Kraftdroschken für Allenstedt

Da mich mein Beruf mal wieder am Wochenende nicht nach Hause läßt, um an Leigeinheit oder Strickmodenfabrik weiterzufrokeln, gibt’s hier nur mal zwischendurch zwei Bilder von mehr oder weniger weit fortgeschrittenen Kraftdroschken (heutzutage heißt sowas „Taxi“).

Das Problem ist, daß DIE typische 50er-Jahre-Droschke, der Mercedes 170 D mit hölzernem Karosserierahmen, in 1:87 noch nie erhältlich war, wenn wir mal ein ziemlich gruseliges Uraltmodell aus dem Hause Praliné, heute erhältlich bei Busch, wohlwollend ignorieren.

Vor dem 170er war Krieg. Und vor dem Krieg gab es zwar auch schon 170er (damals 170 V geheißen, V für Vornmotor im Gegensatz zum Heckmotor des 170 H), aber keine Diesel. Mercedes‘ und damit der Welt einziger PKW-Vorkriegsdiesel  war eine Nummer größer und hieß 260 D.

260d

Das Modell ist eines der ersten aus der Reihe „Klassische Modelle“ von Wiking und gar nicht mal so schlecht. Klobige Stoßstangen, angespritzte Scheinwerfer, kein Außenspiegel (was allerdings ab Werk auch vorbildgerecht ist) — nix Dramatisches. Ein bißchen Farbe, den klumpigen Stern auf dem Kühler durch ein Ätzteil oder — wie bei mir — einen sternlosen Kühlerverschlußdeckel ersetzt, Stoßstangen ohne Anspruch auf historisch korrekte Form etwas rundlicher gefeilt, schon geht er als leicht angeschlagener Gebrauchtwagen durch. (15 Jahre und ein Krieg lassen auch einen Daimler altern, Herrschaften!)

Fehlen noch Scheibenwischer, Kennzeichen, ein Nachrüst-Außenspiegel und das TAXI-Schild — nicht auf dem Dach, das kam erst so ca. 1956 auf, sondern in der Frontscheibe. Außer diesem diente damals auch der weiße Streifen um die Gürtellinie als Erkennungsmerkmal einer Kraftdroschke.

170s-gespachtelt

Das zumindest hat die zweite Droschke bereits, und auch einen feinen Ätzstern und blinkenden Chrom, wohin das Auge schaut. Was wunder, ist sie doch ein Starmada-Modell (erhältlich über Brekina) und gehört somit zum Feinsten, was der Großserien-Kunststoff-Automodellbau heutzutage so zu bieten hat.

Allerdings ist das Vorbild — der 220, Daimlers erster Nachkriegs-Sechszylinder — für ein Taxi doch etwas mondän geraten. Sicher, das mag es gegeben haben, typischer sind doch aber jene vierzylindrigen Oelmotoren, deren Klang man nie mehr vergißt.

Mercedes baute damals, vom Adenauer-300 abgesehen, drei Modellreihen parallel. Die günstigste war der oben schon schmerzlich vermißte 170 V/170 D, mit Holzkarosserierahmen (blechbeplankt), geteilter Motorhaube und reserveradförmig geprägter hinterer Haube, so richtig Vorkriegsoptik halt. Darüber rangierte zweitens der 170 S mit Ganzstahlkarosserie, einteiliger Motorhaube und richtigem Kofferraum — und mehr Dampf unter der Haube, natürlich. Und ganz oben kam dann Starmadas Vorbild, der 220, mit in die Kotflügel integrierten Scheinwerfern und einem Sechszylinder — aber sonst mit der gleichen Karosserie wie der 170 S.

Und es gab dann auch noch das Vorbild meiner Droschke: den 170 S-D. Wie man sich denken kann, war das ein 170 S mit dem Oelmotor des 170 D. Immer noch ziemlich nobel für eine Taxe — aber auch heute gibt es ja vereinzelte S 350 CDI-Taxen, das geht also schon.

Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind wie gesagt die Scheinwerfer. Die liegen beim 220 in den Kotflügeln, bei den 170ern freistehend seitlich neben dem Kühler. Was also tun? Logisch, man sieht’s im Bild: raus damit, zuspachteln und neue an der traditionellen Position anbauen. (An sich müßte man die Kotflügel auch noch etwas niedriger machen und die untere Sicke der Motorhaube bis nach vorn verlängern; mal sehen, wie weit ich dabei komme.)

Was auch noch passen tät als Kraftdroschke für Allenstedt 1955, wäre der Ponton-Mercedes 180 D. Da muß mir allerdings erstmal ein Brekina-Modell mit nicht mattoxidiertem Chrom zulaufen … oder ich muß doch mal mit Bare Metal Foil experimentieren.  Der 180er kam schließlich erst ’53 raus, da ist oxidierter Chrom ziemlich unglaubwürdig.

Und das Warten auf den 170 V geht weiter …

2 Replies to “Kraftdroschken für Allenstedt”

  1. Moin,

    genau, der 170 ist für den Taxibereich so gesehen der VW (Käfer). Wie wir bekanntlich wissen, gibt es in 1:87 NICHTS (überzeugendes, um es aber nur einen Hauch abzuschwächen) in Sachen Käfer.
    Starmada hat die Daimler-Linie verlassen, obwohl es Lücken satt gibt. Schade, sehr schade. So warte ich für meine Epoche weiterhin auf einen gescheiten Ersterien-/8 als Taxi.

    Gruß
    Andreas

    • Hallo Taxifreunde der 50er Jahre.

      Es gibt einen sehr schoenen,schwarzen 170er aus osteuropaeischer Kleinserienproduktion (adp Modell?? oder via Google) wo nur noch eine weisse Haarlinie aus Vinyl angebracht werden muss. In Staedten mit groesseren Hotels, grosse Stuetzpunkte der Besatzungsmaechte, Flughafennaehe, Spielcasino, wie meine Heimatstadt Wiesbaden, waren MB 260 D (Wiking), MB 220 S (Starmada), BMW 502( Herpa,besser als Wiking) durchaus ueblich.
      Ein Super Opel Kapitaen’54 gibts von Brekina, nicht wegzudenken vom Taxistand ( bis jetzt werkseitig noch ohne Taximarkierung)

      Das Praline 170er Modell benoetigt einige Arbeit: vordere Stossstange muss hoehergesetzt werden, Grill gerader stellen, Raeder von Brekina, Klarlack- Lackierung, feiner Aetz-Stern – dann braucht es die Kamera nicht mehr zuscheuen.
      Viele Gruesse aus Kalifornien,
      Dieter Vorbach

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