VTG: Vernünftig, Teuer, Geil

Es gab ja lange Zeit, wenn’s um zweiachsige Leichtbaukesselwagen der Kriegsjahre ging, nur den Klein-Modellbahn-Wagen, schön einmal mit durchgehendem Rahmen als „Bauart Uerdingen“ und einmal wie im Bild mit freitragendem Kessel als „Bauart Deutz“. Alles fein, alles gut.

Klein Modellbahns Pseudodeutz* als VTG-DEA. Schön isser ja, aber halt falsch. Entsorgen aber nicht nötig, siehe weiter unten.

* Hey, Pseudokrupp gibt’s doch auch (von Brawa ;-)

Alles falsch.  Das gezeigte Modell ist weder ein Deutz noch die Variante mit durchgehendem Rahmen ein Uerdinger.  Trotzdem kann man da noch was Sinnvolles draus bauen.  Aber erstmal möchte ich Euch zwei der aktuellen Modelle dieser Wagenbauarten vorstellen — und ihren Vorläufer als Zugabe gleich mit.

Vernünftig: 22 m³ (geschweißt) von Brawa

Brawas geschweißter Kesselwagen: immer noch eins der besten H0-Modelle überhaupt!

Den kennt Ihr schon.  Also jetzt nicht von dieser Website, wir sind ja meistens etwas langsamer *hust*, aber das Modell gibt es schon ein paar Jährchen, und es ist immer noch genauso toll wie damals.  Mittlerweile ist es aber auch öfter mal billig — der VTG-Wagen im Bild hat keine 20 € gekostet, neu im Angebot beim Händler übern Tresen, nix Versand!  Und spätestens dafür, aber eigentlich auch zu den vergleichsweise moderaten Straßenpreisen von meist unter 30 €, ist das eine sehr vernünftige Anschaffung.

Es gibt dann übrigens auch noch geschweißte Kesselwagen dieser Bauartfamilie bei Liliput, erfreulicherweise aber andere Vorbildvarianten als den Brawa-Wagen: Kessel mit 20 m³ und 26,7 m³ Inhalt (letzterer war übrigens der häufigste) und auch einen wunderschönen, beim Vorbild aber raren Dreikammerwagen.

Soviel zu den „klassischen“ Vorgängern der eigentlich hier zu zeigenden Modelle, denn nun kommen wir zu den vom Vorbild her m.E. interessanteren Leichtbauwagen.  Davon gab es nämlich nicht nur zwei Sorten, eben Deutz und Uerdingen, sondern drei.  Zwei davon gibts schon als Modell, die dritte kommt bald.

Es geht hier jetzt übrigens unerwarteterweise nicht mit den Bauarten chronologisch weiter, das bleibt der endgültigen Version dieses Artikels vorbehalten, wenn denn mal jemand die Uerdinger Bauart liefert.  Angekündigt haben sie schon zwei Hersteller (s.u.).  Mal kucken — Fortsetzung folgt.

Teuer: 24 m³ (Einheitsbauart) von Exact Train

Exact Train hat ja seinem Namen anfangs … nicht nur Ehre gemacht.  Aber ich muß anerkennen, sie haben sich gebessert.  Und da so ein Kesselwagen keine Bretterfugen hat …

Der Einheitswagen von Exact Train, wie der Chines‘ ihn schuf

… hab ich an dem auch nicht viel zu meckern.  Der eine Kritikpunkt sind die Bremsfangbänder, das sind diese komischen Schlaufen unter den Bremsbacken.  Sie dienen beim Vorbild dazu, abfallende Teile davor zu bewahren, gleich Zugunglücke durch Entgleisung zu verursachen.  Das könnten sie allerdings kaum, wenn sie so weit unten hingen wie im Modell.  Also weg damit: achtmal mit der Flachzange gerupft, schon sieht’s glaubhafter aus.

Links mit Bremsfangbändern und Bremserhaus, rechts beides „zurückgebaut“.

Der entbremsfanggebänderte Wagen hat auch kein Bremserhaus mehr, und zwar aus epochalen Gründen — er soll nämlich in den 60er Jahren bei Frala leben und nicht 1955 bei Ermel wie der noch naturbelassene.

