Hoch, lang – und fehlfarben

Nach der Begeisterung vor einiger Zeit über den hochlangen Mercedes-Krankenwagen aus dem Hause Busch ist er mir nun, zusammen mit seinem in Vorbild und Modell älteren Artgenossen von Starmada/Brekina, endlich zugelaufen.

Hundertdreiundzwanziger von Busch, Strichachter von Brekina/Starmada.

Und trotz einiger kleiner Stirnrunzeligkeiten gefallen mir die beiden KTW insgesamt ziemlich gut.  Ich hatte ja schon damals bei der Ankündigung darüber sinniert, daß diese Sonderaufbauten irgendwie doch Teil meiner Kindheit waren, obwohl sie weder im Alltag noch im Wiking-Programm (damals das Maß aller automobilen Dinge) eine Rolle spielten – tatsächlich war meine erste Krankenwagenfahrt 1987 in einem VW LT und meine jüngste 2020 in einem Mercedes Sprinter, aber mit denen verbinde ich nichts.  Egal!  Nun gibt es die klassischen Hochlang-Daimler der 70er und 80er also als H0-Modelle, genau wie schon länger ihre Nachfolger W 124 bis einschließlich W 211, und ich muß sagen: es wurde Zeit.

Die Heckansichten: Beim /8 noch mit klassischer Heckklappe, beim 123er mit geteilter Hecktür.

Die Modelle sind in vielen Dingen unterschiedlicher als ihre Vorbilder: Starmada mit perfekten Proportionen, zahlreichen Drucken, gnadenloser Verklebung und spärlicher Inneneinrichtung, Busch hingegen mit leichten Formmängeln (die aber viel weniger auffallen als beim T-Modell oder gar der Limousine aus gleichem Hause), vergleichsweise sparsamem Druck, frokelfreundlicher Steckbauweise und tollem Innenleben.  Von der Verklebung natürlich abgesehen ist das für mich im Zweifel alles eher egal, denn für Allenstedt müssen eh beide neu lackiert werden.  Nicht weil die Lackierungen so scheiße wären, denn lackiert sind beide Modelle tatsächlich wider Erwarten nicht, sondern wegen des Farbtons – und weil ich bei der Wahl der Variante komplett auf die Schnauze gefallen bin.

Denn beide, den Busch bei der elektrischen Bucht, den Stamada im Laden, hielt ich für RAL 3000 feuerrot, wie sich das für ein anständiges Feuerwehrauto ja auch gehört.  Die Ernüchterung kam erst zuhause, als sie neben einem solchen parkten:

Hinten Roco in RAL 3000 feuerrot. Vorne die Kompromißfarben irgendwo zwischen demselben und RAL 3024 leuchtrot, was nebenbei bemerkt auch scheiße zu fotografieren ist – ich bitte um Entschuldigung für die auf den Bildern z.T. kaum erkennbaren Gravuren!

Beide Hersteller haben das zu Lebzeiten der Vorbilder relativ trendige Leuchtrot RAL 3024 mit durchgefärbtem Plastik zu imitieren versucht, und beide sind damit grandios gescheitert.  Während Starmadas /8 mit etwas gutem Willen noch als rot zu bezeichnen ist, kann man Buschs 123er eigentlich nur unfarben nennen: weder rot noch orange noch rosa, sondern irgendwas dazwischen, mit nicht wirklich überall deckenden weißen Drucken für Kotflügel, vordere Türen und Dach.  Wunderbar durchscheinend sind sie zudem beide, Starmada dazu noch absolut stumpfmatt.  Wie Leuchtrot eigentlich aussieht, hat Herpa schon in den 1990ern mit nahezu augenkrebsinduzierend grellen Modellen gezeigt – dem Rezensenten kann also vielleicht verziehen werden, daß er nicht auf den Trichter kam, daß das 30 Jahre später dermaßen verkackt werden könne, daß er es auf den ersten Blick für ein anständiges RAL 3000 halten würde.

Aber sei’s drum!  Lack sieht eh besser aus als durchgefärbtes Plastik, und “beggars can’t be choosers”, wie der Brite sagt – meine Modelle waren selbstverständlich deutlich günstiger als Liste, da kann man sich die Farbe halt nicht so richtig aussuchen.  Außerdem werden sie bei mir voraussichtlich eh nicht feuerrot.  Also rasch mal die fehlfarbenen Modelle auseinandergefusselt und umlackiert!  (Um die Zierleisten und so kümmere ich mich dann später – Bare Metal Foil oder Decals, man wird sehen.)

Soweit möglich zerrupfte Modelle. Bemerkenswert: Busch legt zu den montierten auch noch extra Spiegel am Spritzling bei – vorbildlich!

Das Zerlegen ist beim Busch tatsächlich kein Thema: Stoßstangen raus, schon fällt er auseinander.  Der Starmada ist da konstruktiv ganz ähnlich, aber destruktiv leider trotzdem mit reichlich Sekundenkleber quasi irreversibel zusammengepappt.  Womit wir auch schon bei meinem Hauptkritikpunkt wären, denn ehrlich, Starmada, WTF?  Das Modell ist hübsch, keine Frage, aber wehe, man will was dran verbessern – und Anlaß dazu bietet sich auch bei passender Außenlackierung reichlich.

