Mehr Böden wagen … äh, Wagenböden

Ich hatte ja neulich schon mal die aus Echtholz gelaserten Wagenböden von Kotol gezeigt und war davon auch vollumfänglich begeistert.  Naja, ich sag mal so …

Vorn Kotol, mittig Moebo, hinten zum Vergleich ein sehr guter Serienboden im Brawa R 20 (Stuttgart), der wegen seiner vorbildgerecht längs statt quer angeordneten Bohlen auch drinbleiben darf.

… das Bessere ist des Guten Feind.  Der graue Wagen (ein Pdkh 31 der P.K.P., hierzulande bekannter als schnöder R 10 (Stuttgart) von Roco) trug nämlich, so wie er nach meinem Fischzug in der elektrischen Bucht zappelnd im Netz lag, einen Wagenboden aus gelasertem Papier von Moebo.  Und der, mit seinen Abnutzungsspuren und seiner Mehrfarbigkeit, hat mich völlig überzeugt.

Moebo. Farbton „natur strapaziert“ :-)  Der Wagen muß aber trotzdem nochmal zerrupft werden, der Boden liegt viel zu hoch.  Wie man dem abhelfen kann, steht in diesem Beitrag.

Nein, Kotols Böden aus Echtholz sind deswegen nicht schlecht …

Kotol. Kann man auch nehmen, es sollte ja sowieso nicht alles gleich aussehen.  Die gravierten Befestigungsschraublöcher sehen auf wenig strapazierten Böden ja auch toll aus; auf ramponierten wird man sie eh kaum erkennen.

… aber meine Huckepack-Wagen bekommen Moebo-Böden, soviel ist jetzt wohl sicher.  Moment – Huckepack-Wagen?  Jawohl …

Krupp Titan von Brekina, auf einem Pikowagen unterwegs zwischen Hamburg und Frankfurt/Main, Sommer 1955. Bis dahin ist noch viel zu tun, vor allem die Wagenböden müssen viel weiter runter … so wäre das eine Lademaßüberschreitung :-/

… mehr dazu demnächst in diesem Theater!

Verstärkung!

Eins der größeren Probleme beim Umbau von Güterwagen ist ja, an passende Profilchen für die Kastensäulen und Verstärkungsstreben zu kommen.  Doch Glückes Geschick, tirili, da gibts jetzt was vom AW Lingen:

Packungsinhalt AW Lingen #300 und #301

U- und L-Profile in mehreren Breiten als Neusilber-Ätzblech!  Schon seit längerer Zeit die Variante mit den Nieten/Schraubköpfen, wo auch ein paar Knotenbleche und faltbare Ecksäulen beiliegen, und jetzt ganz neu auch ohne Nieten, wie man sie für Endfeldverstärkungen braucht.  Es gibt zwar auch schon seit längerem fertige Endfeldverstärkungen …

Endfeldverstrebungen für G 10 (AW Lingen #302) an einem Märklin-G 10

…, aber die passen halt nicht überall.  Nun kann man sich also für jeden Wagen was Passendes frokeln — und natürlich auch preußische Pwg damit aussteifen:

Seitenwandstützen geschweißt (AW Lingen #300) probeweise aufgelegt auf einen Brawa-Pwg pr 14

Und wir erkennen: die Dinger sind, im Gegensatz zu den üblicherweise verwendeten gefrästen Profilen, endlich mal richtig filigran und passen gut zu aktuellen Spitzenmodellen.  Für den Märklinwagen im zweiten Bild sind sie beinahe ein bißchen zu fein, aber dafür kann ja keiner was außer Märklin ;-)  Ich jedenfalls bin begeistert.

Auf der Website des AW Lingen gibt’s die Dinger bei Entstehen dieses Artikels noch nicht, aber wohl demnächst beim Wagenwerk, genau wie diverse andere schöne Sachen, die ich hier auch weiterhin in loser Folge vorstellen werde — auch fertig verbaut dann natürlich irgendwann™.  Und nein, das ist keine bezahlte Promotion, sondern pure Begeisterung für die Produkte, auch wenn ich im Interesse der Transparenz eine gegenseitige Sympathie mit ihrem Produzenten nicht verschweigen möchte.

