Eine Geschichte voller Irrtümer

Eigentlich ist es mir ja egal. Denn ich wollte Märklins neuen VT 75 nebst Beiwagen eh nicht kaufen. Schon gar nicht zum geforderten Preis.

Eigentlich.

Aber was Tante Mäh sich da geleistet hat an Verdaddelung, das ist einfach zu wirr, um es nicht zu erzählen. Und nachdem man mir schon Tunnelblick vorwarf neulich (huhu, Matthias!), dachte ich mir, ich werd mal meinem journalistischen Auftrag gerecht und berichte trotzdem. (Okay, das war gelogen. Ich hatte einfach Lust dazu.)

Mäh baut da nun also demnächst einen VT 75 nebst dazu passendem VB 140, schön nach Art des Hauses in Ganzmetall und Digital mit Blink und Dröhn. Wie der Kenner am “VB” des VB 140 erkennt, ist derselbe ein Beiwagen, also einer ohne Führerstand — der VT muß ihn beim Wenden umlaufen und an der anderen Seite wieder ankuppeln.

Zu diesem Behufe verfügt natürlich der VT zwar nicht über Digitalkupplungen, aber immerhin beidseitig über Spitzen- und auch Schlußbeleuchtung (das Vorbild kann ja auch alleine fahren).

Das Vorbild ja. Das Modell nicht: Mäh hat die beiden fest gekuppelt.

Damit kann das Gespann nur noch in eine Richtung mit normaler Geschwindigkeit fahren — in die andere wäre es ein geschobener Zug, mit einer Höchstgeschwindigkeit von, weiß ich gar nicht, 10 km/h oder so.

Aber wartet, es kommt noch dicker. Nicht nur, daß der VT am Ende, wo der VB fest montiert ist, somit völlig überflüssige funktionsfähige Spitzen- und Schlußlichter hat — der VB hat dafür keine. Gar keine. Auch nicht am anderen, freien Ende.

Jahaa, sagt nun Mäh, hatte das Vorbild aber auch nicht! Stimmt schon. Dafür hatte das Vorbild die von Reisezug- und Güterwagen bestens bekannten Signalhalter, wo man dann eine Schlußscheibe oder eine Oberwagenlaterne (Owala) eingehängt hat. Was man im Modell dann auch müßte — wenn es denn wenigstens Halter hätte. Und wenn es beleuchtete abnehmbare Owalas gäbe.

Denn ohne Owalas, selbst mit Schlußscheiben, darf man nun mal nicht fahren, wenn es so duster ist, daß die Spitzenbeleuchtung an ist. Ganz ohne Schluß darf man gar nicht fahren.  Wollte man sich also auf (virtuelle oder beizulegende) Schlußscheiben herausreden, wäre das Spitzenlicht des VT auch am anderen Ende überflüssig.

Fassen wir zusammen: der VT + VB ist in der gelieferten Form nur für eine Fahrtrichtung zu gebrauchen, und das nur (mit etwas gutem Willen) bei Tageslicht.

Und, wie hätte man das Debakel vermeiden können? Da gäbe es gleich mehrere Möglichkeiten.

Zum einen gab es auch VB 140 mit nachgerüsteten elektrischen Schlußlichtern. Mäh hat so einen sogar als Vorbildfoto im Prospekt abgebildet. Mit dem wäre der “Einrichtungszug” immerhin schon mal in die eine Richtung voll betriebstauglich gewesen — und somit für Schienenkreise und Paradestrecken völlig ausreichend …

Wenn man dann noch den systembedingten Vorteil der sichereren Stromabnahme genutzt hätte und den Beiwagen nicht fest gekuppelt und elektrisch verbunden, sondern mit eigener Stromabnahme und eigenem Funktionsdecoder für Innen- und zweimal Schlußlicht versehen, könnte man ihn vorbildgerecht umlaufen und in beide Richtungen fahren.  Und auch mal mit dem VT alleine. Digitalkupplungen am VT wären da dann noch die Krönung gewesen.

Und wenn man das aber aus welchen Gründen auch immer nicht will? Dann hätte man immer noch VT 70 und VS 144 bauen können statt VT 75 und VB 140. Die sahen fast genauso aus, aber wie am “VS” zu sehen, ist jener ein Steuerwagen: Umlaufen entfällt, die Fuhre darf auch so in beide Richtungen fahren.

Es hätte also zwei gute und eine nicht ganz so schlechte Lösung gegeben.  Mäh aber wählt zielsicher die schlechtestmögliche.

Gratulation nach Göppingen. ;-)

Hier gehts zum Nachlesen in den entsprechenden Thread des Stummiforums.