Vor allem das einfarbig graue Armaturenbrett nebst angespritztem Lenkrad braucht dringend Zuwendung, und auch der leere Patientenraum ist trotz vorbildwidrig weggelassenem Trennwandfenster durch die nur zweidrittelgeweißten Scheiben gut zu erkennen.  Klar, kann man alles ändern, aber dazu muß das Ding halt zerlegbar sein!  Habt Ihr echt nur noch Vitrinensammler in der Zielgruppe inzwischen?  Und stehen die auf lieblose Inneneinrichtungen und stumpfmatte Karosserien?  Die Mercedes-Kurzhauber-Feuerwehrfahrzeuge von Brekina gibt’s ja inzwischen auch als Bausatz; das würde ich mir für Starmadas Cyanacrylat-Skulpturen auch wünschen.

Buschs Patientenraumausstattung in der Nahaufnahme. So gut sieht man sie bei zusammengebautem Modell nicht, aber daß da was drin ist, sieht man schon.

Die Karosserie-Innenseiten vertragen bei beiden Modellen einen Anstrich, denn rot waren sie beim Vorbild nun mal nicht – allenfalls bei den elfenbeinfarbigen Versionen wäre das vielleicht verzichtbar.  Bei den pseudo-leuchtroten Modellen kommt hinzu, daß der helle, unlackierte Kunststoff recht transluzent ist, wie man im Bild  oben erkennen kann.  Sonst ist der Busch-Innenraum aber formal und farblich schön gelungen, kann aber natürlich trotzdem noch ein paar Pinselstriche vertragen.

Wenn man sich die Armaturen ankuckt, freut man sich umso mehr, daß sich das Busch-Modell so leicht zerlegen läßt, denn dann kann man sie mal in Ruhe bewundern – Starmada (hinten) sieht dagegen ziemlich ärmlich aus, nicht nur im völllig leeren Patientenraum.

Nun habe ich den Starmada aber offensichtlich doch auseinanderbekommen, wenn auch nicht komplett.  Hier die Anleitung für die Nachahmungstäter da draußen: Kräftig an den Hinterrädern nach unten ziehen, dann biegt sich die Bodenplatte so weit nach unten, daß man zwischen Boden und Schweller kommt und sie weiter nach unten verbiegen kann, bis sie aus der hinteren Halterung schnackt und rausfällt.  Verklebt ist sie nämlich immerhin nicht, sondern hängt nur vorn und hinten an je einer Nase – die hintere ist Teil der Karosse, die vordere ist mit dem Kühlergrill eingesetzt und idiotischerweise unlösbar mit der Karosserie verklebt.  Mit Geduld und Mut ist es mir anschließend gelungen, wenigstens die hintere Stoßstange und, wichtiger, die Scheibenwischer nebst Lüftungsgrill durch Drücken von der Rückseite aus der Verklebung zu befreien.  Der Rest – Scheinwerfer, Rückleuchten, Grill, vordere Stoßstange und Spiegel – wird dann wohl Bekanntschaft mit Abdecklack schließen müssen, wenn es ans Lackieren geht.

Schau mir in die Augen: Blutrote Pupillen und zu großer Stern bei Starmada, etwas dümmlicher Blick und fälschlich schwarzer Grill bei Busch.  Das Problem der durchscheinenden Karosserie zeigt sich in diesem Bild deutlich an der innen rot leuchtenden Tür beim linken Modell.

Während ich bei den Scheinwerfern des /8 noch grüble, wie die roten Punkte von den Steckstiften zu eliminieren seien, ist beim 123er die Umfrokelung naheliegend: Scheinwerfer konkav ausfräsen, Reflektoren baremetalfolieren und Rest grau streichen, um den leicht treudoofen Blick der klassischen „Ochsenaugen“ zu imitieren.  Dafür hat Starmada die Farbe des Kühlergitters besser getroffen – schwarz war das beim Vorbild nie!  Die Gummileisten auf den Stoßstangen fehlen beiden, bei Busch auch die schwarzen Stoßstangenecken und am Heck die unten in die Stoßstange halb eingelassenen Zusatzlampen, Nebelschlußleuchte links und Rückfahrscheinwerfer rechts, wie leider auch schon beim T-Modell aus gleichem Hause.  Bemerkenswert übrigens die asymmetrisch angeordneten Haltezapfen und Montagelöcher bei allen Busch-Teilen, die man sonst auch verdreht montieren könnte – gut mitgedacht!

Links die üppigen 15″-Räder von Starmada, rechts die für Hochlang etwas murkeligen, für PKW aber völlig korrekten 14-Zöller von Busch.  Die Radkappen sind bei beiden super, die Gravurunterschiede fallen nur im Makro auf.

