahreigenschaften

Analog aufgebaut fährt das Fahrwerk gar nicht. Die Stromabnahme ist über die beiden Achsen und bei dem geringen Gewicht so schlecht, dass es höchstens einige Zentimeter weit kommt, und dann sofort wieder stockt. Mit Decoder, Speicherkondensatoren und zusätzlichen Gewichtsstücken hingegen fährt das Fahrwerk sehr gut! Es fährt bei sehr niedriger Geschwindigkeit an und erreicht vorbildentsprechende 8 km/h, allerdings hört man das Getriebe dann schon recht deutlich. Das liegt aber vermutlich in erster Linie daran, dass bei meinem Fahrwerk die Schnecke leicht unrund läuft; ob dies auf einen Fehler von mir oder zu grobe Toleranzen zurückzuführen ist, weiß ich nicht. In dubio pro reo, ich gehe von einem Fehler meinerseits aus.

Um das derart mit der Elektronik verbundene Fahrwerk noch im Aufbau montieren zu können,  sind an diesem einige (nicht sichtbare) Änderungen notwendig. Dazu mehr im nächsten Teil!

Diema DL 6 — Teil 1: Vorbild und Bausatzvorstellung

In der Umgebung Diepholzs gibt es zahlreiche Moore, die bis heute zur Torfgewinnung bewirtschaftet werden. Dabei wird der Torf nach wie vor von Feldbahnen aus dem Moor zu Verladeeinrichtungen gefahren, von wo aus er dann in die weite Welt verkauft wird. In dieser Umgebung florierte die Diepholzer Maschinenfabrik, kurz Diema, die sich auf die Fertigung von kleinen Industrielokomotiven spezialisiert hatte. Die kleinste Lok im Lieferprogramm war die DL 6, die von 1955 bis 1970 in (vergleichweise) großer Stückzahl gebaut wurde. Bei nicht einmal 2m Länge über Puffer hat sie mit voller Last immerhin 8km/h erreicht!

Der britische Hersteller KBscale, bekannt aus dem Artikel von Ulrich auf der Haupt-Website, bietet ein ganzes Spektrum an Fahrzeugen in 014 (Maßstab 1:43,5, 14mm Spurweite) an. Darunter auch eine Diema DL 6. Eigentlich bin ich ja bei H0 zuhause, aber bei einer Diepholzer Lokomotive auf 600mm Spurweite konnte ich einfach nicht nein sagen!

Bei Anlieferung erhält man eine hübsche weiße Kartonschachtel mit in schwarzem Seidenpapier eingeschlagenen Bauteilen. Die Anleitung ist kurz und fängt mit den Worten „As supplied this kit assembles into a Diema DL6 locomotive.“ an — ein Euphemismus ohnegleichen. Vielleicht ist das aber mit ein wenig mehr Übung des Erbauers durchaus der Fall und man muss nicht mehr so viel selbst bauen, wie ich das musste…

Übersicht über den Inhalt des Bausatzes für eine Diema DL 6 von KBscale
Übersicht über den Inhalt des Bausatzes für eine Diema DL 6 von KBscale

Geliefert werden zwei Messing-Ätzbleche für Rahmen und Motorhaube, ein Neusilber-Ätzblech für das Fahrwerk, die notwendigen Getriebebauteile und der Motor, einige Gußteile (Bremsbacken, Getriebegehäuse,  Radlager, diverse Details) sowie etwas Draht und Kabel zur Vervollständigung. In der Schachtel ist tatsächlich alles enthalten, was man für die vollständige Montage des Bausatzes benötigt — und das bei einem meines Erachtens überaus günstigen Preis!

Der Bausatz ist im Maßstab 1:43,5 gehalten, was bei 600mm Vorbildspurweite recht genau 14mm Modellbahn-Spurweite ergibt. Dennoch habe ich die Lok in der 12mm-Variante gekauft und auf 13,3mm umgespurt, was den von mir gewünschten 600mm im Maßstab 1:45 entspricht. Warum dieser Bruch, mag man sich fragen? Nun, hierzulande ist 1:45 scheinbar weiter verbreitet und außerdem gibt es von Paul Petau wunderschöne Loren, die aber in 1:45 gehalten sind und deren Rahmen keinen Platz für weitere Spuren als 13,3mm lässt.