5 Replies to “Eine Geschichte voller Irrtümer”

  1. Moin,

    da kann mir doch keiner sagen, dass da bei M***** nicht eine Strategie dahinter steckt …. Das Modell hätte das Zeug zum Renner, gedanklich fuhr der schon bei mir als T 3 der Wittlager Kreisbahn (ex DRG 135 060) http://www.vereine.minden.de/mem/images/080608_WKB-T%203_Hahlen%20d.jpg

    Aber nicht für 399,- EUR. Dafür kann ich das alte Geschoss von Trix auch zu Holger Gräler bringen … Und das zum T 3 “pimpen”.

    Viele Grüße

    Andreas

  2. “… Und nachdem man mir schon Tunnelblick vorwarf neulich (huhu, Matthias!)…”

    Huhu zurück, ich lese mit. Allerdings muss ich dir hier in weiten Teilen Recht geben. Den VT 75 müsstest du ja eigentlich wie den VT 45 als “Randgruppenmodell” brandmarken, aber sieht man sich das Verbretungsgebiet der Vorkriegs-VT an, so gilt das für fast alle Typen. Trotzdem ist die Wahl nicht schlecht, Franken ist als Thema sehr beliebt und zusammen mit dem VT 70/VB 140 von Tillig kann man da schön bunt durch die Gegend rollen. Was aber Mä zu Festkupplung und Beiwagen aus “wertigem Metall” trieb, ist mir auch ein Rätsel. Das mit dem Schluss braucht man auch nicht kommentieren – keine Ahnung, aber davon jede Menge! VB 140 leifen übrigens auch noch mit VT 98 – gab es gerade ein schönes Negativ bei EBay – habe ich leider verpasst.

  3. Moin,

    “… Fassen wir zusammen: der VT + VB ist in der gelieferten Form nur für eine Fahrtrichtung zu gebrauchen, und das nur (mit etwas gutem Willen) bei Tageslicht …”

    Paßt doch und steht nachwievor für “Pro-Kreisbahn-Fahren” ;-)

    Gruß
    Andreas

  4. Die Cv-31 und Cv-32 sind als “leichte Wagen zum Betrieb mit Verbrennungstriebwagen” bestellt worden. Ihre technische Ausstattung entspricht normalen Reisezugwagen ohne Übergang. Es waren nur an einem Ende Halter für den Schluss angebracht, in der üblichen Höhe an der Dachkante. Daher hat der Wagen Aufstiegen an diesem Wagenende. Diese Schlusssignale waren aus beiden Richtungen zu erkennen, da die Signaleinrichtung selbst ausserhalb des Wagenumrisses angebracht war.

    Die DB hat Mitte der 50er diese Halter zur Vermeidung von Unfällen auf elektrifizierten Strecken auf die Höhe unterhalb der Fenster versetzt.

    Die Cv-33 wurden meines Wissens bereits mit integrierten Schlusslichtern geliefert. Später wurden diese auch in etliche Cv32 eingebaut.

    Ich kann jetzt aber nicht sagen, wann die Umnummerung der Wagen auf VB140 erfolgte.

    Im Prinzip ist als der VB140 von Märklin/TRIX nicht falsch, es fehlen lediglich die Halter in der epochengerechten Höhe – in der aktuellen Auslieferung also auf halber Höhe. Dazu kommt natürlich die murksige Schaltung am Vt…

  5. Hallo.
    Ich hab das ja auch schon ausführlich kritisiert, und passen tut’s so oder so nicht.
    Aber nachdem ich inzwischen einen habe, relativiert sich manches doch – ohne daß das Ergebnis damit besser wird.

    Die “feste Kupplung” ist “lediglich” eine starre Kuppelstange im NEM-Schacht, es liegen sogar Tauschkupplungen bei. Aber die feste Stange ist (einpolig) leitend zum Schalten der Innenbeleuchtung. Der Spareffekt ist tatsächlich, weder eine mehrpolig leitende Kupplung verbauen zu müssen noch einen 2. Dekoder im Beiwagen – der eine Pol reicht nunmal nicht zu mehr als Innenlicht. Mä hätte jedoch wenigstens Schlussscheiben für den Tagbetrieb beilegen müssen!!! Dann hätte es nämlich wenigstens eine einzige vorbildrichtige Betriebsmöglichkeit auf Strecke gegeben… (bei Tag in eine Richtung) so bleibt nur Rangierfahrt – und dafür brauch ich auch kein einseitig abschaltbares Schlusslicht.
    Für die nur einseitig abschaltbare Stirnbeleuchtung am VT sehe ich jedoch überhaupt keine Einsparung, die das rechtfertigen kann. Das ist bei dem Preis wirklich überflüssig wie ein Kropf, einfach nicht durchdacht.

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