Umgefrokelter Exact-Train-Wagen mit Bremserbühne

Das mit der Bremserbühne ist jetzt nix, was groß zu erklären wäre, bis auf die Kurbel aus Draht.  Bremsfangbänder haben die anderen paar hundert Wagen in meinem Bestand auch keine, und da ich die dort nicht anbringen werde, kann ich ihr Fehlen auch hier verschmerzen.

Sonst ist der Exact-Train-Wagen aber schon ein sehr erfreuliches Modell, wenn auch leider mit Listenpreis knapp 50 € eindeutig viel zu teuer.  Einer mußte trotzdem her — der Rest kommt irgendwann hoffentlich aus dem Ramsch.

Geil: 30 m³ (Bauart Deutz) von ESU/Pullman

Kesselwagen bauchfrei. Rrrrrrr! Der Deutz von ESU

Das in meinen Augen interessanteste Vorbild hier ist natürlich der Deutz mit seinem zwischen den Rahmenteilen mit den Achshaltern freitragendem Kessel.  Und wenn man das Foto mit dem Bild des KMB-Pseudodeutz vom Artikelanfang vergleicht, stellt man fest: Es reicht halt nicht, ein Stück Rahmen wegzulassen, um einen Deutzkesselwagen zu bauen.  Die Rahmenenden bauen deutlich höher als bei der Einheitsbauart.  Das und auch alles andere hat ESU (die den Wagen unter der Marke Pullman vertreiben) super hingekriegt, so daß der Wagen mit Listenpreisen um 35 € durchaus nicht billig, aber noch preiswert ist — denn er ist nun mal geil!

Und was ist jetzt mit Uerdingen?

Die Uerdinger Bauart ist quasi der Vorgänger der Einheitsbauart, von dieser zu unterscheiden am deutlich flacheren Rahmen.  Hier ein Handmusterfoto von Exact Train, gefunden auf Drehscheibe Online:

Handmuster des kommenden 30 m³-Uerdingers von Exact Train. Bild © Exact Train

Als Exact Train seine Leichtbaukesselwagen angekündigt hat, hieß es, es würden beides Uerdinger werden. Diese Aussage wurde ein bißchen stirnrunzelig, als durchsickerte, daß es zwei verschiedene Kesselgrößen, 24 und 30 m³, geben werde — das gab’s nämlich beim Uerdinger Vorbild nicht.  Als dann der 24 m³-Wagen rauskam (s.o.), Erleichterung: es war ein Einheitswagen und als solcher völlig korrekt.  Wohl also die übliche Sprachverwirrung, auch Klein Modellbahn hatte ja seinen Einheitswagen (s.u.) fälschlich als Uerdinger bezeichnet.  Kämen also nun beide Einheitswagen von Exact Train.  Schön!

Und dann kam von Brawa die Ankündigung des 30 m³-Uerdingers.  Noch schöner!  Alles komplett!  Yippie!

Und dann kam das Handmusterbild da oben.  Von Exact Train.  Und es zeigt — einen 30 m³-Uerdinger.  What the fuck?!  Die bauen tatsächlich statt zweier Varianten derselben Konstruktion, halt nur mit verschiedenen Kesseln, zwei komplett verschiedene Wagen?  Und der, den sie als zweites bauen, wird dann auch noch eine Doppelentwicklung mit einem anderen neuangekündigten Modell?

Seufz.

Meinen Erfahrungen mit Kesselwägen beider Hersteller nach wird der Uerdinger von Exact Train, auch wenn das Handmuster sehr ordentlich aussieht. wohl kein Bombenerfolg werden.  Mein Favorit jedenfalls ist Brawa — nicht nur, aber auch wegen der zu erwartenden Preise.

Und wo kriegen wir jetzt 30 m³-Einheitswagen her?

Erstens mal brauchen wir die gar nicht so dringend, denn im Gegensatz zu allen gezeigten Bauarten, deren Stückzahlen im vierstelligen Bereich lagen, gab es vom großen Einheitswagen grad mal 180 Exemplare.  Und zweitens gibt’s den ja schon — siehe ganz oben, falls sich noch wer erinnert.  Klein Modellbahn hat nämlich einen für die damalige Zeit durchaus sehr ordentlichen 30 m³-Einheitswagen gebaut, nur haben sie ihn halt als Uerdinger verkauft.  Macht nix!  Und für die Handvoll Exemplare, die man davon angesichts der Vorbildstückzahl höchstens braucht, kann man ja auch mal etwas mehr Frokelarbeit investieren, um sie in die Nähe des Standes der neueren Modelle zu bringen.

