Duisburg und Klagenfurt: Vergißmeinnicht

Nachdem das Projekt Omm 37 auf Roco-Basis: Augen zu und durch mal wieder ein bißchen eingeschlafen ist, entsann ich mich bei einem Händlerbesuch zweier älterer, beinahe vergessener Modelle des Duisburg und seines Vorgängers Klagenfurt, bei der DB Omm 37 und 34 geheißen:

Rechts der Klagenfurt von Piko aus den 60ern, links und hinten der Duisburg von Märklin.  Dessen Wagenkasten stammt aus den späten 80ern oder frühen 90ern, das Fahrwerk ist jünger — debütiert war das Modell dereinst im Primex-Programm mit einem Billigserien-Fahrwerk mit zuwenig Achsstand und Relex-Kupplungen …  Und um gleich bei den Fahrwerken zu bleiben: ja, die sind beide in nullter Näherung Müll und werden zumindest unter diesen Wagenkästen sehr sicher nicht bleiben dürfen, um entsprechender Kritik vorzubeugen.

Aber die Wagenkästen sind immer noch gar nicht mal so schlecht.  Besonders die hauchzarten Bretterfugen bei Piko gehören nach wie vor zum Besten, was es am Markt gibt, und die Variante mit Holztür (die beim Modell aus DDR-Zeiten leider auch die einzige war) ist mir für die Epoche 3a hochwillkommen, zumal die Piko-Tür anders (beim Vorbild: nachträglich) verstärkungsverstrebt ist als beim entsprechenden Modell aus dem Hause Klein Modellbahn.

Der Märklin-Wagenkasten kann da naturgemäß nicht ganz mithalten, aber hey, auch der ist nicht wirklich schlecht: keine rauszusägende Überbreite wie bei Roco, einfache aber ordentliche Gravuren, Bretterfugen besser als bei Roco oder Exact-Train, und außer dem Ersetzen der knubbeligen Eckgriffe und dem Ergänzen der fehlenden, aber dafür immerhin auch nicht abzuschabenden Signalhalter und stirnseitigen Tritte und Griffe an einem Wagenende fällt mir für ein Betriebsmodell kein dringender Handlungsbedarf auf.  Sogar die Beschriftung taugt was.

Detailbild. Diesmal links Märklin, rechts Piko. Bitte entschuldigt die leichte Unschärfe, in der Pikos Bretterfugen sogar vollständig „abgesoffen“ sind — so fein sind sie!

Aber Ermel, wenn das Märklin-Fahrwerk eh in den Müll kann (was übertrieben ist: für so UIC-St-Doppelschakenrollenlagermodernkram ist es sogar ganz okay gemacht, aber ich wüßte jetzt kein Vorbild mit 6 Metern Achsstand dafür, und unter diesem Wagenkasten hat es nix verloren) — warum kaufst du dann das neue Märklinmodell statt dem ollen Primex-Eimer?  Ganz einfach: zumindest diese beiden waren nicht wesentlich teurer als die Primex-Modelle, sind dafür aber schon schön lackiert und bedruckt.  Und wo wir gerade von Preisen reden: das gesamte abgebildete „Dreierpack“ in neuwertigem Zustand war gebraucht nur knapp mehr als halb so teuer wie ein Exact-Train-Modell.

Also ein Wagen, nicht ein Dreierpack.

Bleibt die Fahrwerksfrage.  Da brüte ich schon seit langem eine Idee aus, die ich hier noch nicht verraten will — die aber bei Gelingen ein großes Potential hat, dieses Problem ein für allemal zu lösen.  Mehr darüber ein andermal, und ich sage bewußt nicht wann ;-)

(Mehr zu den Modellen dieser Vorbilder gibts übrigens auch schon seit bald zwei Jahrzehnten auf der Modellbahnfrokler-Hauptseite unter der wie ich finde immer noch schönen Überschrift „Von Klagenfurt nach Duisburg, oder: Leichte Wagen für schwere Zeiten“.  Exact-Train kommt da freilich nicht vor, und das finde ich auch immer noch gut so.)