Letzter Kritikpunkt: die Räder.  Die mercedesuntypisch nicht teilweise wagenfarbigen, sondern komplett blanken Radkappen sind für Krankenwagen korrekt, aber die Räder des  /8 erschienen mir gefühlt doch etwas groß geraten.  Googlationen belehrten mich eines Besseren: diese Sonderfahrzeuge rollten im Gegensatz zu Limousinen auf 15″-Rädern, und das hat Starmada sehr schön getrofffen, während Busch verständlicherweise die 14-Zöller der hauseigenen Limousinen und T-Modelle montiert hat.  Es muß also tatsächlich noch ein Starmada-/8 her, seine Räder dem Busch zu spenden, und nicht umgekehrt – wer hätte das gedacht?  Die etwas zu große Spurweite an Starmadas Hinterachse ist mit einer Feile schnell behoben, was sich auch bei der Verwendung der Starmada-Räder im 123er empfiehlt.

Insgesamt zeigt sich mehr Frokelbedarf, als man bei so neuen und hochpreisigen Modellen eigentlich erwarten würde.  Trotzdem bin ich eher positiv gestimmt: es sind halt höchst charmante Exoten, die die beiden Hersteller hier auf die Räder gestellt haben, und sie reizen ungemein zur Verbesserung.  Und auch ihre Nachfolger – W 124 sowohl von Wiking als auch nach anderem Vorbild (!) von Herpa, die auch das „Vierauge“ W 210 und dessen als Hochlang geradezu unfaßbar grotesk verunglückten Nachfolger W 211 im Modell verewigt haben – sind hier mittlerweile zur Beschaffung vorgesehen.

Denn auch wenn ich diesen Satz nie erwartet hätte zu sagen: Es muß nicht immer Bulli sein!

Nachtrag: Leider ist auch Starmadas inzwischen hier eingetroffener, glänzend rotlackierter /8-Hochlang nicht wirklich feuerrot:

Vergleich des Starmada-/8 mit dem Herpa-124.  In der wirklichen Welt finde ich den Farbunterschied deutlich auffälliger als auf dem Foto.
Einmal Fehlfarbe, zweimal RAL.  Die bei meinem Modell nun doch wieder roten Radkappen stammen von der Starmada-/8-Langlimousine, weil der KTW seine blanken nun dem umzulackierenden 123er gespendet hat.  Denn natürlich bleibt der sonst so und kommt zu den Nicht-Allenstedter Feuerwehrmodellen – hat die Feuerwehr Benzenrode ;-) halt mal die Radkappen lackiert, was soll’s.

So gesehen ist es dann doch ganz gut, daß ich Starmadas pseudo-leuchtroten /8 gekauft habe. Der scheint nämlich die einzige Möglichkeit zu sein, an einen unlackierten /8-Hochlang zu kommen, und wenn ich eh selber lackieren muß, kann das ja nur von Vorteil sein. Insofern: alles falschgemacht und trotzdem beim richtigen Ergebnis rausgekommen.

Geht doch.

2 Replies to “Hoch, lang – und fehlfarben”

  1. Ja, die Rottöne… Als ehemaliger Feuerwehrmann und damit natürlich auch -modellbauer kann ich das Liedchen mitsingen. Und meine aktive Zeit (sowohl was Modellbau als auch realen Feuerwehrdienst angeht) liegt inzwischen 20 Jahre zurück.
    Wobei der „dunkelrote“ /8 mich daran erinnert, dass in meiner südhessischen Heimatstadt zu damaligen Zeiten die städtischen Feuerwehrfahrzeuge generell in RAL 3003 „rubinrot“ lackiert wurden. (Landesfahrzeuge, also Katschutz, waren immer RAL 3000). Das war eine Marotte eines Brandschutzamtsleiters gewesen, die dann irgendwann zur Tradition geronnen ist. Und von den Fotos her kommt der /8 da schon fast ran. OK, die Darmstädter Feuerwehr hatte nie Krankenwagen am Laufen… aber wenn, dann hätte der (fast) gepasst.
    Inzwischen ist natürlich auch hier der Industriestandard eingezogen, bei europaweiten Ausschreibungen spielt RAL 3003 sicher keine Rolle mehr und die heute jeden Tag dreimal bei mir zuhause vorbei ausrückenden Scanias und MANs mit Magirus-Aufbauten sind m.E. brav in RAL 3000 lackiert. Ein paar alte „Rubine“ kurven noch durch die Stadt, aber sterben langsam aus.

    • Ja, Rubinrot wird auch die Allenstedter Feuerwehr tragen, zumindest in den 1950ern. Ob und wann dann der Übergang auf Feuerrot kommt, ist noch ungewiß, da muß ich erstmal ein paar Farbversuche mit moderneren Fahrzeugen in Rubinrot machen und kucken, wie das wirkt. Und ganz aktuell stellen ja einige schon auf Verkehrsrot um — eine Farbe, die m.E. Feuerwehrwagen deutlich besser steht als Lokomotiven ;-)

      Aber nein, rubinrot ist der Starmada-KTW leider auch nicht, sondern ein etwas gedeckteres, aber nicht viel dunkleres Rot als das Feuerrot. Das ist echt schlecht zu fotografieren leider.

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