Übrigens lohnt sich das Investieren der Frokelarbeit auch in die KMB-Pseudodeutzens. Denn das Stück fehlenden Rahmens da reinzuflicken, ist dann auch keine Raketentechnik mehr.  Und so wird dann am Ende doch wieder alles gut und alle glücklich.

Hach.  Ich freu mich :-)

200 richtig schöne Teile

Wir (Frala und der Unterzeichnete) haben mal wieder ein bißchen Geld beim Händler unseres Vertrauens gelassen:

Wie unschwer zu erkennen, ein Produkt aus dem Hause Weinert.  Nein, nicht was Ihr denkt.  Keine 56.2 ;-)

Radsätze! Jede Menge Radsätze.  Passend für Brawa-Güterwagen (und Ermels Roco-Gms 54-Umbau), schön in RP25, aber halt nicht Finescale mit „Spurführung durch Wegsehen“, sondern so richtig fein normgerecht für Fremo-H0RE, wie sich das gehört.

Nur die Verpackung sah dann doch ein klein wenig aufwendiger aus als im gestellten Bild oben.  Nämlich so:

Zweihundert Radsätze, paarweise fein säuberlich in Plast eingetütet und mit zwei, in Worten: zwei (in Zahlen auch) Heftklammern an eine zweifarbig bedruckte, der Recyclingherkunft gänzlich unverdächtige, da reinweiße Pappkarte getackert.  Macht also 937.500 mm² bedruckte Pappe, 900.000 mm² Plastfolie und 2.400 lfd. mm Stahldraht 0,35 mm.  Was man da alles Nettes draus hätte bauen können …

Und genug Zeit zum Bauen hätte man auch gehabt, denn nach nur knapp zwei Stunden incl. dem nervennahrungsmangelbedingten Leeren der mitabgebildeten Behältnisse sah es dann so aus: Vorn die begehrten Radsätze, mittig das Häuflein Altklammer und hinten links Altplast und rechts Altkarton.  Die schiere Sinnlosigkeit dieser jahreszeitlich leicht verfrühten Auspackorgie führte zu mehrfachen Anfällen leicht irren Gelächters bei beiden Protagonisten.

Und es ist ja nun auch nicht so, daß wir der Firma Weinert nicht mitgeteilt hätten, daß wir die Radsätze liebend gern unverpackt in loser Schüttung (s. a. Bild 2) entgegengenommen hätten.  Nicht mal einen Preisnachlaß hätten wir dafür haben wollen (haben wir aber trotzdem gekriegt, Mengenrabatt halt ;-)  Und ja, klar ist das verglichen mit dem, was die durchschnittliche Imbißbude am Tag an Müll generiert, eher ein Hühnerfurz, aber hey, sinnlos bleibt sinnlos.  Warum gibt’s nicht wenigstens 20er-Packungen wie bei den Puffern?  Es ist ja auch nicht so, daß der normale Modellbahner nur ein oder zwei Brawa-Güterwagen hätte — selbst Ermel, einer ihrer profiliertesten Kritiker, hat mittlerweile genug davon, um 100 Radsätze dafür zu bestellen.

Schön isses ja schon.

Nett dann auch die Frage der Dame an der Kasse, was um Himmels willen wir denn mit 200 Weinert-Radsätzen wollten.  Wenn Dich Dein Händler sowas fragt, dann hast Du es geschafft :-)  Wir meinten dann nur, das sei die lange vor uns herprokrastinierte Bestellung für die Brawa-Wagen der letzten zehn und nächsten paar Jahre, und in zehn Jahren kämen wir dann wohl mit der nächsten.  Sie antwortete trocken, aber mit deutlich sichtbarer Erleichterung im Blick: „Dann bin ich nicht mehr hier.“ :-)

Wir sind dann mal weg, Radsätze lackieren.  Bis nächstes Jahr oder so!

