Volkswagen auf Maß gebracht (I)

So, nun ist es endgültig an der Zeit. Wie in meiner Ungezieferwarnung schon angedeutet, kann mich die geneigte Industrie jetzt mal gepflegt „an die Füße fassen“, ich mach mir meine Käfer jetzt selber. Und wenn es 10 Jahre dauert, dann dauert es meinetwegen 10 Jahre — eher werden uns die allseits verehrten Großserienhersteller Wiking, Praliné/Busch, Brekina, Schuco, Herpa, Schonwiederwiking und Schonwiederbusch, in der Reihenfolge ihrer bisherigen Versuche seit 1986, eh nicht mit einem weiteren Versuch enttäu beehren.

Aber ich will ja nicht schon wieder das Klagelied des Käferfans anstimmen. Getreu meinem Neujahrsvorsatz — weniger jammern, mehr frokeln — habe ich beschlossen, die Sache jetzt wirklich mal selbst in die Hand zu nehmen. Und weil das hier ein ziemlicher Sermon werden wird, können alle Interessierten nach einem Klick …

… hier weiterlesen. Willkommen, ich freu mich! ;-) Wem das Ganze übrigens bekannt vorkommt: es stand schon mal im Mo87-Forum, 2013 war das, und wird hier, natürlich leicht erweitert und aktualisiert, wiederveröffentlicht.

Das Ziel

… ist in ferner Zukunft eine Umbaukarosserie (Transkit), mit der man ohne allzuviel Aufwand aus dem Brekina-Käfer einen Brezel oder Ovali machen kann. Warum aus dem Brekina? Weil hier zum einen die Form der Stoßstangen und Räder zumindest für die Baujahre ab 1952 perfekt getroffen ist, zum zweiten auch Varianten mit Chrom und Exportbügelstoßstangen zu haben sind, zum dritten die Maße passen und zum vierten das Modell günstig zu haben ist, wenn man es nicht eh schon in Mengen herumliegen hat.

Die Karosserie entsteht allerdings nicht auf Brekina-, sondern auf Wiking-Basis. Hier stimmen die Formen der Kotflügel und der Motorhaube, auch das Heckfenster geht für den Brezel in Ordnung. Was nicht geht, sind zum einen die viel zu großen Seitenscheiben und auch die etwas zu große Windschutzscheibe, zum anderen die zu große Länge der Karosserie. Außerdem müssen Anpassungen im unteren Bereich vorgenommen werden, damit die Wiking-Karosserie aufs Brekina-Fahrwerk paßt.

Der erste Versuch

… besteht darin, die Wiking-Karosserie in der Tür zu kürzen. Denn die ist, im Vergleich mit Brekina zumindest, zu lang. Danach ist sie zugegebenermaßen zu kurz:

Wiking-Karosserie auf Brekina-Fahrwerk, gekürzt und an Trittbrettern und Stoßstangenhaltern passend gemacht, vor dem Schleifen

Ob das stört, wird sich erst am fertiglackierten Modell zeigen.  (Spoiler: Mich stört’s.)  Denn egal wie: dies ist noch nicht das Urmodell, sondern nur der proof of concept. Oder eben disproof of concept, je nachdem.  Das mit der zu großen Länge des Wiking-Brezelkäfers war mir von 1986 bis 2013 übrigens nie aufgefallen, und ich finde es auch jetzt noch nicht wirklich schlimm; aber wenn man schon Teile zweier Hersteller kombiniert, dann muß man ja wohl auch das falsche dem richtigen anpassen und nicht umgekehrt, wenn man sich danach noch im Spiegel ansehen können will.

