Die Entkernung von Stuttgart

Nein, keine Bange.  Weder ist das Froklerblog tot oder verwaist, noch geht es in diesem Beitrag um die unselige 1:1-Kellerbahnhofsbaustelle.  Stattdessen machen wir heute mal wieder was, das in letzter Zeit ein wenig ins Hintertreffen geraten ist:

Güterwagen frokeln!

Und hier unser heutiges Opfer:

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Den kennt man: Rocos R Stuttgart der Verbandsbauart bzw. R 10 der DB.  Ein durchaus hübsches Modell, dem das Bild  nicht so ganz gerecht wird.  Eigentlich stören mich daran nur vier Sachen:

  1. die labberigen Achshalter, die eigentlich immer schleifende Radsätze zur Folge haben;
  2. der zu hohe Wagenboden, bei der abgebildeten Erstserie überdies mit sinnlosen Längs- und Querleisten auf den Brettern verunstaltet;
  3. das zu geringe Gewicht und
  4. bei der DB-Version die falschen Stirnwandrungen.

Zur Verdeutlichung von Punkt 2 hier noch ein Detailfoto:

r10-bvorher-ende

Das kann man aber alles beheben …

Verbesserte Laufeigenschaften

Da habe ich seit einiger Zeit eine Universalwaffe im Arsenal Köfferchen: Spitzenachslager aus Messing.  Meine stammen aus England von Romford:

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Die Dinger sind nicht nur dank des angedrehten Bundes als Tiefenanschlag trivial einzubauen, sondern auch richtig schön preiswert: Bei Erscheinen dieses Artikels kosteten sie £4,80 — nein, nicht pro Wagen, sondern pro 50er-Tütchen.  Zuzüglich Versand aus England zwar, aber immer noch lächerlich wenig pro Wagen.  Hier meine Bezugsquelle.

r10-dlager-bohren

Zum Einbauen muß man nur ein 2 mm tiefes Loch mit ebenfalls 2 mm Durchmesser bohren.  Leichte Abweichungen sind dabei dank des Anschlagbundes egal, trotzdem sollte man so rechtwinklig wie eben möglich bohren — beim R 10, wie das Bild zeigt, kein Problem, da man den zu bohrenden Achshalter so weit nach innen drücken kann, daß er zu dem gegenüber durch die Aussparung über dem Achslager gesteckten Bohrer rechtwinklig liegt.

Nach dem Einstecken der Lager (mit ein bißchen Sekundenkleber sichern, damit sie bei einem späteren Radsatz-Ausbau nicht rausfallen) paßt der Roco-Radsatz nicht mehr: die Achse ist zu lang.  Genau passen tun aber Fleischmann-Radsätze mit 24 mm Achslänge bzw. die Austauschradsätze der einschlägigen Lieferanten dafür.

Und schon rollt der R 10 zum ersten Mal seit seiner Präsentation wie eine Eins.  Übrigens auch unter Belastung; die Achshalter sind zwar nicht weniger labberig geworden, aber die Messinglager scheinen ein leichtes Ausgrätschen entspannter wegzustecken als die kegelförmigen Vertiefungen im Plast.

Schon dies wäre ein lohnender Umbau.  Aber wo er schon mal auseinander ist …

Gewicht statt Wagenboden

… können wir auch gleich diesen viel zu dicken Wagenboden rauswerfen.  Plaste und Zinkdruckguß mögen ja traditionelle Modellbahnwerkstoffe sein, aber für diesen Zweck gibt’s wahrlich Geeigneteres.

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Die mittleren Teile — das Ballastgewicht aka Ladefläche und der aus dem Wagenkasten rausgeschnittene Boden — sind übrig und können der Verwertung zugeführt werden.  Das Rausschneiden klappt hier übrigens am besten mit einem scharfen (!) Bastelmesser von oben entlang der Bordwand-Innenseiten.  Dabei aber mittig was unterlegen, damit die unteren Enden der Seitenwandprofile nicht abbrechen, denn der Rungenstützrahmen ist hier ja Teil des Fahrwerks.

Bei einer früheren Rungenwagen-Frokelei ohne richtigen Wagenboden (dem berüchtigten R 20 nach Carstens, mit dem hier vor bald zwei Jahrzehnten alles anfing) hatte ich dann einfach einen Bleiblech-Wagenboden eingeklebt und es gut sein lassen.  Das ging dann auch bis zum ersten kräftigen Rangierstoß gut, danach waren es dann „Bananenwagen“ …  Hier beim R 10 wird das Fahrwerk zwar nicht zerschnippelt, aber es ist bei weitem nicht stabil genug, um als tragendes Teil zu dienen.  Es muß also ein stabiler Längsträger her.

