Schemelwagen aus GFN-Modellen

Nach dem Grundsatzartikel Schemelwagen im Fremoeinsatz von vorhin (ich komm mir fast blöd vor, darauf zu verlinken, aber was solls) soll es nun um den Umbau von Fleischmann-Schemelwagen in Schemelwagen-Modelle gehen. Denn so schön der Fleischmann-H 10 (Regensburg) auch aussehen mag, hat er doch gleich drei wesentliche Fehler:

Zu breit. Zu hoch. Zu kurz.

Die Qual der Wahl

Doch der Reihe nach. Fleischmann baut schon seit lange vor meiner Geburt Schemelwagen, na klar. Uns interessieren hier aber nur die allerneuesten, also die aus den letzten ca. 25 Jahren ;-) , zuverlässig zu erkennen am Vorhandensein einer Kurzkupplungskinematik nebst NEM-Schacht, und (mit ein paar Einschränkungen) die diesen unmittelbar vorhergehende Generation mit „Schlitzkupplung“, aber zu den neuen identischen Aufbauten und Drehschemeln.

Am Gebrauchtmarkt findet man außerdem auch noch einen Wagen aus der Einsteigerserie, erkennbar an Trittbrettern statt Sprengwerken unter dem Rahmen sowie zumindest oft an hellgrauen Drehschemeln, und ein noch älteres Modell aus Metall, das die meisten Anbieter in der Elektrobucht aber freundlicherweise auch stolz als solches anpreisen und das als weitere Erkennungsmerkmale unterschiedliche Achsstände mit und ohne Handbremse, Sprengwerke aus Blech und echte Metallkettchen zwischen den Rungen der Drehschemel hat. Die beiden letztgenannten sind für diesen Umbauvorschlag völlig unbrauchbar.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und natürlich ohne Gewähr ein paar Artikelnummern:

  • Das neue, wünschenswerte Modell firmiert u.a. als 855826 (Einzelwagen ohne Bremse, unbeladen, Epoche 1, Korbpuffer), 5222K (Einzelwagen ohne Bremse, unbeladen, Epoche 2, Hülsenpuffer), 5922K (Einzelwagen ohne Bremse, unbeladen, Epoche 3, Hülsenpuffer), 5222F (Einzelwagen ohne Bremse, unbeladen, SNCF Epoche 3, Hülsenpuffer), 5252K (Paar Bremserhaus/ungebremst, Stammladung, Epoche 2, Hülsenpuffer), 595201 (Paar Bremserbühne/ungebremst, Stammladung, Epoche 2, Hülsenpuffer), 955252K (Paar Bremserbühne/ungebremst, Schienenladung, Epoche 3, Hülsenpuffer) und 525201 (Paar Bremserhaus/ungebremst, Stammladung, PKP Epoche 3, Hülsenpuffer).
  • Das alte, eingeschränkt brauchbare Modell lief unter 5831 (Paar Bremserhaus/ungebremst, Stammladung, Epoche 1, Stangenpuffer) und 5223 (Paar Bremserhaus/ungebremst, Stammladung, Epoche 2, Hülsenpuffer).
  • Das Einfachserie-Modell habe ich als 5015 und 5220 gefunden.
  • Das Metallmodell hieß wohl unter anderem 5922 und 1453.

Ergänzungen per Mail oder als Kommentar sind wie immer hochwillkommen.

Der Umbau des neuen Modells

Wie eingangs angedroht, ist das Modell zu kurz, nämlich so lang wie sein Fahrwerksspender, der Om 12 (Breslau/Essen), was beim Handbremswagen 23 und beim ungebremsten 20 Vorbild-cm ausmacht. Das sind doch nur 2,6 bzw. 2,3 Millimeter? Ja, stimmt. Sind es. Sieht man aber trotzdem.

Außerdem sitzt viel auffälliger beim Handbremswagen der Drehschemel nicht mittig über dem Sprengwerk/zwischen den Achsen, sondern mittig im Wagenkasten — auf dem folgenden Bild am hinteren, noch nicht umgebauten Wagen gut zu erkennen auch daran, daß Oliver den Wagenboden nur am Nicht-Handbrems-Ende verlängert hat:

kurz-vs-lang

Alle Modellfotos und der darauf zu sehende Modellbau: Oliver Rasch.