56.2: Der Mangel nähert sich dem Ende

Neulich auf einem Balkon in Hannover:

337.2 — oder 6 mal 56.2 ;-)

Und nein, das sind nicht alles meine.  Nur zwei Drittel davon ;-)  Aber zumindest werden vermutlich alle achtundvierzig Radsätze dieser Lokomotiven demnächst gemeinsam die Reise zum Abdreher antreten.  Und fünf davon müssen dann auch noch ihre Schleifer einbüßen, denn es handelt sich um die neulich allenthalben verramschten Liliput-AC-Digital-Versionen — für rund nen Hunni das Stück kann man dann ja auch mal etwas größere Stückzahlen beschaffen, gell.

Messeberichterstattung entfällt

Ich habe bis jetzt zwar nur den Piko- und den Roco-Prospekt gesehen (Update später des Tags: und MäTrix), aber es langweilt mich jetzt schon.  Dieses Jahr also kein Messebericht, es sei denn, irgendein Hersteller lockt mich doch noch mit einer begeisternden Ankündigung hinter dem Ofen vor — vielleicht holen die Kleinen ja mal wieder die Kohlen aus dem Feuer —, oder einer der geschätzten Mitautoren anderen Inhaber eines Autorenaccounts fühlt sich berufen.

Ich rechne aber mit keinem von beiden.  Sorry. :-(

Hundertdreiundzwanziger Hochlang

Der lange, hohe Mercedes-Krankenwagen gehörte zum Straßenbild meiner Kindheit und Jugend — anscheinend waren die Bullis der damaligen Zeit nicht flott genug für Alarmfahrten über längere Distanzen?  Jedenfalls war das entsprechende Siku-Druckgußmodell ein wesentlicher Bestandteil meiner Sandkastenflotte.

In H0 hingegen gab es damals nix, nur einen beim Vorbild raren hochkurzen /8 von Wiking — das mit den Hochlang-KTW fing in unserem Maßstab erst mit dem W 124 aka „Plastikbenz“ von Wiking und Herpa an, und der war mir damals zu häßlich.  (Das Vorbild, nicht das zumindest bei Herpa sehr gelungene Modell.  Heut mag ich beide gut leiden, was wohl an den seither stetig häßlicheren neuen E-Klassen liegt.)  Und so spielte der „Hochlang“ für mich im Modell keine Rolle mehr.

Letztes Jahr kam dann der /8-Hochlang als Brekina/Starmada-Modell.  Den habe ich mir bisher auch noch nicht gekauft, weil er mir von der Farbanmutung nie recht gefallen wollte und die schiefe Kante der weißen Fläche in der Verglasung mich störte.  Aber ich glaube, der Hochlang wird künftig denn doch eine Rolle spielen müssen im Sankra-Park der Feuerwehr Allenstedt.

Warum der plötzliche Sinneswandel?  Deshalb:

Busch bringt den Hochlang auf 123er-Basis, mit vollem Namen den Mercedes-Benz VF 123 — genau das Vorbild meines Siku-Autos von damals!  Das gezeigte Modell ist eins von zwei marmorierten Vorserien-Modellen, die Busch und Mo87 zu wohltätigem Zwecke bei Ebay versteigern; das Bild ist mit freundlicher Genehmigung © Busch.  Aber ich werde natürlich keinen marmorierten zum Umlackieren in RAL 3000 feuerrot ersteigern, sondern eins der Serienmodelle dann — ab März.  Und /8, W 124 und W 210 müssen dann natürlich auch her — neuere nicht unbedingt, die Bullis sind ja heutzutage flott genug. ;-)

Versöhnlicher Verriß zum Jahresende

So, nun hat Wiking also auch die VW-Doppelkabine der zweiten Transporter-Generation, kurz die T2-Doka, einigermaßen vergurkt.  Seufz.

Den Modellbericht aus meiner Tastatur gibt es, einer alten Tradition folgend, bei Mo87.  Und irgendwann im neuen Jahr kümmer ich mich dann auch mal um den Bau einer richtigen T2-Doka in H0, wenn die in Lüdenscheid es schon nicht hinkriegen — ein paar Baugruppen des grünen Etwas‘ werden da aber natürlich Verwendung finden.

Euch jedenfalls schöne Feiertage und einen erfreulichen Jahreswechsel!