Gelaserte Wagenböden von Kotol

Eigentlich weniger als Superung für Wagen, sondern als Boden für herausnehmbare Ladungsmodelle hatte ich mir die aus Holz gelaserten Wagenböden von Kotol gedacht.  Dafür sind sie leider zu instabil.  Aber begeistert bin ich trotzdem:

Gelaserter Wagenboden mit LKW zum Größenvergleich

Sicherlich sind die Fugen zwischen den „Bohlen“ und die Schraubimitationen leicht übertrieben, aber die Wirkung im Modell ist einfach super, schon im nichtgealterten Zustand.

Erstaunlich, wie plump so ein durchaus ordentlicher Modellgüterwagen (Rmms 33 (Ulm) von Piko) plötzlich wirken kann, oder?

Und so fand sich, ganz versehentlich, die Lösung für mein noch offenes Wagenbodenproblem bei den Verbandsbauart-Rungenwagen R 10 (Stuttgart) von Roco.  Und das ist doch auch schön.  Ganz billig sind die Böden zugegebenermaßen nicht, aber ihr Geld wert sind sie aus meiner Sicht auf jeden Fall.

Klarstellung: Kotol zahlt mir nix für die Werbung, auch nicht in Naturalien.  Müssen sie auch nicht, wenn sie so schöne Sachen liefern!

Keine Messe, kein Bericht (II): Brawa

Na da ist er ja schon, der Neuheitenprospekt eines der beiden im ersten Teil dieses Nichtmessenichtberichts ;-) als „wichtig“ titulierten Hersteller.  Und ja, es ist auch ein für mich interessantes Modell drin.

Und damit meine ich nicht die Vorserien-01, nicht die Mitteleinstiegswagen und auch nicht den gigantischen Trafo-Tieflader SSt 125.  Nicht mal die Staubgutwagen Kds 54/56 reißen mich vom Hocker, da finde ich die Roco-Modelle nach all den Jahrzehnten immer noch mehr als ausreichend schön.  Nein, mir geht’s um den Kalkdeckelwagen oder, wie man gern spöttisch sagt, „Klapperdeckelwagen“ der Austauschbauart, bei der DB K 25 geheißen.  Denn den gab es bisher in maßstäblicher Ausführung noch gar nicht — Fleischmann damals hat den sehr ähnlichen Verbandsbauartwagen K 15 der letzten Bauform gemacht, um (sinnvollerweise) die Fahrwerke des O 10 (Halle) verwenden zu können.

Man darf gespannt sein, ob Brawa die ganzen Griffchen und Trittlis und Anschlagwinkelein auf den Deckeln freistehend ansetzt — erwarten würde ich das von ihnen.  Und dann wird das bestimmt auch ein zum Sterben schönes Modell, das alle anderen K-Wagen plump erscheinen lassen wird.  Höchst löblich auch, daß direkt alle drei wesentlichen Varianten — ohne Handbremse, mit Bremserhaus und mit Bremserbühne — angekündigt werden, hier hat man anscheinend aus den Fehlern der Vergangenheit *hust* Oppeln *hust* gelernt.  Und nicht zuletzt braucht man auch gar nicht soo viele K 25, so daß selbst der zu erwartende gepfefferte Preis erträglich wird.

Doch.  Schön.  Wieder kein Pwg pr 12, natürlich kein Omm 37 (Duisburg), schon gar keine Leigeinheit Gllmehs 52.  Aber schön.

Quecksilberlinge

Quasi im Vorgriff auf hier irgendwann™ mal zusammenzubauende TTM-Kühlwagen zeige ich hier (in zugegebenermaßen subobtimalen Bildern, ich bitte um Nachsicht!) mal deren Vorgänger …

Hg der FS Italia in Holzbauweise mit Bremserhaus, Modell von ACME; die gleiche Bauart ohne Bremserhaus gabs mal von Piko, ein Vergleich folgt.

… und Nachfolger:

Hg der FS Italia in UIC-Bauart, Modell von Brawa. Die etwas breiten Achshalter sind ein Kritikpunkt; es handelt sich halt um eins von Brawas Frühwerken auf dem Güterwagensektor. Die krummen Tritte gehen hingegen auf mein Konto.

