Gezähmter Wüstenwind: Sandstrahlen von Messingbauteilen

Nach dem Löten von Messingbausätzen müssen diese gründlich gereinigt werden, um eine einwandfrei lackierbare Oberfläche zu erhalten. Die Flußmittelreste bekommt man zwar mit warmem Wasser und einer Bürste entfernt, dies ist aber viel Arbeit. Schöner ist es da, das fertige Werkstück mit Sand zu strahlen; dadurch verschwinden nicht nur alle Flussmittelreste, sondern auch überschüssiges Lötzinn lässt sich (in Maßen) ‚wegblasen‘. Außerdem entfernt man auch eine eventuell vorhandene Oxidschicht und kann prima brünieren.

Unabhängig vom Material rauht das Sandstrahlen den Untergrund auf, sodaß Lack noch besser haftet. Diese Gründe haben dazu geführt, dass ich mich vor einer Weile nach einer für den Modellbau geeigneten Möglichkeit umgesehen habe.

Überblick über verfügbare Sandstrahlgeräte

Für den Modellbau gibt es einige geeignete Angebote, hier nur die gängisten:

Kaleas (ehem. Böhler)-Strahlkabine

Diese Kabine arbeitet im Gegensatz zu allen anderen mir bekannten Angeboten mit Unterdruck, das Strahlgut wird in die Kabine hineingesaugt. Das hat einen ganz großen Vorteil: Der Dreck wird nicht nach außen gedrückt, sondern eher in die Kiste hinein gesogen. Möchte man den Sand mehrfach verwenden, muss man einen Staubsauger mit sauberem Beutel benutzen und den Sand nach der Benutzung aus diesem zurückschütten.

Was mir beim Ausprobieren nicht gefiel, war die Handhabung des Werkstücks. Die Strahllanze wird durch Löcher im Deckel geschoben, was die Positionierung stark einschränkt. Das Werkstück hängt an einer Klammer, aus der es mir mehrfach herausgerutscht ist, was hässliche Riefen in der Oberfläche hinterlassen hat.

Mini-Baumarktkabine

Von zahlreichen Anbietern, beispielsweise von Güde, gibt es verhältnismäßig kleine Strahlkabinen. Diese sind aufgebaut wie ‚richtige‘ Kabinen aus der Industrie, nur eben im Miniformat. Mir geht die Miniaturisierung jedoch noch nicht weit genug, denn mit 60x50x50cm und über 20kg (mit Sand) sind die keineswegs handlich und nicht mehr nach getaner Arbeit ins Regal zu stellen.

Badger 260

Dies ist eine umgerüstete Airbrush-Pistole (von der  Badger 250 unterscheidet sie sich nur durch die Düse), die nun eben Sand versprüht. Sie hat keinerlei Einhausung und macht daher bei Benutzung unheimlich viel Dreck. Das Sandstrahlergebnis ist aber bei einem günstigen Preis absolut einwandfrei, und daher habe ich mich für diese Pistole entschieden und eine kleine Kabine drumherum gebaut.

Der mitgelieferte Sand reicht für etwas mehr als eine Füllung und hat etwa Körnung 180.

Weitere Möglichkeiten

Im Dental- oder Goldschmiedebedarf gibt es zahlreiche Geräte, die für unsere Anwendungen geeignet wären. Diese dienen dort dazu, kleine Gussteile zu reinigen. Im Gegensatz zu den reinen Hobbygeräten sind diese Anlagen aber enorm teuer und wurden von mir daher nicht weiter angesehen. Als Beispiele seien hier nur das Angebot der Firmen Fischer und Sperling genannt.

Bau meiner Sandstrahlkabine

Wie oben bereits geschrieben, habe ich mich für eine Badger-Pistole entschieden, die aber zuviel Dreck macht. Daher muss eine Kabine her, die den Sand auffängt und den Arbeitsplatz sauber hält.

Badger Sandstrahlpistole

Badger Sandstrahlpistole

Die Anforderungen sind also, den Arbeitsraum möglichst vollständig abzudichten,  dabei aber die Arbeit möglichst wenig zu behindern. Dies lässt sich mit einer geschlossenen, klaren Kiste mit dicht eingesetzten Gummihandschuhen zur Bedienung erreichen.