Diema DL 6 von KBscale
Diema DL 6 von KBscale

Ich habe die Lokomotive mit einigen Abweichungen zum Bausatz aufgebaut und werde darüber in loser Folge in mehreren Artikeln berichten. Los gehts mit dem Fahrwerk!

56.2: Nun endlich ein Test der Liliput-Lok

liliput56kritik-lokfuehrerseite-sm

So, nachdem Fremo-Kollege Andreas Boecker freundlicherweise seine neue Liliput-56.2 vermessen, fotografiert, getestet und zerlegt hat, ist sie zwar noch nicht fertig, aber in alter Tradition trotzdem online, unsere Modellkritik. Wer da noch was beizusteuern hat — oder ein ähnliches Traktat über die Märklinlok –, der sei dazu herzlich eingeladen!

56.2: Die Modellvergleichstabelle

Da die Informationen zu den beiden 56.2 mittlerweile in den Foren weit verstreut sind zwischen den ganzen Meinungen und Anfeindungen, dachten wir (Ermel und Erik) uns, wir tragen mal das ganze Pro und Kontra in Tabellenform zusammen. Kaum ein paar Stunden mit glühender IRC-Verbindung später waren wir uns auch schon über die nun hoffentlich einigermaßen neutralen Formulierungen einig. ;-)

Neue Erkenntnisse werden in diesen Artikel eingepflegt werden, also am besten bookmarken!

Et voilà:

Lok-Tender-Verbindung
Mätrix Liliput
Kuppelabstand zu groß, sonst aber alles okay. Korrektur einfach. Völlig unförmige, klobige Deichsel als vorbildwidrig ausschwenkender Teil des Lokrahmens. Dadurch bedingt fehlende Teile am Lokrahmen. Absolut indiskutable Optik. Korrektur schwierig.
Vordere Pufferbohle
Mätrix Liliput
Puffer märklintypisch zu hoch, Pufferbohle in sich zu flach. Die Höhe der Oberkante scheint aber zu stimmen — und entgegen ersten Meldungen auch die Höhe der Stufe im Umlauf. Dann wäre die Korrektur relativ einfach: Pufferbohle unten verlängern, Puffer nach unten versetzen. Entgegen der ursprünglichen Annahme, daß alles stimmig ist, hat eine genaue Betrachtung des Models gezeigt, daß die Pufferbohle zu dick ist. Vermutlich wurde dies so gemacht, um die Lichtleiter unterzubringen. Die Pufferbohle ist nach hinten hin fast doppelt so dick, wie sie sein sollte. Dadurch reicht sie näher an die Schutzbleche des Vorläufers heran und hängt teilweise über den Bahnräumern, welche normalerweise hinter der Pufferbohle sitzen. Korrektur relativ einfach, jedenfalls nicht schlimmer als bei Mätrix.
Vorlaufdeichsel
Mätrix Liliput
Radposition scheint stimmig. Bahnräumer an der Vorlaufdeichsel. Schutzbleche zu kurz und zu weit oben/außen. Korrektur relativ einfach. Rad scheint zu weit vorn zu stehen, Deichsel müßte gekürzt werden. Schutzbleche auch zu weit oben, aber nicht so weit wie bei Mätrix. Wenn’s einen denn stört, wäre eine Korrektur relativ einfach.
Kesselaufbauten
Mätrix Liliput
Nix zu mäkeln. Leitungen scheinen etwas weniger plastisch zu wirken als bei Liliput, aber völlig okay so. Der Schlot sitzt vorbildgerecht auf einer „Krempe“, die aber deutlich zu dick ausgefallen ist. Abziehen, feilen, einstecken — wie hier bisher angeregt — reicht nicht, da die Krempe auch im Durchmesser zu groß ist. Trotzdem ist die Korrektur relativ einfach: Schlot ab, Loch zu, Weinert-Schlot drauf. Rest wirkt aber prima, trotz Zweifeln an der korrekten Führung der Sandfallrohre, und es gibt auch schon mehrere Varianten der Dom- und Luftkesselanordnung.
Führerhaus
Mätrix Liliput
Auch hier alles okay, bis auf die fehlenden Tendertüren. Bisher nur die Version mit Dachaufsatz erhältlich, evtl. paßt aber das Runddach-Führerhaus der 55.25. Dachaufsatz zu hoch, wirkt viel zu klobig. Wegdremeln und Neubauen wäre recht heftig, aber Führerhaus tauschen oder gleich die bereits angekündigte Variante mit Tonnendach kaufen ist als „Korrektur“ einfach. Tendertüren sind vorhanden, stehen aber schräg nach innen und sollten ersetzt werden.
Räder und Steuerung
Mätrix Liliput
Feine Metallräder mit märklintypisch sehr großen Spurkränzen (wie es bei der DC-Version von Trix aussieht, bleibt abzuwarten), Fangeisen der Treibstange fehlt. Korrekturen relativ einfach, da sich die Radsätze nach unten entnehmen lassen. Feine Metallräder mit normalen NEM-Spurkränzen, Steuerung vollständig, aber vor allem wegen der mit einer Sechskantmutter alter Tradition befestigten Gegenkurbel nicht so schön wie die der Konkurrenz. Wer RP25 braucht: Korrektur einfach, da sich die Radsätze nach unten entnehmen lassen.
Betriebseigenschaften
Mätrix Liliput
Hier muß geklärt werden, ob die von einem Tester angegebene Mindestgeschwindigkeit von >1 cm/sec (!) getriebe- oder decoderbedingt ist. Endgeschwindigkeit stark überhöht (ca. 120 km/h). Korrekturaufwand undefiniert. Es scheint aber relativ wahrscheinlich, daß es sich eher um ein Decoder-„Feature“ handelt. Endgeschwindigkeit ebenfalls überhöht (die berichteten Werte liegen bei 100 bis 120 km/h). Sonst keine Klagen zum Antrieb, im Gegenteil, vom weichen und leisen Lauf wird allgemein geschwärmt — aber der Tender soll sich unter Last schrägstellen. Egal, da die Lok-Tender-Kupplung eh komplett neu muß. Langsamfahreigenschaften laut Youtube-Video okay, Auslauf aus Vorbild-Höchstgeschwindigkeit 9 cm. (Zahlen laut MEB-Test.)
Lackierung und Beschriftung
Mätrix Liliput
Während das Schwarz bis auf ein paar kleine, schnell behobene Fehlstellen, die auch nicht serientypisch sein müssen, sehr gut wirkt, gibt’s im roten Teil ein paar Unschönheiten, am schlimmsten das unlackierte und sehr plastikhaft wirkende Tenderfahrgestell. Korrektur einfach. Die Bedruckung ist tadellos. Zur Beurteilung hinreichende Bilder liegen noch nicht vor; auf den bisher verfügbaren haben wir aber immerhin noch nichts zum Mäkeln gefunden …

Fazit

Haben wir noch keins, aber mittlerweile tendiert Erik deutlich Richtung Mätrix und Ermel genauso deutlich Richtung Liliput. Es bleibt also spannend — und wenn wir uns, was nicht unwahrscheinlich ist, nicht einigen, profitiert Ihr, liebe Leser: dann bekommt Ihr Frokeltips zu beiden Lok — is doch schön, oder? :-)

Updates

  • 2.12.12: Hinweis zur zu dicken Pufferbohle bei Liliput (erik)
  • 3.12.12: Hinweise zur Schlotkorrektur und den Sandfallrohren bei Liliput und zum Antrieb bei Mätrix  (ermel)
  • 7.12.12: Hinweise zur Schlotkorrektur bei Liliput korrigiert; Hinweise zur Steuerung bei Liliput; neuer Abschnitt zu Lackierung und Beschriftung (ermel)