Beide Modelle sind kürzlicher Elektrobucht-Konvolutenbeifang, gefallen mir nicht nur (aber auch) wegen ihrer schicken Metalliclackierung sehr gut und werden demnächst™ dann auch mal durch Fremohikanien rollen.  Angesichts der Umstände habe ich ja nicht nur mehr Zeit zum Frokeln, sondern auch mehr Zeit bis ich dieses Versprechen mal einlösen muß, insofern bin ich relativ guter Dinge. :-)

VTG: Vernünftig, Teuer, Geil

Es gab ja lange Zeit, wenn’s um zweiachsige Leichtbaukesselwagen der Kriegsjahre ging, nur den Klein-Modellbahn-Wagen, schön einmal mit durchgehendem Rahmen als „Bauart Uerdingen“ und einmal wie im Bild mit freitragendem Kessel als „Bauart Deutz“. Alles fein, alles gut.

Klein Modellbahns Pseudodeutz* als VTG-DEA. Schön isser ja, aber halt falsch. Entsorgen aber nicht nötig, siehe weiter unten.

* Hey, Pseudokrupp gibt’s doch auch (von Brawa ;-)

Alles falsch.  Das gezeigte Modell ist weder ein Deutz noch die Variante mit durchgehendem Rahmen ein Uerdinger.  Trotzdem kann man da noch was Sinnvolles draus bauen.  Aber erstmal möchte ich Euch zwei der aktuellen Modelle dieser Wagenbauarten vorstellen — und ihren Vorläufer als Zugabe gleich mit.

Vernünftig: 22 m³ (geschweißt) von Brawa

Brawas geschweißter Kesselwagen: immer noch eins der besten H0-Modelle überhaupt!

Den kennt Ihr schon.  Also jetzt nicht von dieser Website, wir sind ja meistens etwas langsamer *hust*, aber das Modell gibt es schon ein paar Jährchen, und es ist immer noch genauso toll wie damals.  Mittlerweile ist es aber auch öfter mal billig — der VTG-Wagen im Bild hat keine 20 € gekostet, neu im Angebot beim Händler übern Tresen, nix Versand!  Und spätestens dafür, aber eigentlich auch zu den vergleichsweise moderaten Straßenpreisen von meist unter 30 €, ist das eine sehr vernünftige Anschaffung.

Es gibt dann übrigens auch noch geschweißte Kesselwagen dieser Bauartfamilie bei Liliput, erfreulicherweise aber andere Vorbildvarianten als den Brawa-Wagen: Kessel mit 20 m³ und 26,7 m³ Inhalt (letzterer war übrigens der häufigste) und auch einen wunderschönen, beim Vorbild aber raren Dreikammerwagen.

Soviel zu den „klassischen“ Vorgängern der eigentlich hier zu zeigenden Modelle, denn nun kommen wir zu den vom Vorbild her m.E. interessanteren Leichtbauwagen.  Davon gab es nämlich nicht nur zwei Sorten, eben Deutz und Uerdingen, sondern drei.  Und so geht*’s hier jetzt aus dramaturgischen Gründen auch nicht mit den Bauarten chronologisch weiter, das bleibt der endgültigen Version dieses Artikels auf der Website vorbehalten — Fortsetzung folgt.

Teuer: 24 m³ (Einheitsbauart) von Exact Train

Exact Train hat ja seinem Namen anfangs … nicht nur Ehre gemacht.  Aber ich muß anerkennen, sie haben sich gebessert.  Und da so ein Kesselwagen keine Bretterfugen hat …

Der Einheitswagen von Exact Train, wie der Chines‘ ihn schuf

… hab ich an dem auch nicht viel zu meckern.  Der eine Kritikpunkt sind die Bremsfangbänder, das sind diese komischen Schlaufen unter den Bremsbacken.  Sie dienen beim Vorbild dazu, abfallende Teile davor zu bewahren, gleich Zugunglücke durch Entgleisung zu verursachen.  Das könnten sie allerdings kaum, wenn sie so weit unten hingen wie im Modell.  Also weg damit: achtmal mit der Flachzange gerupft, schon sieht’s glaubhafter aus.