Als Grundlage meiner Sandstrahlkabine dient mir eine Rotho Clear Box 18l mit durchsichtigem Deckel. Diese hat die Maße 40×33,5x17cm und ist damit perfekt geeignet um kleine Modellbahnwerkstücke zu sandstrahlen, aber nimmt schön wenig Lagerraum ein. In zwei eingesägten Löcher sitzen aufgeschnittene Abdeckkappen von HT-Rohren, über die innen die Handschuhe gezogen sind. Als Handschuhe dienen mir Camapren 726, die eigentlich für den Schutz gegen Chemikalien gedacht sind, aber mit ihren langen Stulpen auch hier gut geeignet sind. Die Luftzufuhr erfolgt über einen in die Wand eingeklebten Stecknippel, der innen über ein Stück Schlauch mit der Pistole verbunden ist.

Die vollständige Sandstrahlkabine

Die vollständige Sandstrahlkabine

Erfahrungen

Die Kabine ist groß genug, um die üblicherweise bei meinen Basteleien anfallenden Bauteile zu strahlen. 26,4m-Wagen in H0 könnten allerdings schon knapp werden. Mit den Handschuhen lässt sich der gesamte Arbeitsbereich ausnutzen.

Die Badger-Pistole ist durchdacht aufgebaut und lässt sich auch mit Handschuhen gut bedienen. Sie kommt mit schön wenig Luft aus; mein Kühlschrankkompressor ist noch unterfordert. Ab ~3 bar ist der Abtrag wirklich sichtbar. Das Ventil ist hält der Staubkontamination nicht stand und verklemmt in der unteren Stellung, lässt sich aber mit sanftem Zug wieder schließen.

Die Pistole ‚verschluckt‘  sich manchmal an leicht verklumptem Sand (den man das 5. Mal recyclet hat…). Dann reicht es aber aus, die Düse kurz abzudecken, was den Luftstrom umkehrt und den gesamten Ansaugbereich freibläst.

Frisch verlötete Neusilber-Schienenprofile

Frisch verlötete Neusilber-Schienenprofile

Nach dem Sandstrahlen haben sie eine schön homogene, leicht matte Oberfläche.

Nach dem Sandstrahlen haben sie eine schön homogene, leicht matte Oberfläche.

Das von Badger mitgelieferte Strahlgut ist außerordentlich fein, aber gut zum Bearbeiten von Messingblech geeignet. Bei meinem Lieblingsairbrushhändler DieDuese gibt es ähnliches Strahlmittel, das aber vergleichsweise teuer ist. Andererseits reicht ein halbes Kilo schon für eine ganze Weile.

Wenn die Pistole leer gestrahlt ist, und man sie wieder füllen muss, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man zieht die Handschuhe aus, öffnet die Kiste und füllt von außen nach, oder man legt eine kleine Schaufel mit in die Kiste und arbeitet drinnen. Beides geht, beides ist ähnlich lästig.

Die Pistole baut Überdruck in der Kiste auf und bläst Sand durch die Deckeldichtung hinaus. Dies lässt sich nicht vermeiden, ohne gezielt Unterdruck aufzubauen und einen Filter in die Abluft zu setzen, was mir aber zu kompliziert zu sein scheint. Solange man etwas aufpasst und nicht in die Deckelkante zielt, ist dies aber unkritisch. Das bisschen Sand, das austritt, kann schnell  weggesaugt werden.

Alles in der Kiste wird dreckig. Was einmal drin ist, sollte nicht mehr herausgenommen werden. Bei mir ist zwischen Pistole und Schlauch eine Steckkupplung (Ich dachte erst, die Pistole ohne Kiste verwenden zu können, und habe an allen Luftgeräten Steckkupplungen), die aber schon nach wenigen Strahlnutzungen völlig versandet ist und vermutlich nur noch ein Dutzend Steckvorgänge überstehen würde.

Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden. Die Sandstrahlkiste ist handlich, dennoch (knapp) ausreichend groß, und bringt gute Ergebnisse.

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