Der Duisburg von Exact-Train

Was?  Ich?  Nein nein.  Natürlich habe ich mir keine Omm 37 (Duisburg) von Exact-Train gekauft, wo denkt Ihr hin?  Wohl aber unser Mitfrokler Erik, und der hat sie netterweise auch gleich mal neben einem Omm 34 (Klagenfurt) von Klein Modellbahn fotografiert:

(Das ist nun gerade ein als Omm 34 beschrifteter sprengwerkloser Exact-Train-Wagen da rechts, aber die Wagenkästen sind eh gleich und entsprechen eher dem Duisburg als dem Klagenfurt.)  Nochmal von nahem besehen:

Tja.  Ich muß die Dinger natürlich noch mal selber beaugapfeln, aber für ein vorläufiges Fazit reicht’s: für solche Bretterfugengräben geb ich keine 40 Euro je Wagen aus, da können die Fahrwerke noch so schön sein.  KMBs Maserung ist auch nicht grad gelungen, aber für Kriegswagen, die die Omm 34 ja waren, vielleicht noch gerade so akzeptabel — aber was Exact-Train da abgeliefert hat, sieht zumindest auf Bildern auch nicht besser aus als bei den uralten Roco-Billigmodellen aus den 80ern …

… aus denen ergo meine Omm 37 auch weiterhin entstehen werden.  Irgendwann mal™.

Trotzdem freue ich mich aber über jeden Exact-Train-Omm 37, der mir beim Fremo begegnen wird.  Mehr Bretterwand wagen! :-)

Bilder 1 und 2 mit herzlichem Dank an und © by Erik 2018.  Bild 3 ist von Ermel und wie alles hier CC-BY-SA.

Fenster zu Schießscharten, Vol. II

Wer mich kennt, weiß um das ewige Gegreine ob der zu großen Seitenscheiben bei allen Modellen von VW-Käfern vor Baujahr ’65.  Langjährige Blogleser kennen den hier vielleicht auch noch:

Mein erster Versuch zum Fensterkleinermachen, 2009.

Das verlief dann, wie so vieles hier, im Sande, hauptsächlich wegen des gigantischen Aufwands (in der Zeit hätte man auch einen 1:1-Käferfensterrahmen entrosten und grundieren können).  Und so dachte ich dann immer mal wieder auf dem Thema herum nebenbei.  Heute kam mir dann mal wieder eine neue Idee.

Riesig ist der Effekt zugegebenermaßen nicht.

Bei scharfem Hinsehen erkennt man: das Modell hat schwarzgraue Fenstergummis.  Das ist bei meinen Modellen Pflicht, normalerweise durch Anmalen der Fensterhöhlungen in der Karosserie — aber gerade beim Brezelkäfer würden dadurch die Fenster optisch noch größer, das will man dann ja schon gar nicht.

Es geht aber auch einfacher als durch Verkleinern der Fensteröffnungen … weiterlesen Fenster zu Schießscharten, Vol. II

Die Entkernung von Stuttgart

Nein, keine Bange.  Weder ist das Froklerblog tot oder verwaist, noch geht es in diesem Beitrag um die unselige 1:1-Kellerbahnhofsbaustelle.  Stattdessen machen wir heute mal wieder was, das in letzter Zeit ein wenig ins Hintertreffen geraten ist:

Güterwagen frokeln!

Und hier unser heutiges Opfer:

r10-avorher-kpl

Den kennt man: Rocos R Stuttgart der Verbandsbauart bzw. R 10 der DB.  Ein durchaus hübsches Modell, dem das Bild  nicht so ganz gerecht wird.  Eigentlich stören mich daran nur vier Sachen:

  1. die labberigen Achshalter, die eigentlich immer schleifende Radsätze zur Folge haben;
  2. der zu hohe Wagenboden, bei der abgebildeten Erstserie überdies mit sinnlosen Längs- und Querleisten auf den Brettern verunstaltet;
  3. das zu geringe Gewicht und
  4. bei der DB-Version die falschen Stirnwandrungen.