Doppelentwicklungs-WM 2018: Ferner liefen …

Wie bei jeder WM gibt es auch bei der diesjährigen Weltmeisterschaft der Doppelentwicklungen bei den Neuheiten in H0 Teilnehmer, denen man bisher keine Hoffnung auf einen Treppchenplatz eingeräumt hätte, die wir als verantwortungsvolle Berichterstatter gleichwohl nicht unerwähnt lassen wollen.  Als da wären:

  • Brawa, die mit der Altbaukessel-01 eine echte Überraschung lancieren und ihr mit dem 1928er Rheingold auch gleich einen genauso überraschenden Reisezug verpassen.  Bei den Güterwagen kündigt der Hersteller einen Säuretopfwagen und einen Ktmmvs 69/Tds 930 als Formneuheit an, bzw. drei Ktmmvs, denn es gibt nur ein Dreierpack davon.  Respektabel: alle vier sind nach der Wertung dieser WM Doppelentwicklungen, wenn auch die Qualität hoffentlich den Aufwand rechtfertigen wird — man hat die Latte mit der Wahl einer Weinert-01 als Prospektmuster wahrlich nicht eben niedrig gehängt.  Trotzdem, die Sensation ist perfekt: Brawa überflügelt Mätrix und ist nach Piko und ROFL, die sich den ersten Platz teilen, der Träger der Bronzemedaille — eine Riesenüberraschung und eine Gratulation nach Remshalden!
  • Schuco, die in unserem Maßstab zwar sehr mit Formneuheiten geizen, aber die wenigen sind immerhin ausnahmslos Porsche 911, von denen es gefühlt ja schon so ziemlich jede Variante geben dürfte — ich bin allerdings zu faul, mich da ins Detail einzulesen.
  • Tillig, deren ELNA 6 ebenfalls eine Riesenüberraschung ist — aber für die WM sind Doppelentwicklungen mit Weinertbausätzen nicht hilfreich, auch wenn man sich preislich schon in deren Nähe befindet.
  • Wiking, die eigentlich einer der Favoriten dieser WM waren, aber erstaunlicherweise sehr schwächeln — nur der Henschel HS3-180 TAK Muldenkipper ist als Weinert-Bausatz schon bekannt, und falls das Wiking-Modell maßstäblich werden sollte, hätte es mit den korrekten Wölbungen in den Türen sogar einen Vorteil gegenüber seinem Artgenossen aus Weyhe.  Auf einen Hinweis von Patrick muß Wiking mit dem Tempo Matador „Knautschgesicht“ eine weitere Doppelentwicklung zugestanden werden; damit bleiben sie aber immer noch weit hinter den Erwartungen zurück.

Im Fazit muß ich zugeben, daß ich mir von dieser Idee der Messeberichterstattung mehr und bessere Gags erhofft hatte.  Wiking und MäTrix haben mir das ein wenig verhagelt.  Was aber, sieht man es mit etwas mehr Abstand, natürlich eine gute Nachricht ist.

Doppelentwicklungs-WM 2018, dritter Spieltag: ROFL!

Heute, meine sehr verehrten Damen und Herren, geht nun also der dritte große Hersteller ins Rennen um die begehrte Auszeichnung als Doppelentwicklungs-Weltmeister 2018!  Es handelt sich um ROFL, also Roco und Fleischmann, die ja schon länger keine zwei Hersteller mehr sind, ist Fleischmann doch nurmehr ein Schatten seiner selbst — die seligen GFN-Zeiten sind vorbei, da beißt die Maus den Faden nicht ab.

Und so tut sich die Jury dann auch schwer bei der Bewertung von Rocos Triebfahrzeug-Hauptneuheit, der Dampflok Baureihe 86 — die gibt es schon, natürlich, außer bei Gützold und Märklin ausgerechnet auch bei Fleischmann.  Im Prinzip also eine Vierfachentwicklung, nur daß die alten Modelle wirklich nicht mehr zeitgemäß sind — Fleischmann seins noch am ehesten.  Aber egal, das hat uns bei den Piko-Neuheiten auch nicht gestört, also werten wir es mal.

Mit den restlichen drei Neukonstruktionen aus vergangener Zeit — Re 4/4 der BLS, Reihe 1041 der ÖBB, Baureihe V 180 der DR-Ost — schließt Roco dann mächtig an den bisherigen Spitzenreiter Piko an, zumal zwei der Vorbilder sich bereits in deren Programm finden: ein Kopf-an-Kopf-Rennen also, aber natürlich ist auch die BLS-Lok, bisher bereits von HAG erhältlich, ein schöner Beitrag zur Erfüllung der Doppelentwicklungs-Quote.  Der Triebwagen Baureihe 628.4 der DB AG hingegen ist da weniger hilfreich, außerdem zumindest für meine ewigvorgestrigen Augen ohnehin nur eine (wenn auch, wie ich höre, sehnlich erwartete) Variante des schon genauso lange wie sein Vorbild bei Roco verfügbaren 628.2.