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Messing-U-Profil 5*2 mm scheint mir ausreichend.  An den Achshaltern muß man es leider bis zum „Boden“ des U ausfeilen (okay, okay, ich gebs zu: ich habe es eingesägt, innen angeritzt und dann mit der Kombizange die Flansche abgebrochen), aber hier wird dann ja beim Zusammenbau alles massiv verzweikomponentenklebt, das wird schon halten.  Die gut gemeinte Pendelachse geht dabei natürlich dann auch den Weg alles Irdischen, aber die labberigen Achshalter haben ja genug Spiel, um trotzdem eine Allradauflage zu gewährleisten. ;-)

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Damit das Profil schön saugend oben aufs Fahrwerk fällt, müssen an den weiß markierten Stellen der inneren Querträger ein paar Zehntel Material weggeschnippelt werden.  Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich die ohnehin überflüssigen sechs Rastnasen am Fahrwerk, ebenfalls weiß markiert, abschneiden.

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Und schon paßt das.  Sieht doch fast aus wie dafür gemacht, oder?  Hinter den Pufferbohlen bleibt auch schön viel Platz für das Zweikomponentenpampf.  Die KK-Kinematiken übrigens funktionieren so nicht mehr, was aber für den Fremo-Einsatz bekanntlich erwünscht ist — ihre vorderen Haltehaken stoßen ans U-Profil, was ein minimales Seitenspiel ergibt, das bei der Wagenlänge zwar nicht erforderlich ist, aber auch nicht schaden kann.  Will man mit Kurzkupplung fahren, ist es aber ein Leichtes, das U-Profil an der Stelle entsprechend abzufeilen.

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Mit probehalber aufgesetztem Wandteil sieht man, wieviel tiefer der Wagenboden kommt: die weiß markierte Kante ist vom Wagenboden-Rausschneiden übrig, und darauf lag dann die stolze 1,3 mm dicke Druckguß-Ladefläche!

Gutes Stichwort: der Wagenboden fehlt ja noch.  Hier gibt es der Möglichkeiten viele; ich will statt meinem traditionellen Bleiblechboden mal was Neues probieren, das Bretterfugengeritze nervt mich nämlich, und schöner ginge es ja auch.  Bleiblech kommt freilich trotzdem rein, aber eben nicht als Wagenboden, sondern darunter beidseits des U-Profil-Längsträgers:

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Das sind 12 mm breite, 1 mm starke Blechstreifen.  Damit erreicht der Wagen im gezeigten Zustand, also mit Radsätzen, aber ohne Kupplungen, immerhin 57 Gramm; eine deutliche Verbesserung gegenüber den 44, die er vorher wog, und für meine Begriffe auch völlig ausreichend.  Vielleicht kommt aber trotzdem noch ein bißchen Bleischrot in die Hohlräume unterm Boden, mal kucken.

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Das Wagenende mit „wüst reingeschmissenen“ Bleiblechen nebst Innenlangträger.  Als Wagenboden kommt bei mir dann entweder einfach dünner Karton mit eingeritzten Bretterfugen drauf oder was Selbstgeschnittenes aus Furnierpapier; die Luxusversion mit gelasertem Echtholzfurnier oder auf Maß geschliffenen Leistchen, wie sie diverse Zubehör-Hersteller anbieten, wäre natürlich ebenfalls möglich.

Vorher muß aber die Zweikomponentenkleber-Orgie stattfinden.  Dazu werde ich das Langträgerprofil an den Außenseiten zwecks verbesserter Haftung mit der Rocosäge schön schartig machen, die Oberseite mit kleinen PS-Profilstreifchen auf dieselbe Höhe wie das Blei bringen und dann alles — Gewichtsbleche, Langträgerprofil und Fahrwerk samt Achshaltern und Kupplungsdeichseln — auf Backpapier und einer Glasplatte zusammenkleben, damit’s eine schön glatte Oberfläche bekommt.  Nach dem Lackieren und dem Aufkleben des Bretterbodens kann dann das Seitenwandteil problemlos aufgesetzt werden, nachdem seine Innenseite wieder im korrekten Rotbraun lackiert sein wird.

Aber da ich das alles noch machen muß, zeige ich es Euch erst in der nächsten Folge.

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