Außerdem fällt die Verlängerung quasi als Abfallprodukt mit minimalem Mehraufwand mit ab, wenn man die fehlende Asymmetrie und das noch auffallendere Problem, die deutlich zu große Breite, behebt. Die Breite fällt nämlich nun wirklich schmerzhaft ins Auge:

breit-vs-schmal

Was beim Betrachten dieses Bildes auffällt: Die Drehschemel selber sehen jetzt auch zu breit aus, oder? Da kann ich aber Entwarnung geben, denn sie ragen auch beim Vorbild deutlich über die Seitenrungen-Halter hinaus. Zugegeben, die Halter sind am Fleischmann-Modell weit klobiger als beim Vorbild, aber der Drehschemel ragt beim umgebauten Modell etwa genauso weit über sie weg:stirnansicht Die GFN-Schemel sind nachgemessen ohnehin weniger zu breit als zu massiv ausgefallen: innen 27,0 mm statt 28,2, aber außen 33,3 mm statt 32,6. Diese minimale Abweichung ist es unseres Erachtens nicht wert, jetzt auch noch den Drehschemel schmaler zu machen, zumal ja dessen Stabilität, gerade im Fremo-Betrieb mit den abnehmbaren Schemeln, auch nicht ganz unwichtig ist. (Trotzdem ist es natürlich schade, daß Fleischmann bei der Neukonstruktion des Modells den auch heute noch schönen Untergestellen keine ebenso schönen Aufbauten gönnen wollte. Aber das nur am Rande.)

Ja. Und als wäre das noch nicht genug der Schmerzen, ist das Ding dann auch noch zu hoch, oder mit anderen Worten: die Ladefläche ist zu dick. Im Modell ist sie mit den seitlichen Rungenstützrahmen und Rungenaufnahmen zu einem „Wagenkasten“ zusammengefaßt, und auch das Untergestell ist ein wenig höher, als der Rahmen des Vorbildes maßstäblich umgerechnet wäre. Das sieht man beim ungebremsten Wagen kaum, beim handgebremsten aber dafür um so deutlicher, denn bei dem ist beim Vorbild der Boden der Bremserbühne fast auf derselben Höhe wie die Ladefläche, nur die unterschiedliche Dicke der verwendeten Bretter gibt eine winzige Stufe:

bodenhoehe

Im Modell ist die Stufe bei weitem nicht so winzig. Auch nach dem Umbau noch nicht, aber schon deutlich unauffälliger als vorher:

hoch-vs-flach

Zusammenfassend ist dieser Umbau also ein geradezu klassisches Beispiel für den „wenn-man-schon-dann-kann-man-auch-gleich“-Effekt:

  • Den beim Handbremswagen fälschlicherweise zum Wagenkasten statt zum Untergestell symmetrisch angeordneten Drehschemel will man auf jeden Fall an die richtige Stelle rücken. Asymmetrie sieht man auch dann, wenn’s nur um ein paar Millimeter geht. Um das spurlos hinzubekommen, muß der Wagenkasten eh zerschnitten werden.

seite-beide

  • Wenn man schon den Wagenkasten zerschneidet, um den Schemel zu versetzen, kann man ihn auch gleich verschmälern.
  • Wenn man den Wagenkasten schon verschmälert, also eh schon am Schleifen ist, dann kann man auch gleich noch an den Teilen und am Fahrwerk was wegschleifen, um ihn zumindest ein bißchen weniger zu hoch zu bekommen.
  • Wenn man also auch am Fahrwerk schon rumschleift und auch sonst alles auseinander ist, dann kann man auch gleich noch die fehlenden paar Millimeter Länge zugeben.

;-)

Die Arbeitsschritte im Detail

Da ich selber diesen Umbau noch nicht vollzogen habe (sondern nur mal in grauer Vorzeit aus dem damals brandneuen ungebremsten Regensburg und einem auch noch sehr jungen Handbrems-Breslau einen Handbrems-Regensburg komponiert, der im Gegensatz zum prompt folgenden Fleischmann-Modell desselben aber immerhin schon mal den Drehschemel an der richtigen Stelle hatte), ist dieser Abschnitt naturgemäß noch unbebildert und wohl auch mit einem gewissen Mißtrauen zu lesen.

