So kann man sich nicht unters Volks wagen

Nun ist er also da, der Passat 1 Variant von Drummer (Vertrieb: Brekina). Und die Kritiker („Unk! Unk!“, schallte es allenthalben) haben wieder einmal recht behalten, denn wieder einmal hat Drummer auch hier nicht gerade ein Meisterwerk abgeliefert. Gewisse Verbesserungen z.B. im Vergleich zum Opel Rekord C aus gleichem Hause sind zwar zu spüren, aber zum heutigen Stande der Modellbaukunst und zur von Brekina eigentlich gewohnten Qualität hält das Modell doch einen deutlichen Respektabstand.

Das ist nun sicher auch ein bißchen der Fluch der guten Tat: Wer wie Brekina den Markt mit vielen grandiosen Modellen und wenigen mäßigen Ausreißern geradezu überschüttet, von dem erwartet man dann irgendwann auch grandiose Modelle — und nimmt ihm die mäßigen Ausreißer krumm. Einen Passat Variant (und den gleichzeitig gelieferten eng verwandten Audi 80) in dieser Qualität von z.B. Herpa hätte man mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen — immerhin kein Maki, keine Banane, keine Kartoffel (wie man in der Szene die Herpa-Interpretationen von NSU Sport Prinz, Opel Manta B und Borgward Isabella Limousine zu nennen beliebt). Aber Brekina? Die gerade eben erst den grandiosen Opel Ascona A geliefert haben? Brekina darf das nicht. Und wenn tausendmal „Drummer“ auf der Packung steht, „Brekina“ steht schließlich auch drauf.

So richtig schmerzhaft wird’s aber erst, wenn man sich mal überlegt, was es denn überhaupt so an wenigstens einigermaßen überzeugenden VW-Modellen früherer Epochen gibt auf dem H0-Automarkt. Aktuelle gibt’s reichlich in wirklich feiner Qualität, spätestens seit den Zeiten des Golf 3 sind eigentlich kaum Lücken geblieben, da ist also alles in Butter. Aber aus den Zeiten vor den frühen 1980ern (als Herpa mit Scirocco 1, Golf 2 und Transporter T3 die ersten damals zeitgenössischen und auch heute noch zumindest formal überzeugenden Modelle baute)? Da wird’s finster.

Mir sind nur diese paar hier eingefallen:

  • Der 1302 von AWM, als Limousine und Cabrio.
  • Der 1303 von Wiking.
  • Der Karmann Ghia von Wiking.
  • Der Transporter T2 von Brekina, als Bus/Kombi und Kasten — die Pritsche hat mehr Fehler, die Doppelkabine fehlt gänzlich.
  • Der 1500 Typ 3 von Brekina, als Stufenheck, Schrägheck „TL“ und Variant.
  • Der 411 Variant von Herpa-Magic.
  • Und dann halt jetzt der Passat 1 Variant von Brekina-Drummer.

Alle anderen — Legionen von Käfern, Scharen von Transportern T1 bis T3, diverse Karmann Ghias und Golf 1, versprengte Polos und Passate und natürlich praktisch alles, was VW damals so gebaut hat, als zeitgenössisches Wiking-Auto — kann man eigentlich vergessen. Und auch die „Bestenliste“ da oben ist eigentlich ein ziemlich kläglicher Haufen: keiner, kein einziger davon kann sich uneingeschränkt mit einem aktuellen Brekina-Modell wie z.B. dem genannten Ascona A messen, und selbst gegen ein nun auch schon recht altes wie z.B. den Auto Union 1000 wird es schwer.

Was ist daran bloß so kompliziert, ordentliche VW-Modelle zu bauen? Die Opels und DKWs, Saabs und Volvos, Goliaths und Borgwards, Mercedesse und Jaguare dieser Epochen waren doch nun wirklich auch nicht einfacher geformt. Und doch gibt es sie — nicht alle, nein, aber viele — als exzellente H0-Modelle, nicht nur von Brekina.

Ginge es um einen Nischenhersteller wie sagenwirmal BMW, Alfa Romeo oder Peugeot (bezogen auf Deutschland und die Epoche 3, Herrschaften!), dann könnte man ja noch damit leben. Aber VW? Die eigentlich fast nur Bestseller gebaut haben? Auf die zu verzichten fällt schwer, wenn man mehr als eine Handvoll Autos braucht auf der eigenen Modellbahn.

Brekina hat da ein weiteres Label, „Starmada“, die bis dato nur Mercedes-Modelle gebaut haben (daher auch der Star im Namen: das ist ein Mercedes-Stern) — echte Spitzenmodelle vom Allerfeinsten. Jetzt machen die auch andere Marken — Mercedes-Konkurrenten. Toll. Super. Hilft nur nicht weiter.

Wir brauchen allmählich wirklich mal einen „Volksmada“.

4 Replies to “So kann man sich nicht unters Volks wagen”

  1. Das ist ja schade. Die Passat B1 war für mich der Neuheit von 2011. Aus nostalgische Gründen, selbstverständlich.

    Naja, schönes Blog. Gerne weiter so!
    Edgar

    • Danke fürs Lob. Und so schlimm ist der Brekina-Passat nicht — nur halt nicht soo toll wie viele andere Brekinamodelle. Kaufen kann man den m.E. aber trotzdem.

      Liebe Grüße, Ermel.

  2. Ein Bericht folgt asap auf mo87, sobald ich ein paar Nächte über meine fertige Abhandlung geschlafen habe … und sie „entspannt“ ist …

    Gruß
    Andreas

  3. Hallo Ermel,

    sicherlich KANN man den kaufen, das muss man aber nicht wirklich tun.

    Bis auf die durchaus gelungene Stoßstange habe ich den anders in Erinnerung. Gleich mit Originalphotos verglichen – und siehe da, meine Erinnerung hat mich nicht getrogen.

    Fazit: Modell mit hohem Murksgrad.

    Viele Grüße

    Hans-Joachim

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