Zur Verdeutlichung von Punkt 2 hier noch ein Detailfoto:

r10-bvorher-ende

Das kann man aber alles beheben … weiterlesen Die Entkernung von Stuttgart

USA, Frankreich – Erfurt

Die USA sind das Herkunftsland dieses schönen Güterwagentyps, es handelt sich nämlich um sogenannte „TP-Wagen“, Kriegsgüterwagen aus dem 1. Weltkrieg.  Die wurden in den USA vorgefertigt, in Frankreich montiert und dann nach dem Kriege auch dort eingestellt.  Im Zuge des 2. Weltkrieges über Europa verstreut, kamen sie dann auch zur DB und wurden hier als XXto 90 eingereiht:

XXto 90 der DB, REE-Modell WB401
XXto 90 der DB, REE-Modell WB401

Die Modelle stammen von REE und sind in vier deutschen Beschriftungen erhältlich, von denen die altersmäßig mittleren beiden hier im Bild vorgestellt werden.   Außer dem gezeigten der frühen Epoche 3b bis 1960 mit altem Lastgrenzraster gibt es auch noch einen mit geschlossenem solchen (WB400), einen Wagen der Epoche 2c als Wagen der DR Pl (WB398) und diesen (natürlich vom Unterzeichneten beschafften) XXto Erfurt der DR Brit-US-Zone:

XXto Erfurt, REE-Modell WB399
XXto Erfurt der DR Brit-US-Zone, gealtertes REE-Modell WB399

Zum Vergleich nochmal der Epoche-3b-Wagen im Detail:

XXto 90 der DB, Anschriftenfeld
XXto 90 der DB, Anschriftenfeld

Die nur aufgedruckten Zettelhalter sind die einzige offensichtliche Stirnrunzeligkeit, der Beipackzettel rät zum Aufkleben eines Zurüstteils, das allerdings nicht beiliegt, und begründet dies mit der unterschiedlichen Position je nach Variante.  Das kann einen Frokler nicht erschüttern …

XXto 90 beladen mit dem Inhalt seines Zurüstbeutels
XXto 90 beladen mit dem Inhalt seines Zurüstbeutels

Es liegt auch so genug bei.  Von links nach rechts: Seilteller (die an den Wagen deutschen Vorbilds allerdings nichts zu suchen haben), Sicherungsketten zur Montage an der Pufferbohle (?), Kupplergriffe, höchst löbliche Ersatz-Signalhalter (den bereits montierten zeigt das Bild am Pufferbohlen-Eck deutlich), Bremsschläuche, Originalkupplungs-Attrappen und NEM-Bügelkupplungen, die sich freilich qualitativ dringend nach dem Abfalleimer sehnen.

Stirnseite des gealterten XXto Erfurt
Stirnseite des gealterten XXto Erfurt mit zurückgesetzter GFN-Kupplung

Bemerkenswert: die vielleicht etwas klobigen Puffer sind zwar aus Kunststoff, aber gefedert.  Gleich noch ein Praxistip: wenn man schon beim Zurüsten ist (was mein Wagen noch vor sich hat, ich brauch ne stärkere Lupenlampe, Altwerden nervt), gleich die Puffer abziehen und mit einem Tröpfchen Sekundenkleber sichern, sie sitzen nicht allzu fest.

Bemerkenswert: der linke Wagen hat zusätzliche Rungenhalter
Bemerkenswert: der linke Wagen hat zusätzliche Rungenhalter

Die Modelle WB398 (Epoche 2c) und WB400 (frühe Epoche 3b) verfügen über Rungenhalter, die die beiden anderen Modelle nicht haben.  Die dunklen Bordwand-Innenseiten des Epoche-3a-Modells sind übrigens nicht grau lackiert, das wirkt im Bild nur so wegen der etwas dunkleren Alterung.

Der Epoche-3b-Wagen sollte freilich, wenn er beim Vorbild den Rungenhalter-Umbau erhalten hat, auch deutsche Puffer haben statt der französischen.  Für den Epoche-3a-Wagen sind die französischen Puffer aber okay, für den Epoche-3b-Wagen ohne Rungenhalter geht beides.  Für den DR-Pl-Wagen der Epoche 2c sind die französischen Puffer übrigens auch falsch, die kamen nämlich aus den USA direkt nach Polen.

