Ach Wiking … es heißt nicht umsonst *Eck*hauber

Im kürzlichen ;-) Beitrag über die Feuerwehr-Rundhauber von Wiking habe ich es schon erwähnt: Wikings Magirus-Deutz-Eckhauber der „kleinen“, eigentlich der mittleren Baureihe, also nach Vorbild der Typen Mercur und Saturn mit V6-Motoren, ist nicht gerade das Gelbe vom Ei.  Ich habe dessen offensichtliche Formfehler und die kürzlich ausgelieferte Kipper-Version mal zum Anlaß genommen, auch die Konkurrenzprodukte von Preiser und Brekina hervorzukramen und zu kucken, was die alle so taugen und was man da so machen kann.  Ein genauerer Blick auf die Konkurrenz und das natürlich folgende Gefrokel bleiben aber späteren Beiträgen vorbehalten.  Da ich den Kipper dann aus Gründen nicht gekauft habe, vertritt ihn hier das fahrwerks- und bis zur B-Säule auch karosseriegleiche Feuerwehr-Tanklöschfahrzeug TLF 16.

Feuerwehr-Eckhauber im Vergleich: links Brekina, mittig Wiking, rechts Preiser (mit Brekina-Rädern).  Man beachte vor allem die Form der Kühlergrill-Oberkanten, aber auch die Höhe der Motorhauben und die Form von Türen und vorderen Dachkanten.

Auf den ersten Blick fällt auf: Wikings Eckhaube ist einfach nicht eckig genug!  Die Oberseite von Haube und Grill ist viel zu stark gewölbt, und auch der Übergang von Haube und Seitenteilen zum Grill ist viel zu rundlich ausgefallen.  Das ist Preiser vor über 30 Jahren deutlich besser gelungen, und Brekina hat ebenfalls einen erheblich überzeugenderen Eckhauber abgeliefert.  Über die „Bachert-Kabine“ des Wiking-Modells habe ich mich ja schon in zwei vorherigen Beiträgen ausgelassen.

Die TLF von Wiking (links/vorn) und Preiser im Vergleich. Man beachte die Unterschiede bei Grill- und Haubenform, Haubenhöhe, Kotflügelform und Kabine: das sollte eigentlich alles genau gleich aussehen, und zwar so wie bei Preiser …

Sowohl Preiser als auch Brekina haben sich übrigens die Allrad-Version als Vorbild erwählt, neben der Höhe und den anderen Kotflügeln auf den zweiten Blick zu erkennen an dem größeren Abstand zwischen Kotflügel-Oberkante und Hauben-Unterkante (das ist die horizontale Linie mit den drei Gummiknebeln).  Wiking hingegen hat ursprünglich für die LKW, das Feuerwehr-LF 16 und die Drehleiter, theoretisch erfreulicherweise, die niedrigere Version mit Straßenantrieb gebaut, mitsamt den passenden Kotflügeln – und setzt diese aber beim TLF 16 und dem neuen Kipper nun fröhlich auch auf Allradfahrgestelle!

Das muß einen jetzt nicht unbedingt ärgern, denn die Straßenversionen von Wiking sind deswegen nicht besser, nur weniger falsch – Grill, Haube und Kabine waren ja bei beiden Vorbildern gleich und sind deswegen von Wiking auch für beide gleich mißlungen, da kommt’s auf falsche Allradler eigentlich auch nicht mehr an.  Trotzdem typisch – beim Rundhauber ist das ja vorbildgerecht, da waren Allrad- und Straßenwagen bis auf die Höhe über der Straße optisch gleich, und weiter hat man dann offensichtlich nicht mehr geforscht.  Das könnte man vielleicht tatsächlich noch als Kompromiß verkraften, aber die Formfehler bei der Kabine und vor allem der „Rundeckhaube“ sind völlig unnötig, unverständlich und inakzeptabel.  Oder mit anderen Worten: Das Modell paßt hervorragend ins Wiking-Programm ;-)

Und so ist er dann entstanden, der Auslöser dieses Beitrags in voller „Schönheit“, die Wiking-Nichtmesseneuheit von 2021:

Der Eckhauber-Kipper von Wiking (Werkfoto). Und nein, den kauf ich mir ganz bestimmt nicht, nur um hier ein eigenes Bild einstellen zu können!