  • Wagen zerlegen. Der Aufbau und die Bremserbühne sind aufs Untergestell aufgerastet. Nur Mut — wenn Rastnasen abbrechen, macht das gar nichts. :-)
  • Drehschemel vom Wagenkasten abschrauben.
  • Vom Wagenkasten die beiden Rungenstützrahmen absägen. Dazu Wagenkasten kopfüber auf den Tisch legen und z.B. mit der treuen Roco-Säge innen mit dem Rungenstützrahmen als Seitenanschlag durchsägen.
  • Sowohl die Rungenstützrahmen auf der Innenseite (also am Sägeschnitt) dünner als auch die verbleibende Bodenplatte schmaler schleifen oder schneiden, bis alle drei zusammen möglichst nah ans Vorbildmaß von …, ja, eigenartig, das Maß ist in den Vorbildzeichnungen nicht aufgetragen. Nehmen wir die Angabe von Stefan Carstens: 2600 mm, entsprechend 29,9 mm in H0, gemessen zwischen den Seitenrungen oder entsprechend über die Außenseite des Rungenstützrahmens dort, wo keine Rungenaufnahmen sind. Wo war ich? Achja: möglichst nah ans genannte Maß kommen, aber trotzdem über das ggf. außen auch noch etwas schmaler zu feilende Untergestell passen. Genauere Maße gibt’s erst, wenn ich selbst gesägt habe.
  • Das Untergestell nicht nur ggf., s.o., schmaler, sondern auch niedriger schleifen. Vielleicht auch den Wagenboden dünner. Ziel ist es, die Ladefläche so nah wie möglich an die Höhe des Bremserbühnenbodens zu bekommen. (Ob man stattdessen oder wenigstens zusätzlich den Bremserbühnenboden aufdoppeln und/oder die Bremserbühne ein bißchen höherlegen kann? Weiß ich auch erst, wenn ich es versucht habe.)
  • Zum Verlängern des Untergestells reicht’s beim ungebremsten Wagen, beide Pufferbohlen abzusägen und mit ein bißchen Futter dahinter wieder anzukleben. Auch hier wird ein Bild mehr sagen als tausend Worte, wenn ich mal eins gemacht habe. Beim Handbremswagen wird man am Bremserbühnen-Ende wohl zwischen Bühne und Ladefläche anstückeln.
  • Die Ladefläche wird zum Verlängern so auf dem nun längeren Untergestell ausgerichtet, daß die Achse des Drehschemels genau mittig über dem Sprengwerk und damit genau mittig zwischen den Achsen liegt. Anflicken von Polystyrol-Brettern ist dann nur noch eine Fingerübung.
  • Die Rungenstützrahmen werden so seitlich angeklebt, daß sie beim ungebremsten Wagen ebenfalls symmetrisch sitzen. Beim gebremsten befindet sich die äußerste Seitenrunge beim Vorbild 800 mm (9,2 mm) von der Pufferbohle am Nicht-Handbrems-Ende entfernt, aber 820 mm (9,43 mm) vom Ende der Ladefläche am Handbrems-Ende. Okay, die zwei Zehntel sieht nun wirklich keiner mehr, aber im Zweifel lieber etwas näher an das Nicht-Handbrems-Ende. Beim ungebremsten Wagen ist dieses Maß übrigens 805 mm (9,25 mm). Das alles natürlich jetzt mal voraussetzend, daß die Rungenabstände bei Fleischmann nicht auch verkürzt seien, was sie aber vermutlich sind. Beim Vorbild: 2130 mm (24,5 mm). Ob man das ggf. korrigieren mag oder die Rungenstützrahmen einfach so wie sie sind anklebt und nur an den Enden anstückelt, sei dem Leser überlassen. Aber drauf achten, daß gegenüberliegende Rungen auch wirklich gegenüberliegen. Klar. Ich sag’s nur.
  • Der Drehschemel muß, wie oben bemerkt, zwischen Rollennachbildung und Außenkante verschmälert werden. Nein, muß er nach neueren Erkenntnissen nicht. Wie oben in der Stirnansicht zu sehen: ein klein bißchen breiter als der Wagen über die Außenkanten der Seitenrungenhalter gemessen ist er.
  • Wo jetzt noch genug Gewicht unterzubringen ist, kann ich noch nicht sagen.
  • Wenn man mit Kurzkupplungen fährt, muß man diese evtl. ein wenig aus dem NEM-Schacht herausziehen und mit Bohrung und Draht verstiften (oder einkleben). Wenn man, wie wir im Fremo, mit Bügelkupplungen fährt, ist der nun etwas weiter innen stehende NEM-Schacht hochwillkommen.
  • Zu detaillieren gibt es nicht viel. Neue Zettelhalter sind aber Pflicht, denn die fehlen bei Fleischmann. Sie dürfen übrigens auch gern nach unten aus dem Anschriftenfeld herausragen.
  • Beim Bremserbühnenwagen fehlt das hintere Bühnengeländer samt Signalhaltern. Hier ist man wohl auf Selbstbau angewiesen.