Links mit Bremsfangbändern und Bremserhaus, rechts beides „zurückgebaut“.

Der entbremsfanggebänderte Wagen hat auch kein Bremserhaus mehr, und zwar aus epochalen Gründen — er soll nämlich in den 60er Jahren bei Frala leben und nicht 1955 bei Ermel wie der noch naturbelassene. Außerdem ist, wie ein Maßvergleich von Andreas B im Projekte-Lokbahnhof-Forum ergab, das „Exact“-Train-Bremserhaus eh zu hoch, da man offensichtlich den Aufwand zum Nachbau der verschieden hohen Bühnengeländer bei Wagen mit und ohne Bremserhaus scheute.  Schwacher Trost: Fralas Wagen ist also jetzt richtig, meiner nicht ;-)

Umgefrokelter Exact-Train-Wagen mit Bremserbühne

Das mit der Bremserbühne ist jetzt nix, was groß zu erklären wäre, bis auf die Kurbel aus Draht.  Bremsfangbänder haben die anderen paar hundert Wagen in meinem Bestand auch keine, und da ich die dort nicht anbringen werde, kann ich ihr Fehlen auch hier verschmerzen.

Sonst ist der Exact-Train-Wagen aber schon ein sehr erfreuliches Modell, wenn auch leider mit Listenpreis knapp 50 € eindeutig viel zu teuer.  Einer mußte trotzdem her — der Rest kommt irgendwann hoffentlich aus dem Ramsch.

Geil: 30 m³ (Bauart Deutz) von ESU/Pullman

Kesselwagen bauchfrei. Rrrrrrr! Der Deutz von ESU

Das in meinen Augen interessanteste Vorbild hier ist natürlich der Deutz mit seinem zwischen den Rahmenteilen mit den Achshaltern freitragendem Kessel.  Und wenn man das Foto mit dem Bild des KMB-Pseudodeutz vom Artikelanfang vergleicht, stellt man fest: Es reicht halt nicht, ein Stück Rahmen wegzulassen, um einen Deutzkesselwagen zu bauen.  Die Rahmenenden bauen deutlich höher als bei der Einheitsbauart.  Das und auch alles andere hat ESU (die den Wagen unter der Marke Pullman vertreiben) super hingekriegt, so daß der Wagen mit Listenpreisen um 35 € durchaus nicht billig, aber noch preiswert ist — denn er ist nun mal geil!

Und was ist jetzt mit Uerdingen?

Die Uerdinger Bauart ist quasi der Vorgänger der Einheitsbauart, von dieser zu unterscheiden am deutlich flacheren Rahmen.  Hier ein Bild des seit Veröffentlichung dieses Artikels ausgelieferten Modells von Exact Train, dankenswerterweise zugeliefert von Timo:

Der 30 m³-Uerdinger von Exact Train. Im Vergleich mit dem 24 m³-Einheitswagen desselben Herstellers weiter oben erkennt man deutlich den flacheren senkrechten Teil des Langträgerblechs. Foto (und noch unbefrokeltes Modell): Timo Günther.

Als Exact Train seine Leichtbaukesselwagen angekündigt hat, hieß es, es würden beides Uerdinger werden. Diese Aussage wurde ein bißchen stirnrunzelig, als durchsickerte, daß es zwei verschiedene Kesselgrößen, 24 und 30 m³, geben werde — das gab’s nämlich beim Uerdinger Vorbild nicht.  Als dann der 24 m³-Wagen rauskam (s.o.), Erleichterung: es war ein Einheitswagen und als solcher völlig korrekt.  Wohl also die übliche Sprachverwirrung, auch Klein Modellbahn hatte ja seinen Einheitswagen (s.u.) fälschlich als Uerdinger bezeichnet.  Kämen also nun beide Einheitswagen von Exact Train.  Schön!

Und dann kam von Brawa die Ankündigung des 30 m³-Uerdingers.  Noch schöner!  Alles komplett!  Yippie!