Bei den Reisezugwagen gibt es außer Reko-Wagen der DR-Ost, wiederum eine Doppelentwicklung mit Piko, nur den TEE-Barwagen ARDmh 105 der DB als Neukonstruktion: hier bleibt der Doppelentwicklungs-Zähler unberührt.  Eine Erwähnung ehrenhalber gibt es aber für die Wiederauflage der Eilzugwagen-Bauart E 36, die ja gerade von Brawa und ESU neu und korrekter geliefert wird — hier kann man Rocos Angebot getrost als Versuch auffassen, mit etwas günstigeren Preisen nochmal den Markt der kostenbewußten Käufer abschöpfen zu wollen, bevor diese Fehlkonstruktionen auf dem Müllhaufen der Geschichte oder, wahrscheinlicher, im eigenen Start-Programm landen.

Die Güterwagen sind, für Roco erstaunlicherweise, ein Trauerspiel: außer einem Epoche-6-Doppeltaschenwagen der AAE, über dessen Doppelentwicklungs-Potential Berufenere urteilen mögen, gibt es genau null Formneuheiten.  Enttäuschend, sowohl für die WM-Wertung als auch für den Modellbahner!  Noch enttäuschender freilich ist die Tatsache, daß das mit den null Formneuheiten sich im Fleischmann-Programm, wenn man es denn so nennen möchte, wiederholt.  Vielleicht sollte man das Label Fleischmann für H0 genauso einstellen wie das Label Roco für N vor ein paar Jahren — es ist ja offensichtlich kein Herzblut mehr dahinter, diesem Schrecken ohne Ende kann man dann auch ehrlicherweise mal ein Ende bereiten, erschrecken wird das niemanden mehr.

Doch zurück zur Doppelentwicklungs-WM: ROFL geht hier nach meiner Wertung mit vier Lokomotiven und einer Reisezugwagen-Serie auf gleiche Höhe mit dem bisherigen Spitzenreiter Piko, der zwar fünf doppelentwickelte Lok auffährt, aber die Wagen ganz untypisch vernachlässigt hat in diesem Jahr.  Das ist ein durchaus beeindruckendes Ergebnis, denn zu den Favoriten zählte der Anbieter bisher nicht.  Gut möglich, daß ROFL und Piko sich am Ende den Titel teilen werden — aber noch steht ja der Wettbewerbsbeitrag des absoluten Favoriten, des Modellauto-Herstellers Wiking, aus.  Wir bleiben dran!

Doppelentwicklungs-WM 2018, zweiter Spieltag: Mätrix

Ja, was soll man da sagen? Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet, so zeigt sich der „Marktführer“ und amtierende Weltmeister bei der diesjährigen Doppelentwicklungs-WM. Konnte man sich in den Vorjahren stets auf mehr oder weniger gelungene Neuinterpretationen neuer wie alter Modelle der DC-Hersteller freuen verlassen, so glänzen die diesjährigen Neuheiten-Kataloge der Marken Märklin, Trix und auch LGB außer durch die üblichen opulenten Fotos und nicht minder opulente Prosa vor allem durch eins: einen Mangel an Formneuheiten.

Wiederauflage reiht sich an Wiederauflage, stellenweise mit durchaus sinnvoll erscheinenden Verbesserungen wie einer optimierten Lok-Tender-Kupplung, teilweise mit vorbildgerechten Formvarianten, oft auch mit Spielereien wie angetriebenen Pantographen oder neckischen „Umgebungsgeräuschen“, immer natürlich anders lackiert oder beschriftet, sonst wären es ja keine Neuheiten. Einziges formneues H0-Triebfahrzeug ist eine aktuelle Ellok des Typs Škoda 109 E, zu der ich indes nix weiter sagen kann. Oder will.