XXto Erfurt von unten -- am gealterten erkennt man mehr
XXto Erfurt von unten -- am gealterten erkennt man mehr

Abschließend ein Blick auf die Unterseite: Für meinen Geschmack mehr als genug Details an der nach den einfachen Bremsecken zu schließen stillgelegten Bremse, ein wunderbar feines Sprengwerk, löblicherweise angeschraubte Drehgestelle und genug Platz für ein wenig Bleiblech, das der Wagen aber m.E. nicht mal unbedingt braucht mit einem Gewicht von knapp 50 Gramm – aber wer mag, kann in die Vertiefungen satte 2 mm Bleidicke einbringen, das ist dann mit Sicherheit genug.

Alles in allem: Tolle Wagen, zum UVP von ca. 43 Euro nicht zu teuer, zum derzeitigen Sonderangebotskurs von knapp 30 Euro zum Beispiel bei Menzels Lokschuppen sogar nachgerade preiswert.  Kompliment!

Messe 2018: Der Scheuklappen-Artikel

Außer der alljährlichen, in diesem Jahr erstmals aber auch hier im Blog begangenen Doppelentwicklungs-WM ist natürlich auch auf der diesjährigen Spielwarenmesse so einiges passiert, was auch mir altem Zyniker ein freudiges Lächeln abringt.  Dieser Artikel ist zwangsläufig, wie immer, sehr subjektiv, weshalb ich mich entschlossen habe, die mir darob so sicher wie das Amen in der Kirche vorgeworfenen Scheuklappen schon im Titel zu verewigen.  Diesmal gruppiert nach Produktgruppen, man soll ja immer mal was Neues ausprobieren, gell.

Gleise

  • Die für mich wichtigste Neuheit des Jahres bekommt deswegen auch ein Kapitel für sich: Weinert bringt im „Mein Gleis“-Programm ein Stahlschwellengleis!  Klar, da gibts auch schon was von RST und Tillig, aber „Rolf sein Gleis“ wird wohl auch hier die goldene Mitte treffen in Preis, Detailgestaltung und nicht zuletzt auch NEM-Kompatibilität.  Allmählich gehen mir wirklich die Ausreden aus, warum ich immer noch keine Module gebaut habe … ;-)

Rollmaterial (Epochen 2..4)

  • Im Brawa-Abschnitt bei den Doppelentwicklungen nicht erwähnt habe ich den Xr 35, einen zu einem Flachwagen mit niedrigen Bordwänden umgebauten Gms 30 (Oppeln).  Das Schema kennen wir vom nach gleichem Muster entstandenen Xlm 36 auf Basis des Roco-Gmhs 35 (Bremen) als Neusilberbausatz vom Aw Lingen; schön, daß das erste Großserienmodell eines solchen „Umbauwagens“, wenn man von allfälligen X 05 mal absieht, eine bisher noch nicht realisierte Type zum Vorbild hat, wenn auch der Wagenboden bei den Mustern großserientypisch reichlich hoch liegt.  Willkommene Varianten gibt es auch: den Cid-21 in Epoche 3a (hoffentlich zumindest, Muster und Bildtext widersprechen einander) und den G 10 als grauen SNCF-EUROP-Wagen, ein netter Farbtupfer ohne betriebliche Kopfschmerzen also.
  • Busch bringt seine erste Feldbahn-Dampflok.  Über das Vorbild, eine Decauville Typ 3, kann ich zwar genausowenig sagen wie über die Qualität der Umsetzung, aber nett sieht sie aus mit den Rädern innerhalb und den Kurbeln und der zumindest angedeuteten Steuerung außerhalb des Rahmens.  Flüchtiges Googlen bringt freilich Bilder, bei denen da wesentlich mehr „Gedöns“ ist, vielleicht macht ja mal jemand einen Zurüstsatz …
  • Fleischmann macht, wenn schon keine Formneuheiten, wenigstens ein paar nette Varianten alter, aber deswegen nicht schlechter Modelle: sowohl der Pwg pr 14 nach DR-Ost-Vorbild als auch der DB-Neubaukühlwagen Ths 50 erscheinen m.W. erstmals in Epoche 4, gut versteckt und schön preiswert im Start-Prospekt.
  • Kibris dereinst auch bei uns bejubelter Rlmms 56/58 bzw. Kbs 402/403 ist, wenn ich nicht irre erstmals, ohne preistreibende Ladung angekündigt.  Auch wenn ich keine mehr brauche: ich bin neugierig, zu welchem Preis — und ob man inzwischen auch dort die neumodische Technik der Decal-Beschriftung für sich entdeckt hat.
  • Roco macht immerhin zwei Varianten, die ich mir gut in meinem Güterwagenpark vorstellen könnte: den R 10 als Wagen der PKP, mit Bremserhaus und natürlich im hübschen alten Grau, und den G 09 ex USTC als braunen DB-Wagen.  Auch die Wiederauflage der italienischen kurzen offenen L mit Bretterwänden aus dem ehemaligen Klein-Modellbahn-Programm weiß zu gefallen, auch wenn es wieder ein doofes Dreierset ist.  Aber es besteht Hoffnung: daß der letztjährige FF gleicher Provinienz nun auch einzeln kommt statt in sinnlosen Zweier- und Dreierpackungen, finde ich sehr löblich.  Und nein, ich will die 86 nicht kleinreden, jede Allerweltslok nach heutigem Standard ist willkommen — ich brauch halt nur keine, freue mich aber darauf, damit beim Fremo herumzuhühnern.
  • Auch wenn es schon einen von Tillig gibt — der neue Verbandsbauart-Vh 14 (Altona) von RST ist keinesfalls ne Doppelentwicklung, denn erstens ist er maßstäblich und zweitens ein hochdetaillierter Kunststoff-Bausatz, aus dem man die Varianten mit und ohne Endfeldverstrebung, mit und ohne Handbremse und dann mit langem oder kurzem Bremserhaus bauen kann.  Jau, so wullt wi dat!  Meine Hauptneuheit neben Weinerts Stahlschwellengleis, Besprechung folgt nach Erscheinen.  Und das ist wohl ziemlich bald, im RST-Webshop ist er schon; keine Bange, „ausverkauft“ steht da nur für „noch nicht bestellbar“, Ihr seid nicht zu spät, das Ding soll wohl so gegen März lieferbar sein.