Und dann kam das Handmusterbild des 30 m³-Wagens von Exact Train.  Und es zeigte — einen 30 m³-Uerdinger.  What the fuck?!  Die bauen tatsächlich statt zweier Varianten derselben Konstruktion, halt nur mit verschiedenen Kesseln, zwei komplett verschiedene Wagen!  Und der, den sie als zweites bauen, wird dann auch noch eine Doppelentwicklung mit einem anderen neuangekündigten Modell.

Seufz.

Meinen Erfahrungen mit Kesselwägen beider Hersteller nach wird der Uerdinger von Exact Train wohl kein Bombenerfolg werden.  Mein Favorit jedenfalls ist Brawa — nicht nur, aber auch wegen der zu erwartenden Preise.  Das auch beim Uerdinger zu hohe Bremserhaus des „Exact“-Train-Wagens ist ein weiteres Argument für Brawa.

Und wo kriegen wir jetzt 30 m³-Einheitswagen her?

Erstens mal brauchen wir die gar nicht so dringend, denn im Gegensatz zu allen gezeigten Bauarten, deren Stückzahlen im vierstelligen Bereich lagen, gab es vom großen Einheitswagen grad mal 180 Exemplare.  Und zweitens gibt’s den ja schon — siehe ganz oben, falls sich noch wer erinnert.  Klein Modellbahn hat nämlich einen für die damalige Zeit durchaus sehr ordentlichen 30 m³-Einheitswagen gebaut, nur haben sie ihn halt als Uerdinger verkauft.  Macht nix!  Und für die Handvoll Exemplare, die man davon angesichts der Vorbildstückzahl höchstens braucht, kann man ja auch mal etwas mehr Frokelarbeit investieren, um sie in die Nähe des Standes der neueren Modelle zu bringen.

Übrigens lohnt sich das Investieren der Frokelarbeit auch in die KMB-Pseudodeutzens. Denn das Stück fehlenden Rahmens da reinzuflicken, ist dann auch keine Raketentechnik mehr.  Und so wird dann am Ende doch wieder alles gut und alle glücklich.

Hach.  Ich freu mich :-)

200 richtig schöne Teile

Wir (Frala und der Unterzeichnete) haben mal wieder ein bißchen Geld beim Händler unseres Vertrauens gelassen:

Wie unschwer zu erkennen, ein Produkt aus dem Hause Weinert.  Nein, nicht was Ihr denkt.  Keine 56.2 ;-)

Radsätze! Jede Menge Radsätze.  Passend für Brawa-Güterwagen (und Ermels Roco-Gms 54-Umbau), schön in RP25, aber halt nicht Finescale mit „Spurführung durch Wegsehen“, sondern so richtig fein normgerecht für Fremo-H0RE, wie sich das gehört.

Nur die Verpackung sah dann doch ein klein wenig aufwendiger aus als im gestellten Bild oben.  Nämlich so:

Zweihundert Radsätze, paarweise fein säuberlich in Plast eingetütet und mit zwei, in Worten: zwei (in Zahlen auch) Heftklammern an eine zweifarbig bedruckte, der Recyclingherkunft gänzlich unverdächtige, da reinweiße Pappkarte getackert.  Macht also 937.500 mm² bedruckte Pappe, 900.000 mm² Plastfolie und 2.400 lfd. mm Stahldraht 0,35 mm.  Was man da alles Nettes draus hätte bauen können …

Und genug Zeit zum Bauen hätte man auch gehabt, denn nach nur knapp zwei Stunden incl. dem nervennahrungsmangelbedingten Leeren der mitabgebildeten Behältnisse sah es dann so aus: Vorn die begehrten Radsätze, mittig das Häuflein Altklammer und hinten links Altplast und rechts Altkarton.  Die schiere Sinnlosigkeit dieser jahreszeitlich leicht verfrühten Auspackorgie führte zu mehrfachen Anfällen leicht irren Gelächters bei beiden Protagonisten.