Doch halt, da ist noch eine Formneuheit: ein 57-Tonnen-Dampfkran der DB aus den späten 40ern, natürlich nach Art des Hauses digital fernsteuerbar und mit Sound, dementsprechend mit einer nur äußerst knapp noch dreistelligen UVP und somit zumindest für den Unterzeichneten denkbar uninteressant. Aber hier findet sie sich endlich, die ersehnte Formneuheit und Doppelentwicklung, ein Güterwagen sogar, voll meine Kragenweite und so überflüssig, wie man sie sich nur wünschen kann: der komplett neuentwickelte derzeit noch Kranschutz-, demnächst dann sicherlich auch Rungenwagen Rms 31!

Sie können es also doch noch.

Doppelentwicklungs-WM 2018, erster Spieltag: Piko

Herzlich willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren, zur Weltmeisterschaft im Doppelt-Entwickeln 2018! Auch in diesem Jahr erwarten uns wieder spannende Spiele, bis nach der Spielwarenmesse der Sieger feststehen wird.

Traditionell ist der Sonneberger Hersteller Piko derjenige, der sich als erster aus der Deckung wagt.  So auch 2018, bzw. genaugenommen sogar noch 2017, nämlich heute. Piko ist ja schon seit etlichen Jahren ein solider Anwärter auf die Spitzengruppe bei den Doppelentwicklungs-WM, aber diese Saison hat man wirklich mächtig vorgelegt, sogar das Wort „Favorit“ macht schon jetzt hinter vorgehaltener Hand die Runde.

Immerhin fünf neuentwickelte Lokomotiven bringen die Sonneberger ins Rennen: die Baureihen 118, 151 und 363 der DB, die V 200 der DR und die Reihe 1041 der ÖBB. Und jawohl, meine Damen und Herren, die Sensation ist perfekt: wir haben hier eine Doppelentwicklungs-Trefferquote von vollen 100%! Da wird sich die Konkurrenz ganz schön anstrengen müssen, um mitzuhalten!

Und auch bei der Variantenreiterei begegnen dem Modellbahnfrokler viele auch aus anderen Herstellerprogrammen bekannte Lokomotivgesichter, die zu der Vermutung Anlaß geben, daß Pikos Produktplaner viele alte Roco-Kataloge auf den Nachttischen zu liegen haben.

Schwerer tun sich die Sonneberger freilich bei den Wagen. Hier muß man ihnen aber auch zugutehalten, daß sie viele effektvolle Doppelentwicklungen im Reisezugwagenbereich bereits in den Vorjahren ins Rennen gebracht haben — seien es Silberlinge, -üm-Wagen, Mitteleinstiegswagen oder TEE-/IC-Wagen der Achtziger. Da ist eine Verschnaufpause nichts, wofür man sich schämen müßte –vielleicht schafft man es ja im nächsten Jahr wieder, eine vorhandene Wagenserie auch ins eigene Portfolio aufzunehmen. Ein heißer Kandidat wäre die Eilzugwagenserie E 36, die ja bisher von nur drei Herstellern verfügbar bzw. angekündigt ist — eine Lücke, die geschlossen werden will!

Nur bei den Güterwagen ist es seit vielen Jahren dasselbe Trauerspiel mit Piko: keine Formneuheiten, brauchbare Nachwendemodelle und heute indiskutable Modelle aus DDR-Zeiten bunt gemischt und preislich ununterscheidbar — wenn ihnen bei dieser WM etwas das Genick brechen sollte, dann dieser Wettbewerb. Da wäre mehr drin — ein weiterer Linz, Otmm 70 oder Gbs 254 hätte es schon sein dürfen, um hier keine offene Flanke zu bieten!

Aber warten wir mal ab, wie die Mitbewerber sich schlagen werden. Allen voran natürlich Märklin/Trix, der amtierende Doppelentwicklungs-Weltmeister — aber auch Roco/Fleischmann hat ja schon vielversprechende Ansätze erkennen lassen in letzter Zeit, und auf dem Nebenschauplatz der Modellautos scharrt auch Altmeister Wiking hörbar mit den Hufen. Es wird eine spannende WM — und wir werden selbstverständlich weiter berichten …

Büssing 12000: Jetzt fährt er sogar

Vor auch schon wieder ein paar Jahren hatte ich auf meine Modellbesprechung des Brekina Büssing 12000 (oder 12000 U) bei Mo87 hingewiesen — jetzt ist auch endlich mal wieder was am Modell passiert.

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Und nein, es geht hier nicht nur um ein bißchen Farbe … weiterlesen Büssing 12000: Jetzt fährt er sogar

Ab wann ist es irreführende Werbung?