Wie gesagt: das ist nur ein erster Überblick. In späteren Versionen dieses Artikels werde ich die Umbauschritte detaillierter in Wort und Bild beschreiben.

Ein paar Worte zum älteren Fleischmann-Modell

Hier ist das Untergestell nochmal breiter, die Radsätze sind in Achslagerbrücken aus Blech gelagert und die Nachbildungen der Achshalter aus Plastik davorgesetzt (und am Rahmen angespritzt). Das Verschmälern ist offensichtlich aufwendiger, Oliver hat mir da schon mal dieses Bilderfolge zu gemailt. Nix für schwache Magennerven, aber, um den Chronisten selig zu zitieren: Die Mägen von (hier Fleischmann-) Sammlern sind nicht Gegenstand dieser Serie ;-)

schmalersaegen

Genaueres auch dazu: später. Ansonsten ist das Bremserhaus anders, nicht ganz so hübsch, aber durchaus auch brauchbar. Und es fehlt, wie eingangs erwähnt, die Kurzkupplungs-Kinematik — wenn man mit Kurzkupplungen fährt, sicherlich ein entscheidenderes Kriterium als für uns Fremohikaner, die wir am alten Modell nur die dadurch bedingten Löcher in den Pufferbohlen verschließen müssen.

Zum Abschluß, und als Appetitanreger für die Fortsetzungen, ein Bild von Olivers unfertigem ersten Schemelwagenpaar. Der ungebremste Wagen basiert übrigens auf dem alten Modell. Daß er breiter ist als der gebremste, liegt daran, daß es der erste umgebaute ist — man kann ihn mit etwas mehr Schleiferei auch auf das Maß des umgebauten neuen Modells bringen. Der Unterschied wirkt im Bild aber, wohl wegen der Farbe, auch größer, als er mit ca. 0,2 mm tatsächlich ist — das alte Modell ist außerdem auch noch etwas höher (ca. 0,3 mm) als das neue, und Farbe und Fotoperspektive tun ein Übriges. Im Betrieb werden solche Abweichungen genau wie das minimal breiter gebliebene Fahrwerk des alten Modells sicherlich nicht auffallen.

paar-ohne-schemel

Abnehmbare Schemel für den Fremobetrieb

Wie im eingangs verlinkten Einführungsartikel bereits ausführlich erläutert, werden wir bei den Fremo-Wagen die Drehschemel zum Be- und Entladen abnehmbar lassen. Hier schon mal ein Bild des ersten so bezapften Schemels:

schemelzapfen

Fortsetzung, langjährige Leser erwarten nichts anderes, folgt. ;-)

Historie:

  • Man gut, daß bei den Artikelnummern „ohne Gewähr“ steht: zwei davon waren verwechselt. Außerdem die Nummern der SNCF- und PKP-Modelle ergänzt. (11.1.16, ca. 20:15)
  • In der ersten Version dieses Artikels war noch vom Schmalermachen der Drehschemel selbst die Rede, und Ermel hatte beim Betrachten von Olivers Bildern den gebremsten Wagen irrtümlich fürs alte Modell gehalten und den ungebremsten fürs neue. (Was zunächst mal nur zeigt, daß der alte Wagen vom Ergebnis her schon noch ganz okay sein muß, gell?) Umgekehrt stimmt’s jetzt aber, die entsprechenden Abschnitte sind korrigiert. (3.1.06, ca. 22:40)
Ein Kommentar zu “Schemelwagen aus GFN-Modellen
  1. Ralf Kuchenbecker sagt:

    Ich möchte hier nur die Artikelnummer 5723 K ergänzen. Es handelt sich um ein Set mit 2 Drehschemelwagen mit Holzladung in der Ausführung Ep.III DR. Die Wagen haben die Betriebsnummer 68-03-78, mit BH und 68-04-62 ungebremst.
    Danke für den schönen Artikel der zum nachmachen anregt.

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