Und es ist ja nun auch nicht so, daß wir der Firma Weinert nicht mitgeteilt hätten, daß wir die Radsätze liebend gern unverpackt in loser Schüttung (s. a. Bild 2) entgegengenommen hätten.  Nicht mal einen Preisnachlaß hätten wir dafür haben wollen (haben wir aber trotzdem gekriegt, Mengenrabatt halt ;-)  Und ja, klar ist das verglichen mit dem, was die durchschnittliche Imbißbude am Tag an Müll generiert, eher ein Hühnerfurz, aber hey, sinnlos bleibt sinnlos.  Warum gibt’s nicht wenigstens 20er-Packungen wie bei den Puffern?  Es ist ja auch nicht so, daß der normale Modellbahner nur ein oder zwei Brawa-Güterwagen hätte — selbst Ermel, einer ihrer profiliertesten Kritiker, hat mittlerweile genug davon, um 100 Radsätze dafür zu bestellen.

Schön isses ja schon.

Nett dann auch die Frage der Dame an der Kasse, was um Himmels willen wir denn mit 200 Weinert-Radsätzen wollten.  Wenn Dich Dein Händler sowas fragt, dann hast Du es geschafft :-)  Wir meinten dann nur, das sei die lange vor uns herprokrastinierte Bestellung für die Brawa-Wagen der letzten zehn und nächsten paar Jahre, und in zehn Jahren kämen wir dann wohl mit der nächsten.  Sie antwortete trocken, aber mit deutlich sichtbarer Erleichterung im Blick: „Dann bin ich nicht mehr hier.“ :-)

Wir sind dann mal weg, Radsätze lackieren.  Bis nächstes Jahr oder so!

Duisburg und Klagenfurt: Vergißmeinnicht

Nachdem das Projekt Omm 37 auf Roco-Basis: Augen zu und durch mal wieder ein bißchen eingeschlafen ist, entsann ich mich bei einem Händlerbesuch zweier älterer, beinahe vergessener Modelle des Duisburg und seines Vorgängers Klagenfurt, bei der DB Omm 37 und 34 geheißen:

Rechts der Klagenfurt von Piko aus den 60ern, links und hinten der Duisburg von Märklin.  Dessen Wagenkasten stammt aus den späten 80ern oder frühen 90ern, das Fahrwerk ist jünger — debütiert war das Modell dereinst im Primex-Programm mit einem Billigserien-Fahrwerk mit zuwenig Achsstand und Relex-Kupplungen …  Und um gleich bei den Fahrwerken zu bleiben: ja, die sind beide in nullter Näherung Müll und werden zumindest unter diesen Wagenkästen sehr sicher nicht bleiben dürfen, um entsprechender Kritik vorzubeugen.

Aber die Wagenkästen sind immer noch gar nicht mal so schlecht.  Besonders die hauchzarten Bretterfugen bei Piko gehören nach wie vor zum Besten, was es am Markt gibt, und die Variante mit Holztür (die beim Modell aus DDR-Zeiten leider auch die einzige war) ist mir für die Epoche 3a hochwillkommen, zumal die Piko-Tür anders (beim Vorbild: nachträglich) verstärkungsverstrebt ist als beim entsprechenden Modell aus dem Hause Klein Modellbahn.

Der Märklin-Wagenkasten kann da naturgemäß nicht ganz mithalten, aber hey, auch der ist nicht wirklich schlecht: keine rauszusägende Überbreite wie bei Roco, einfache aber ordentliche Gravuren, Bretterfugen besser als bei Roco oder Exact-Train, und außer dem Ersetzen der knubbeligen Eckgriffe und dem Ergänzen der fehlenden, aber dafür immerhin auch nicht abzuschabenden Signalhalter und stirnseitigen Tritte und Griffe an einem Wagenende fällt mir für ein Betriebsmodell kein dringender Handlungsbedarf auf.  Sogar die Beschriftung taugt was.

Detailbild. Diesmal links Märklin, rechts Piko. Bitte entschuldigt die leichte Unschärfe, in der Pikos Bretterfugen sogar vollständig „abgesoffen“ sind — so fein sind sie!