Trara, trara, die Post war da und brachte unter anderem einen Bausatz eines Büssing-NAG 4500 mit Bilstein-Kran von Artmaster (bei Panzerfux nicht mehr lieferbar, aber den Pritschenwagen gibt’s noch).

An dem reizte mich vor allem die sehr schön nachgebildete Kabine (der Kran hat aber auch was, so ist das nicht).  Zumindest ist das auf dem Modellfoto im Shop und auch auf der Packung so:

buessing-4500-kran-artmaster

Leider  hält das Modell nicht, was die Verpackung verspricht.  Die Kabinenteile mal lose zusammengestellt — das Dach wollte ich nicht vom Anguß trennen, weil ich noch beinahe unschlüssig bin, den Kram zurückzuschicken:

kabinenvergleich

Die Kabine ist definitiv nicht dieselbe.  Man beachte die Proportionen des Fensters, die fehlende Zierleiste, die ausgepägten Türscharniere und vor allem die umlaufende Regenrinne am Dach.  Das sieht aber sowas von nicht nach ner Büssingkabine aus …

Ja klar, es gibt auch Nachkriegsbilder von Büssing-NAG 4500 mit so einer Kabine.  Aber das sind Ausnahmen, vermutlich handgeschnitzte Holzhütten (denn nein, die serienmäßige „Einheitskabine“ aus Holz gab es bei Büssing m.W. nicht).  Auf dem Bild ist etwas zu sehen, was einer gut gemachten Serienkabine nahekommt.

Hinzu kommen die vereinfachten, zur Haube hin offenen Kriegskotflügel, was auf dem Shopfoto zugegebenermaßen nicht zu erkennen ist, und eine vordere Stoßstange aus einfachem Rohr statt der zumindest schwach erkennbaren friedensmäßigen Blechstoßstange.  Beides ist für das Vorbild nicht falsch, aber ich wollte eigentlich eine typischere Optik mit den schöneren Teilen haben …

Alles in allem ist das ungefähr so, als hätte man eine 50 mit Wannentender bestellt und eine 52 geliefert bekommen.  Panzerfux kann da ausdrücklich nix für — die nehmen die Bilder und die Bausätze halt so, wie Artmaster sie liefert.

Eine vollständige Bausatzbesprechung ist in der Mache.  Einen Baubericht wird es von diesem Modell — zumindest in der gelieferten Form — aber nicht geben.  Falls es hier überhaupt gebaut wird … da muß ich nochmal drüber schlafen.

Kann nicht bitte mal wer einen richtig guten mittelschweren Büssinghauber machen?

Nachtrag, später am selben Tag: Mittlerweile ist klar: das Modell auf dem Deckelbild ist ein komplett anderes als das Modell in der Schachtel.  Ich habe im Netz gefundene Fotos beider (als zusammengebaute Pritschenwagen), zusammen mit Bildern des kompletten Bausatzes, ins Web gestelltden hier hatte ich erwartet, diesen hier habe ich bekommen.

Und genervt und frustiert bin ich immer noch.

Das Fazit bleibt dasselbe: Ob die Modelle zurückgehen, ist noch nicht raus, und es wird dringend Zeit für ein richtiges Großserienmodell dieses wichtigen Lastwagens.

Nachtrag am 31. Juli: Mittlerweile ist beschlossen: die Modelle dürfen bleiben.  Bei Panzerfux habe ich mich trotzdem höflich beklagt und eine sehr freundliche Antwort bekommen, man werde sich diesbezüglich mit Artmaster in Verbindung setzen und bis zur Klärung auf der Shop-Seite darauf hinweisen.  Dafür schon mal ein großes Lob, und ich werde weitere Entwicklungen natürlich hier nachtragen.

Fest in der Epoche 4 verhaftet

… ist, bedauerlicherweise, Piko.  Das zumindest kann man meinen, wenn man die jüngste Variante aus Sonnenberg sieht.  Sie wurden auch auf diesem Blog schon länger ersehnt, die Schnellzugwagen der ersten 26,4-m-Generation, und zur letzten Messe wurden sie denn auch endlich angekündigt — mit falschen Bezeichnungen im Bildtext zwar und mit vermutlich gephotoshoppten Vorschaubildchen, leider auch mit gelben 1.-Klasse-Streifen, aber immerhin in Epoche 3.