Gebäudebau und Zubehör

  • Artitec versteckt seine m.E. interessanteste Neuheit weit hinten im Militärprospekt: eine Bailey-Brücke bzw. die Teile dafür.  Wer nicht weiß, was das ist (ich bis dato auch nicht): ein von den Briten entwickeltes, genial simples System für Behelfsbrücken, von denen auch heute noch einige auf der ganzen Welt stehen.  Ruhig mal wikipädieren und staunen!  Ansonsten viel netter Kleinkram, wie immer, und ein nicht besonders kleines Schiff: die Helena, ein Rheinfrachter, den man aber sicher auch an anderen Binnenwasserstraßen glaubhaft einsetzen kann.  Aber hier gilt wie so oft bei Kleinkram-Anbietern: Selber kucken — diesen Prospekt können ein paar Zeilen nicht ersetzen!
  • Auhagen erweitert den Fabrikbaukasten um ein relativ unspektakuläres Teil: ein mittelgroßes Tor, das in der Größe zwischen dem für Lastwagen schon recht knappen kleinen und dem auch für Eisenbahnfahrzeuge noch recht großzügigen großen Tor liegt und den Platz zwischen zwei Säulen voll ausnutzt.  Hoffentlich werden auch die beiliegenden hölzernen Torflügel ansehnlich — aber diese Neuheit kann man gebrauchen.  Aber auch die Bahnsteigausstattung mit zwei hübschen kleinen Gebäuden und viel Drumherum vermag zu gefallen.
  • Buschs neue Gebäude sind mir irgendwie alle zu niedlich — entweder vom Vorbild oder von den Abmessungen her –, aber sowas ist ja Geschmackssache.  Ausgesprochen erfreulich hingegen die vielen netten Kleinigkeiten, von denen ich hier nur exemplarisch die Vogelvoliere (mit Bewohnern) und den kleinen Teerkocher nebst Zubehör erwähnen möchte — hier lohnt sich das Stöbern im Neuheitenprospekt mal wirklich!
  • Faller hat zwischen einem gigantischen Empfangsgebäude und einem gigantischen Containerkran sowie viel arg verniedlichten Faller-Häuschen auch ein schickes Stellwerk mit integriertem Wasserturm versteckt, schön geziegelt im Stil der Neuen Sachlichkeit und sogar mit Vorbild: Ahlhorn heißt es, und ich bin fast ein wenig traurig, daß es nicht in meine Planungen paßt.
  • Die mächtigen Lasercut-Gebäude von Hobbytrade, MKB und Stadt im Modell aufzuzählen erspare ich mir mal, wer hat schon soviel Geld und Platz, aber schön sind sie schon, doch, ja.  Interessanter fand ich aber ein „Gebäude“ am anderen Ende der Größenskala: die Taxi-Rufsäule bei Stadt im Modell, die ich hier mal aufschreibe, damit ich sie nicht vergesse, bis ich mal eine brauche.
  • Vollmer setzt sein „Steinkunst“-Straßenprogramm mit Kopfsteinpflaster-Kurven in immerhin drei Radien sinnfällig fort, bekommt aber außerdem auch den Trollorden am Bande verliehen für ein betont martialisches Kriegerdenkmal, bei dessen Auswahl ich ziemlich sicher bin, daß der Aufschrei in den Foren mit anschließender „Diskussion“ als Werbeeffekt voll beabsichtigt war.  Was ich ehrlich gesagt zynischer finde als das Denkmal selber.
  • Weinert hat ein paar hübsche Lampen: Holzmast, Peitschenmast, Hängelampen und zur Wandmontage — alles LED-beleuchtet natürlich und alles wunderbar „normal“ vom Vorbild und fein in der Optik.  Ein paar nette Kleinigkeiten gibt es wie gewohnt auch, Zäune zum Beispiel und eine hübsche alte Handschwengelpumpe; interessant finde ich auch den Handschrapper aka Kraftschaufel.  Und in den Lasercut-Gebäudebereich steigt man auch ein mit einem ganz zauberhaften geziegelten achteckigen Kiosk/Pförtnerhäuschen. den bzw. das ich mir auch gut halbiert oder „gedreiviertelt“ als Anbau an Wand bzw. Ecke vorstellen kann.

