Der Dresden von Märklin

Nun habe ich es also doch gewagt, mir ein paar Märklin-Dresden (Gl 22 und Glt 23) zu bestellen. Ja, den Gl 22 gibt’s auch von Brawa, ich weiß (und beklagte bereits die Preise), aber bei einem Straßenpreis von unter 20 Euro das Stück sind die Märklin-Wagen trotzdem einen Blick oder drei wert.

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Vor allem, weil es alle drei Varianten gibt: ohne, mit niedrigen und mit hohen Stirnwandtüren (von links, als ob man es dazusagen müßte). Bremserhauswagen gibt es dafür nicht, aber das ist ja vergleichsweise einfach selbergefrokelt.

Wie sind nun diese Wagen ausgefallen? Das Bild oben zeigt nichts Unerwartetes: typische Märklin-Wagen halt, etwas grob im Detail, aber sauber verarbeitet und gut lackiert und bedruckt. Die Maße stimmen, und vor allem sind im Gegensatz zum ausführlich beweinten Oppeln des Vorjahres auch die Bretterfugen wenn auch nicht begeisternd schmal, so doch allemal akzeptabel ausgefallen.

dresden-seiten

Hier zum Vergleich ein Märklin- und ein Roco-Dresden. (Sorry für das beschmierte Modell, aber ein unbefrokelter Roco-Dresden war in meinem Arbeitsvorrat nicht mehr aufzutreiben.) Ja, Märklins Fugen sind noch einen Hauch breiter, aber wenn sie nicht mehr so glänzen wie auf dem Bild oben, kann man gut damit leben. Finde ich. (Die verschiedenen Wagenhöhen sind den Spurkränzen der noch montierten Märklin-Wechselstromradsätze geschuldet, ohne Gleis drunter schlagen die halt voll durch.)

Und die Fahrwerke? Märklin hat hier das Fahrwerk des Tnohs 39 wiederverwendet, was durchaus paßt (besser als für den Tnohs sogar!). Achshalter, Achslager, Federn und Bremsbacken gehen in Ordnung …

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… denn so viel besser sind sie bei Roco auch nicht:

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Rocos Achshalter sitzt näher am Rad, ist dafür aber dicker. Da kann ich jetzt keine entscheidende Wertung draus ableiten. Und auch aus dem Rest nicht: beide nicht berauschend, aber auch beide nicht richtig schlecht.

Zum Abschluß noch ein Vergleich der Stirnseiten der Märklin- und Roco-Wagen mit (hohen) Stirntüren:

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Man erkennt, daß Märklin alle Signalhalter, Griffe und Tritte anspritzt, während Roco sie weggelassen hat. Auch hier hat beides Vor- und Nachteile: wenn man schönere montiert, hat man bei Roco weniger Arbeit, und wenn aber nicht, fällt’s bei Märklin weniger auf. (Die Schlitze in der Roco-Pufferbohle kommen daher, daß das Fahrwerk unter dem Fotowagen zu einem Glmhs 38 ohne Stirntüren gehört, der da senkrechte Kastenstützen hat.)

Fazit: Doch, die Märklin-Dresden gehen m.E. in Ordnung. Erfreuliche Variantenvielfalt, nicht zu teuer und qualitativ mit den ähnlichen, aber vom Vorbild eben nicht gleichen Roco-Modellen vergleichbar. Und über die beklagt sich ja auch kaum einer. (Zwischen den genieteten Märklin-Vorbildern Gl 22/Glt 23 und den geschweißten Roco-Vorbildern Glmhs 38/Gltmhs 46 gab es übrigens auch noch Glmhs 28/Gltmhs 26, die genietet waren, den geschweißten aber sonst schon sehr ähnlich sahen und sich darum aus den Roco-Modellen recht einfach umbauen lassen; mehr dazu ein andermal.)

Klar liegen im Modell bald 25 Jahre zwischen den Roco- und den Märklin-Modellen, was so gesehen für Märklin ein Armutszeugnis und für Roco ein Kompliment ist, aber das überrascht jetzt sicher keinen. Da die Märklin-Wagen preislich aber näher an den alten Roco- als an den neuen Brawa-Modellen liegen, finde ich es auch fairer, sie mit ersteren zu vergleichen.

Und wer das anders sieht, der kann ja Brawa seine kaufen. Ich bin jedenfalls zufrieden mit den Märklin-Wagen, auch angesichts der Tatsache, daß man aus einem davon und einem Roco-Dresden eine schicke gemischte Leig-Einheit zusammenstellen kann, ohne daß da dramatische Qualitätsunterschiede ins Auge fallen, wie es bei einem Brawa-Roco-Gespann wäre. Mal ganz abgesehen davon, daß es mir bei aller frokelmäßigen Abgebrühtheit doch schwerfiele, aus dem Brawa-Dresden einen Leig-Wagen zu frokeln.