Jetzt werden sie ausgeliefert.  Und sie sind chromoxidgrün bzw. kobaltblau im Falle des A4ümg.  Das sind zwar die richtigen Farben für die erste Hälfte der 60er Jahre, aber die dürften sich, wie Will Berghoff ausführt, nahezu nur auf Neubauwagen befunden haben — das sind die mit den Drehfalttüren und eben gerade nicht Pikos Vorbilder.

Da war man zu sehr in der Epoche 4 verhaftet — entweder bei den Vorbildern, die als Epoche-4-Wagen ja durchaus in den helleren Tönen lackiert waren (wenn auch vermutlich nicht alle), oder bei der Modellbau-„Philosophie“, denn in den 80er Jahren hatte sich die Erkenntnis, daß es Flaschengrün und Stahlblau viel länger zu sehen gab, als die Jahreszahlen suggerieren, ja auch noch nicht wirklich durchgesetzt.

Oder ist es wirklich, wie im von mir angestoßenen DSO-Thread zum Thema vermutet wurde, der beabsichtigte Wiedererkennungseffekt eines blauen bzw. grünen D-Zug-Wagens beim weniger vorbildorientierten Käuferkreis, den die helleren Farbtöne mehr ansprechen als das doch sehr finstere Flaschengrün/Stahlblau?

Egal was nun die Gründe sind — Unwissen, Wurschtigkeit oder andere Zielgruppe, oder auch eine Kombination aus mehreren davon: ich jedenfalls werde diese Wagen so nicht kaufen.  Dabei warte ich nicht mal auf eine Epoche-3a-Version als AB4ümg, BC4ümg und C4ümg; die waren eh noch arg selten und hatten zudem auch eine andere Kopfform als die Piko-Vorbilder, sowas brauch ich nicht.

Bei mir sollen diese Wagen mal einen typischen D-Zug der Nord-Süd-Strecke abgeben (den älteren unter den Lesern brauch ich nur einen Miba-Titel zu zitieren: „Nord-Süd-Strecke, Bf. Jossa — 1958!“, und der Speichel schießt ein), mit einem MPw4yge und einem Altbau-WR4üe ein angemessenes Anhängsel halt für die ebenso epochenfalsche 01.10 Öl.  Das braucht schon ein gutes Fuder B4ümg und zwei AB4ümg dazu.

Und nein, ich kaufe keine 40-Euro-Wagen zum Umlackieren, schon gar nicht welche mit Fensterrahmen, die teilweise ein bedruckter Teil des Wagenkastens sind.  Übers Wegluxen der 1.-Klasse-Streifen hätte ich ja noch mit mir reden lassen, aber so bleiben die 320 Euro halt erstmal hier.

Vielleicht ein andermal?  Man wird sehen.   Aber ich werfe mal sicherheitshalber und unverbindlich die Bestellnummern der Roco-Wagen gleichen Vorbilds in die Suchabo-Funktion der Elektrobucht; die sind ja auch schön, vielleicht finden sie sich ja zu erträglichen Preisen, auch wenn es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels genau 0 Treffer gehagelt hat.

Nachtrag: der AB4ümg hat die Bestellnummer 64497, die beiden verschieden genummerten B4ümg die 64498 und 64499.  Wer was anzubieten hat, der darf sich gerne melden!  Achja, und der A4ümg hat — als kleiner Service an die Leser — die 64496.

Noch ein Nachtrag: es gibt noch eine Auflage mit anderen Artikelnummern, nämlich die B4ümg 64486/64487/64488 und AB4ümg 64489.

Modell-Neuheiten-Bullshit-Bingo

neuheiten-bullshit-bingo

Quelle: DRU im Mo87-Forum, hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte verbleiben beim ursprünglichen Eigentümer.

Die Regeln dürften bekannt sein: wer in einem Thread eine Zeile, Spalte oder Diagonale komplett markiert hat, darf „Bingo“ rufen (bzw. posten).  Der Unterzeichnete schlägt vor, statt „Wiking“ und „Herpa“ sowie der Zeiträume auch andere Angaben zuzulassen. Um beide Felder ankreuzen zu dürfen, müssen es aber auch im Thread verschiedene sein!

Und jetzt viel Spaß und Erfolg beim Bullshit-Bingo! Gelegenheit zum Spielen findet sich in den einschlägigen Foren ja genug.