Straßen- und andere Radfahrzeuge

  • Artitec macht mal wieder zwei wunderschöne Baumaschinen in je zwei Varianten: den Hanomag K 50 als Raupenschlepper und Planierraupe und den Bischoff Polytrac HL 1200 (Version 1960-63) als Greifbagger und Radlader, alle als Fertigmodelle in wirklich unübertrefflichem Finish, wie man es schon von den letztjährigen kennt.  Außerdem gibt’s noch einen Opel-Subventionslaster von 1914, einen bisher unidentifizierten, aber ermutigend altmodisch wirkenden Gabelstapler und ein paar hübsch gammelige Bau- und Kirmeswagen.
  • Brekina brennt kein Neuheitenfeuerwerk ab wie in den Vorjahren, aber es sollte für fast jeden was dabei sein: Epoche 2 wird mit dem BMW 326 bedient, sicher „nur“ eine Variante des EMW 340 und außerdem (hey!) eine Doppelentwicklung mit ADP, aber in brekinatypischer Top-Dekoration bestimmt trotzdem ein Hinkucker auch noch in der Epoche 3a und bei Oldtimerveranstaltungen ab der Epoche 4; in Brekinas Leib- und Magenepoche 3 gibt es außer dem vorbildfreien, aber viele trotzdem begeisternden „Büssing 16.000“ auch einen sehr ähnlichen, aber vorbildgerechten Fiat 690 (siehe unten bei Starline), außerdem das lang erwartete Goggo-Coupé, eine Variante des bekannten Daffodils mit neuem Kühlergrill als DAF 750 und einen „geglätteten“ Nachkriegs-Jeep.  Besonders nett finde ich aber den unscheinbaren kleinen Abschlepper-Aufbau.  Epoche 4 wird mit einem formal sehr typischen, wenn man der Typbezeichung im Prospekt glaubt aber trotzdem höchst exotischen, da für die Schweiz nur 2,30 m breiten Neoplan-Reisebus bedacht sowie mit des Rezensenten Hauptneuheit, einer Metz-Drehleiter DLK 30 auf Mercedes-Benz Kurzhauber L 1519, die bereits ausgeliefert und hier auch schon besprochen wurde; auch hier ein wenig exotisch, denn der leichtere L 1313 mit dem Ovalgrill wäre typischer gewesen, aber flöt, eine tolle „Treppe“ ist das trotzdem.  Und unsere Freunde aus dem Osten bekommen einen LIAZ 706 Lastwagen und einen Ikarus 255 Reisebus.  Es ist für alle gesorgt!
  • Bei Dreika, nun im Busch-Vertrieb, geht es endlich weiter, wenn auch zunächst „nur“ mit Varianten ihres wunderschönen Goliath Express 1100.  Nach ein paar hübschen Farb- und Druckvarianten, jetzt übrigens lackiert statt durchgefärbt, ist der Luxusbus mit Dachrandverglasung bereits mit Bildern angekündigt — auch in Bremen konnte man Samba tanzen damals!  Getränke- und Tiefladepritsche sollen folgen.  Man darf gespannt sein, wie es da weitergeht.
