Keine Messe, kein Bericht (IV): Kleinigkeiten

Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder viele wunderschöne Kleinigkeiten unter den Nichtmesseneuheiten.  Und damit meine ich nicht mal die vielen Action-Sets und Themenwelten, mit denen die einschlägigen Hersteller, allen voran Busch und Noch, die Phantasie ihrer Kunden in vorgegebene Bahnen lenken und damit der Miwulaisierung des Hobbys weiteren Vorschub leisten, sondern halt die kleinen Dinge, die einfach irgendwo herumstehen und Atmosphäre stiften. 

Artitec ist da mittlerweile als erste Adresse etabliert.  Dieses Jahr setzen die Niederländer Schwerpunkte zum einen auf das Thema Hafen und zum anderen auf die Möblierung von Wohnräumen und Werkstätten.  Vieles davon, zum Beispiel die berüchtigten Fliesentische, sieht zwar ein bißchen sehr nach Epoche 4 aus, aber vieles andere ist auch angenehm altertümlich bis zeitlos.  Auch die Bushaltestellenhäuschen in Stahl- wie Betonbauweise kann ich mir trotz niederländischer Vorbilder auch auf deutschen Modellbahnen gut vorstellen.

Aber natürlich hat Artitec nicht nur feinen Kleinkram.  Bei den größeren Geräten ist der begeisternd filigran detaillierte, schwere Hyster-Gabelstapler zwar auch Epoche 4 (und folgende, ich seh sowas auch heute noch ab und zu!), aber dafür auch wirklich wunderschön; älter, aber bei uns wohl recht exotisch, ist der nicht minder filigrane Waldschlepper des französischen Herstellers Latil, der auch als Schienentraktor kommt.  Als niederländisch-amerikanische Nachkriegs-Koproduktion schließlich ist der Pasal-Schürfkübel-Seilbaggeraufbau auf M3-Halbkettenchassis zu nennen, ein typisches Behelfsgerät, das auch auf deutschen Baustellen der Epoche 3a denkbar ist.

Von den restlichen „Großigkeiten“ ;-), also Schiffen und Gebäuden, möchte ich vor allem die Klappbrücke und die Gezeitenschleuse herausheben; letztere scheint zwar eine typisch niederländische Angelegenheit zu sein, sieht aber zumindest für mich als Laien so aus, als sollte man aus zwei Bausätzen auch eine normale Kanalschleuse zusammenzimmern können.  Und wunderschön sind, wie bei Artitec nicht anders zu erwarten, beide.

Bei Busch gefallen mir die aus Holz gelaserten, boxpalettenartig stapelbaren Erntekisten sehr, in meiner Epoche aber nicht so sehr für die Landwirtschaft als vielmehr für die Industrie.  Da kann ich mir sehr gut vorstellen, wie darin z.B. Metallspäne von der Produktionshalle zum Schrottbansen gefahren werden.  Sonst ist mir das Busch-Programm wie meistens zu modern, zu niedlich, zu ostdeutsch oder zu actionlastig — aber bitte, wer will der möge, ich bin da offensichtlich nicht Zielgruppe.

Mafen ist ein mir bis dato völlig unbekannter spanischer Hersteller, der diverse nette Kleinigkeiten ankündigt.  Für „Altzeiter“ interessant sind vor allem die Trinkbrunnen, Getränkekisten, Dachantennen, Leitern, Mannlochdeckel und vielleicht die metallenen Bierfässer; nach moderneren Vorbildern findet sich auf den zwei Seiten H0 im PDF noch einiges mehr.  Wer wie ich den Hersteller noch nicht kannte, mag auch auf dessen Website noch mehr Interessantes finden.

Preiser hält sich dieses Jahr mit Neuheitenankündigungen sehr zurück.  Bei normalen Herstellern ist das ja allgemein ein Zeichen, daß man Rückstände aufarbeiten will; bei Preiser erscheint mir solch Folgerung aber zu optimistisch :-/  Erfreulich allenfalls die Ankündigung, die wunderschönen Anhänger zur genauso wunderschönen Still-Elektrokarre nun auch einzeln, bzw. im Viererpack, als Bausatz liefern zu wollen — die Dinger treten beim Vorbild ja auch rudelweise auf.  Ansonsten warte ich dann mal weiter auf die Rückstände, z.B. den Mercedes 220 S Ponton aus 2010 …

Weinert hat das letztes Jahr von mir schnöde ignorierte Tankstellenzubehör, nämlich Ölkabinett und Zweitaktsäule, dieses Jahr auch in den Farben des BV-Aral angekündigt und wird damit meiner, nein, Veras alter Tankstelle zu neuem Glanze verhelfen, zusammen mit den schon etwas älteren Zapfsäulen von Epoke Modeller.  Ebenfalls sehr nett finde ich die Koffer- und Stückgutwaage, die Haltestellenschilder und Bahnhofslautsprecher und auch die kleine Dieseltankstelle für Schienenfahrzeuge.  Die sonstigen Bahnsteigutensilien und das wie schon bei Artitec reichlich vertretene Hafenzubehör sprechen mich weniger an, aber nicht weil sie nicht schön wären, sondern nur weil ich sowas nicht brauche.

Was ich strenggenommen auch nicht brauche und was überdies auch keine richtige Formneuheit ist, was aber trotzdem gleich wieder mein Kopfkino angeworfen hat, ist der Lanz Ackerluft-Bulldog mit „Schiebeblech“, einer Art primitivem Räumschild zum Zusammenschieben von z.B. Kohlenbergen. Den, erst recht mit hinten angebautem Atlas-Lader wie auf der Illustration, seh ich schon in Allenstedt beim Kohlenhändler Pauli über den Hof bollern …

Fazit: Wie immer sind es auch dieses Jahr eher die Kleinigkeiten, die aus meiner Sicht dem Neuheitenjahr ihre Würze geben.  Wie immer ist also auch dieser Nichtmessenichtbericht ;-) wieder sehr subjektiv geworden, Ihr seid es ja nicht anders gewohnt.  Den zwei Lesern, die sich das trotzdem bis zum Schluß angetan haben, danke ich herzlich für die Aufmerksamkeit!

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