Meine bei ihrer Ankündigung voreilig wie unwissend geäußerte Vorfreude auf die Wiking-Kipperchen muß ich jetzt, mit mehr Ahnung vom Vorbild, stark relativieren, denn genauer besehen stimmt an denen eigentlich nichts:

  • Der Eckhauber-Kipper hat, genau wie das Feuerwehr-TLF 16, Haube und Kotflügel für Straßenantrieb, aber ein Allradfahrgestell, dazu noch die oben genannten Formfehler bei der Haube, eine „Bachert-Kabine“ und zu allem Überfluß dem Werksfoto nach zu urteilen eine Pritsche mit viel zu massiven Bordwänden und spielzeughafter Lagerung der Kippbrücke.
  • Der Rundhauber-Kipper ist vorn zwar hübscher, aber leider ebenfalls ein Allradwagen und damit zumindest sehr exotisch, denn Allrad-Rundhauber gab es fast nur bei der Feuerwehr – für den harten Baustelleneinsatz hatte sich die Rundhaube als ungeeignet erwiesen, weil sie sich bei starker Verwindung verzog oder aufsprang.  Ab der Spritzwand nach hinten ist der Wiking-Rundhauber-Kipper dann natürlich baugleich mit dem Eckhauber, erbt also auch alle seine Fehler und Unschönheiten.

Natürlich könnte man diese falschen Wiking-Allradler einfach tieferlegen, um Versionen mit Straßenantrieb zu bauen.  Soo toll detailliert sind die Wiking-Fahrgestelle jetzt auch nicht, daß man da groß bang sein müßte, das zurechtzupfuschen.  Aber ganz ehrlich?  Die Qualitäten der Modelle rechtfertigen ihre Anschaffung als Umbau-Basis meines Erachtens nicht.  Wenn sie in ein paar Jahren als Frokelrohstoff für’n Heiermann aus der elektrischen Bucht zu fischen sind wie heute die Feuerwehren und die Lastwagen mit Straßenantrieb, mag das anders aussehen.

Und, wie kommt man jetzt an vernünftige V6-Eckhauber mit Straßenantrieb?  Da müssen wir dann wohl, wie immer, selber was frokeln.  Diesseits der raren Preiser-Drehleiter oder einer größeren Feil- und Spachtelorgie seh ich da eigentlich nur die Möglichkeit, aus den dafür wie erwähnt sehr erfreulichen Wiking-Kotflügeln und der Preiser- oder Brekina-Haube und ggf. -Hütte was zusammenzukomponieren.  Mehr darüber, wenn ich es versucht habe; das abgebildete TLF ruft ja schon sehr deutlich „los, zerleg mich – du willst es doch auch!“. ;-)  Daraus freilich wird dann wohl erstmal ein Bachert-Eckhauber-TLF mit Allradantrieb werden.  Demnächst also mehr zum Thema!

Und das ist dann auch meine „Ausrede“ für den Kauf der Wiking-Modelle: was will man machen, wenn man ihre Kotflügel für den Bau „richtiger“ Straßen-Eckhauber benötigt?  ;-)

Es ist natürlich trotz allem schön, daß es von Wiking erstmals in der Firmengeschichte (!) komplette „klassische“ Löschzüge einfach so zu kaufen gibt: Tanklöschfahrzeug TLF 16, Löschgruppenfahrzeug LF 16 und Drehleiter DL 25. In folgenden Artikeln werden wir aus denen und auch aus den entsprechenden Rundhaubern dann mal so nach und nach vorbildentsprechende Modelle frokeln – nicht nur nach Bachert-Vorbildern :-)

Fazit: Eigentlich sollte das hier ja aber eine Modellbesprechung der neuen Wiking-Kipper werden.  Die fällt, es klang oben schon an, leider mal wieder deutlich negativer aus als die Begeisterung bei ihrer Ankündigung.  Selbst wenn man über die zahlreichen Formfehler bei Kabine und Eckhaube und die einfache Machart des neuen Kippaufbaus bereit ist hinwegzusehen, bleiben die Kompromisse bei der Umsetzung der neuen Magirus-Deutz-Haubenkipper ärgerlich.

Wiking wäre besser beraten gewesen, hätten sie die Kipperchen (und meinetwegen auch schon das TLF) mit Straßenantrieb nachgebildet.  Dann wären nämlich beide Kippervarianten, Eck- und Rundhauber, richtig und typisch gewesen statt falsch bzw. exotisch!  Und außerdem gibt bzw. gab es Allradkipper ja bereits: den langen Eckhauber, wie im ersten Bild zu sehen, von Brekina, und mit kurzem Radstand beide – Eck- und den exotischen Rundhauber – von Preiser.  Da wären kurze Straßenkipper von Wiking doch eine schöne Ergänzung gewesen, erst recht wenn man die Einzelkabine nicht verhauen hätte.  Schließlich wußte man bei Wiking schon mal, wie ein Magirus-Fahrerhaus aussieht: ich empfehle da einen Blick auf den Uranus-Feuerwehrkran KW 15 …  So aber sind die mit großem Trara angekündigten Magirus-Deutz-Haubenkipperchen von Wiking weder Fisch noch Fleisch und riechen außerdem, obwohl noch beinahe fangfrisch, schon ziemlich streng.

Schade.  Es hätte so schön sein können.  So aber müssen wir uns es, wie immer, erstmal schönfrokeln.

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