  • Bei Starline überrascht der Fiat 127, ein wichtiges und bisher komplett fehlendes Epoche-4-Auto, das nach dem Einsatz als Ladegut und Postauto im Roco-Programm dann wohl irgendwann auch zivil und einzeln im Brekina-Vertrieb auftauchen wird, hoffe ich zumindest.  Bereits im Brekina-Vertrieb kommen der Steyr-Puch „Baby“ als kleiner Kastenwagen und ein uriger Elektrotransporter der österreichischen Post, der, umlackiert in RAL 1005 honiggelb, aber auch als Stellvertreter für die in 1:87 nicht erhältlichen deutschen Typen bei der Deutschen Bundespost vorstellbar wäre, auch wenn sein Vorbild, ein ÖAF ENO Typ 2 von 1951, es nicht dorthin geschafft haben dürfte.  Beeindruckender sicherlich eine der Brekina-Hauptneuheiten, eigentlich aber von Starline: der schwere Fiat-LKW 690 „Baffo“ als Vierachser mit Gitterpritsche und ebenfalls vierachsigem Anhänger — vielleicht folgen da ja in den nächsten Jahren auch kleinere, nördlich der Alpen verwendbare Konfigurationen, Vorbilder gab es ja genug.
  • Weinert, zum dritten Mal in dieser Liste vertreten (und nur deshalb nicht zum vierten, weil ich ihre neue Dampflok nicht erwähnenswert finde), widmet sich dem Thema Molkerei, was manch Mitfrokler hellhörig werden lassen sollte *zaunpfahlwiederwegpack*, und bringt einen Faun L7 nebst Anhänger mit Milchtank-Aufbau und einen landwirtschaftlichen Anhänger mit Milchkannen-Ladung.
  • Wiking überrascht nicht nur mit nur einer einzigen zwei Doppelentwicklungen, dem vielleicht sogar hochwillkommenen Henschel HS3-180 TAK Muldenkipper nebst kabinengleichen Straßenlastwagen HS-165 (es hängt alles vom gewählten Maßstab ab), sondern auch mit einem noch viel dringender fehlenden erstaunlicherweise völlig unbemerkt vom Unterzeichneten bei Epoche seit Jahren verfügbaren Modell für die Epoche 3a: dem Tempo Matador in der Urversion, besser bekannt als „Knautschgesicht“, der seit dem unverglasten Modell aus der Zeit des Vorbilds nie mehr in H0 verwirklicht wurde.  Die 3D-gedruckten „Silberlinge“ sind noch ein wenig ungeschlacht, aber hier kommt hoffentlich ein ordentliches Modell, das ich von Epoche ja lange vergeblich erhofft hatte — und gleich in drei Versionen: Hochpritsche, Tiefpritsche und Koffer.  Dagegen verblaßt der Alfa Romeo Spider „Duetto“ in meiner Wertung deutlich, nicht nur wegen der bei den Messemustern deutlich sichtbaren horizontalen Trennkante seiner Karosseriehälften.  Vielen Dank an Patrick für die Korrektur — wie ist mir der bloß all die Jahre durch die Lappen gegangen?

Mein Messefazit ist eigentlich dasselbe wie immer in den letzten Jahren: wo die Großen enttäuschen und sowieso kaum neues Rollmaterial zum Kaufe reizt, reißen es die Kleinen mit wunderbarem Zubehör einmal mehr raus und machen auch 2018 zu einem sehr erfreulichen Neuheitenjahr.  Trotz Doppelentwicklungs-WM.  :-)