Aber zurück zum Gefrokel. Erstmal war nun meine Lieblingsarbeit angesagt: Schleifen, schleifen, spachteln, schleifen, spachteln, schleifen, spachteln, schleifen.  Und dann ein paar Vergleichsbilder mit den Ausgangsmodellen:

Links oben die bearbeitete, unten eine originale Wiking-Karosserie. Rechts oben wieder die bearbeitete Wiking-, unten eine Brekina-Karosserie.  Man beachte jeweils die Position der Türfugen an der Karosserieunterkante

Trotz des Maßfehlers sieht das meines Erachtens schon mal stimmiger aus als das Wikingmodell und brezelkäferiger als das von Brekina, welchletzteres ich Brekina allerdings auch gar nicht vorwerfen will. ;-)

Das behelfsmäßig zusammengesteckte Käferlein zwischen seinen Freunden: links jeweils Brekina, rechts Wiking

Von der noch sichtbaren Nahtstelle und der am Artikelende zu bewundernden ;-) Lackqualität mal abgesehen, gefällt mein erster Versuchskäfer mir eigentlich schon ganz gut so. Dennoch lautet das …

Fazit

… des ersten Versuchs: Jaaaa … aber nein. :-)  Das mit der zu kurzen Tür würde mich für einen Einzelumbau jetzt nicht soo dramatisch stören, daß ich ihn deswegen verschrotten würde; m.E. fällt das auch nicht mehr auf als die zu lange Tür des unbearbeiteten Wiking-Modells. Aber wenn das Ziel ein Urmodell ist, liegt die Meßlatte naturgemäß höher, und deswegen muß das korrigiert werden.

Der nächste Anlauf wird also darin bestehen, den Käfer in drei Teile zu zerschneiden. Nicht nur wegen der zu kurzen Tür, sondern weil ich mir überlegt habe, daß der nächste Schritt, das Verkleinern der Fenster …

Mein erster Versuch der Fensterverkleinerung, noch an einer Komplettkarosserie. Elendes Gefissel! Die Älteren werden sich erinnern

… ja viel einfacher geht, wenn die Fenster jeweils zu einer Seite offen sind. Also ein Schnitt vor dem Türgriff, einer hinter der B-Säule, Teile auf Länge schleifen, Fenster verkleinern, dann erst zusammenkleben und spachteln/schleifen.

Viel sorgfältiger spachteln/schleifen als bei diesem. :-/

Dann muß noch die Frontscheibe verkleinert werden und die Front- und Heckschürzen ergänzt — die klaffenden Löcher im ersten Modell sind der Tatsache geschuldet, daß ich die von Wiking reingemachten Öffnungen der Einfachheit halber vergrößert habe, bis das Ding aufs Brekina-Fahrwerk paßte. Beim nächsten werden die stattdessen erst verschlossen und dann für die Brekina-Stoßstangenhalter passende reingeschnitten. Was mir auch noch nicht so recht gefällt, ist die Struktur der Kühlluftschlitze unter den Heckscheiben. Letztlich will ich auch noch die Scheinwerfer leicht überarbeiten.

Und dann muß das Auto zu einem Airbrush-Künstler zum Probelackieren. Und dann, erst dann, können wir darüber reden, ob ein Abgußversuch lohnt. (Und wer den macht.)

Aber ich bleibe dran. Ich bin das Warten auf gute Käfer und die ewige Frustration beim Beaugapfeln von Neuerscheinungen jetzt endgültig leid, und bei dem Ansatz hier seh ich in gaanz weiter Ferne tatsächlich Licht am Ende des Tunnels. Wenn meine Prognose versagt und er irgendwann doch noch mal überflüssig werden sollte, bin ich bestimmt nicht böse drum! Aber ich möchte halt nicht, daß auf meinem Grabstein steht „Ein Leben lang wartete er auf ein gutes Käfermodell“. :-D

Zum Abschluß noch mein proof of concept im Kreise seiner sicher hübscher lackierten, weniger beuligen und kompletteren, aber m.E. trotzdem nicht so schönen Artgenossen:Und wer nicht auf die Fortsetzung, geschweige denn auf das Endergebnis warten mag und sich mit weniger zufriedengeben kann, der sei nochmal auf diesen Artikel hier verwiesen, in dem ich eine einfache, schnelle und billige Lösung vorstelle, die den Wiking-Brezelkäfer zumindest einigermaßen erträglich aussehen läßt.

Fortsetzung folgt … aber nicht die Luft anhalten bis dahin!

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