Aber Ermel, wenn das Märklin-Fahrwerk eh in den Müll kann (was übertrieben ist: für so UIC-St-Doppelschakenrollenlagermodernkram ist es sogar ganz okay gemacht, aber ich wüßte jetzt kein Vorbild mit 6 Metern Achsstand dafür, und unter diesem Wagenkasten hat es nix verloren) — warum kaufst du dann das neue Märklinmodell statt dem ollen Primex-Eimer?  Ganz einfach: zumindest diese beiden waren nicht wesentlich teurer als die Primex-Modelle, sind dafür aber schon schön lackiert und bedruckt.  Und wo wir gerade von Preisen reden: das gesamte abgebildete „Dreierpack“ in neuwertigem Zustand war gebraucht nur knapp mehr als halb so teuer wie ein Exact-Train-Modell.

Also ein Wagen, nicht ein Dreierpack.

Bleibt die Fahrwerksfrage.  Da brüte ich schon seit langem eine Idee aus, die ich hier noch nicht verraten will — die aber bei Gelingen ein großes Potential hat, dieses Problem ein für allemal zu lösen.  Mehr darüber ein andermal, und ich sage bewußt nicht wann ;-)

(Mehr zu den Modellen dieser Vorbilder gibts übrigens auch schon seit bald zwei Jahrzehnten auf der Modellbahnfrokler-Hauptseite unter der wie ich finde immer noch schönen Überschrift „Von Klagenfurt nach Duisburg, oder: Leichte Wagen für schwere Zeiten“.  Exact-Train kommt da freilich nicht vor, und das finde ich auch immer noch gut so.)

Der Duisburg von Exact-Train

Was?  Ich?  Nein nein.  Natürlich habe ich mir keine Omm 37 (Duisburg) von Exact-Train gekauft, wo denkt Ihr hin?  Wohl aber unser Mitfrokler Erik, und der hat sie netterweise auch gleich mal neben einem Omm 34 (Klagenfurt) von Klein Modellbahn fotografiert:

(Das ist nun gerade ein als Omm 34 beschrifteter sprengwerkloser Exact-Train-Wagen da rechts, aber die Wagenkästen sind eh gleich und entsprechen eher dem Duisburg als dem Klagenfurt.)  Nochmal von nahem besehen:

Tja.  Ich muß die Dinger natürlich noch mal selber beaugapfeln, aber für ein vorläufiges Fazit reicht’s: für solche Bretterfugengräben geb ich keine 40 Euro je Wagen aus, da können die Fahrwerke noch so schön sein.  KMBs Maserung ist auch nicht grad gelungen, aber für Kriegswagen, die die Omm 34 ja waren, vielleicht noch gerade so akzeptabel — aber was Exact-Train da abgeliefert hat, sieht zumindest auf Bildern auch nicht besser aus als bei den uralten Roco-Billigmodellen aus den 80ern …

… aus denen ergo meine Omm 37 auch weiterhin entstehen werden.  Irgendwann mal™.

Trotzdem freue ich mich aber über jeden Exact-Train-Omm 37, der mir beim Fremo begegnen wird.  Mehr Bretterwand wagen! :-)

Bilder 1 und 2 mit herzlichem Dank an und © by Erik 2018.  Bild 3 ist von Ermel und wie alles hier CC-BY-SA.

Die Entkernung von Stuttgart

Nein, keine Bange.  Weder ist das Froklerblog tot oder verwaist, noch geht es in diesem Beitrag um die unselige 1:1-Kellerbahnhofsbaustelle.  Stattdessen machen wir heute mal wieder was, das in letzter Zeit ein wenig ins Hintertreffen geraten ist:

Güterwagen frokeln!

Und hier unser heutiges Opfer:

r10-avorher-kpl

Den kennt man: Rocos R Stuttgart der Verbandsbauart bzw. R 10 der DB.  Ein durchaus hübsches Modell, dem das Bild  nicht so ganz gerecht wird.  Eigentlich stören mich daran nur vier Sachen:

  1. die labberigen Achshalter, die eigentlich immer schleifende Radsätze zur Folge haben;
  2. der zu hohe Wagenboden, bei der abgebildeten Erstserie überdies mit sinnlosen Längs- und Querleisten auf den Brettern verunstaltet;
  3. das zu geringe Gewicht und
  4. bei der DB-Version die falschen Stirnwandrungen.

Zur Verdeutlichung von Punkt 2 hier noch ein Detailfoto:

r10-bvorher-ende

Das kann man aber alles beheben … weiterlesen Die Entkernung von Stuttgart