Bleibt abschließend zu hoffen, daß Märklins im Vorbild und Modell fahrwerksgleicher R 20 auch mal in diesen Preisregionen ankommt … bis jetzt ist er ja nur in Sets mit Ladung zu wahrlich prohibitiven Preisen angekündigt. Fast 140 Euro für drei R 20, wenn auch mit je zwei Lanz-Treckern beladen? Dagegen ist Brawa ja richtig günstig …

17 Replies to “Der Dresden von Märklin”

  1. Hallo ermel,

    mit Freude lese ich Deine Vorstellung des Dresden. Durch die sehr guten Aufnahmen kann ich mir ein gutes Bild dieses Modells machen. Auffällig ist schon, daß MÄRKLIN die Bretterfugen verkleinert hat. Beim Oppeln war es extrem. Sehr schön sind die Achshalter, die doch um einiges dünner sind als bei ROCO. Das macht optisch viel her, auch sehen mir die Bremsbacken sehr nach Ablieferungszustand aus, was mir sehr gefällt. Auf diesem Foto erkennt man sehr schön, wie verheerend die breiten Radsätze wirken. Zu erkennen ist aber auch, daß die Kastenstützen fehlen, die der ROCO-Wagen besitzt. So übel sind die MÄRKLIN-Wagen nicht. Es sind me-too-Produkte, denn gegenüber den alten ROCO-Wagen heben sie sich nicht ab. Also viel Spaß mit ihnen!

  2. Danke für den Kommentar. Das mit den “me-too-Produkten” muß ich aber nochmal relativieren: es handelt sich um andere Vorbilder als die der Roco-Modelle, und abgesehen vom (zu) teuren Brawa-Wagen, den es überdies bisher nur ohne Stirntüren gibt, auch um die einzigen Modelle dieser Vorbilder. Und obwohl die Gl 22/Glt 23 nicht eben super-häufig waren, ist damit doch eine weitere Angebotslücke geschlossen.

    Zu den fehlenden Kastenstützen sei noch angemerkt, daß dadurch die Fahrwerke aber um einiges frokelfreundlicher werden, wenn man z.B. zwecks Bremserhaus-Montage das Fahrwerk an beiden Enden verlängert hat und es dadurch unter dem Wagen ein paar mm verschoben wird. Mancher erinnert sich vielleicht an das entsprechende Gegreine von Ludwig Fehr, als er aus dem Roco-Wagen einen Bremserhaus-Glt 23 bauen sollte, nachzulesen im Zeeden-Zug-Artikel “Schürzenjäger und Strebensäger” in Miba 9/99. (Was, ist das schon wieder sooo lange her?)

    Liebe Grüße, Ermel.

    • Hallo Ermel,

      das der ROCO-Wagen seine Berechtigung hat ist uns beiden klar, denn er ist ein geschweißter Gl Dresden. Das Me-too bezieht sich auf den Anbieter, denn MÄRKLIN wollte auch einen Dresden mit dem man auch eine Rr Stuttgart machen kann. Sonst ist hier nix mit Me-too. Ich bin für jeden anderen Gl Dresden dankbar, den es noch nicht als Modell gibt. Da sind noch einige möglich! Ich denke, das BRAWA die Stirntürenvariante noch bringt, wäre sonst sträflich. Tja man sieht doch mit Erschrecken wie schlecht Durchschnittsfahrwerke konstruiert sind, damit dicke Räder mit hohen Spurkränzen passen. Wenn Du hast zeig doch mal einen der Wagen mit RP25 in der gleichen Perspektive.

      Viele Grüße Norbert

  3. Hallo Erik, Dein Froklerblog-Vergleich MÄ-Roco könnte ja doch irgendwie auch mal in das Modellbahnfrokler-Hauptwerk eingehen?!
    Dann empfehle ich Dir aber, statt gewundener Erläuterungen einfach die Wagen auf 1 bzw. 2 Stück gerades H0-Fertiggleis zu stellen und so zu fotografieren. – Denn: bis zum nächsten JANUAR ist es nicht mehr lange hin. …. ;->

    • Da kommt er vermutlich irgendwann hin, ja. Wenn ich mal wieder zwei fotogene Roco-Dresden im Neuzustand (einen Glmhs 38, einen Gltmrhs 46) und vielleicht einen geborgten Brawa-Dresden (für die Vergleichsbilder, hallo Timo :-)) aufgetrieben habe. Und klar, dann gibt’s auch Bilder mit Gleis drunter. :-)

      Deinen Kommentar hab ich mal vom Impressum hierher verschoben, ich nehme an das war in Deinem Sinne.

      Äh … was ist denn im JANUAR? Messe oder was?

      Liebe Grüße, Ermel.

  4. Wenn mich nicht alles täuscht, stammen die Formen der Roco-Dresden ursprünglich von Röwa. Das erklärt natürlich eine Menge, was die heute noch zeitgemäße Ausführung betrifft – Willy Ade hat seinerzeit im Formenbau einfach Maßstäbe gesetzt.

    • Alle svenman,

      von Willy Ade stammt der Glmgs Leipzig der als RÖWA-Modell lief und dann von ROCO übernommen wurde und immer mal wieder ins Programm gehoben wird. Der Gl Dresden und der Tnf Berlin sind ROCO-Kreationen. Bis wir einen neuen geschweißten Dresden sehen werden noch viele Jahre vergehen.

      Viele Grüße

  5. Hallo Ermel

    Vielen Dank für die Modellkritik

    Schönheit liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Ich habe mir die Mä-Wagen schonmal bei Jim Knopf beäugt, und irgendwie wollte der Funken nicht so recht überspringen, die Froklerschule schien zu wirken. Und jetzt stellst du die sonst kritisierten Punkte als nicht mehr sooo schlimm dar? Hilfe, mein G-Wagen-Guru hat sein Mojo verloren!

    Ich habe hier grad 2 vergleichbare Wagen vor mir liegen, den Fleischmann aus der Leig-Einheit und, ja, den Brawa, der noch in der Schachtel mit dem 34,90 Aufkleber schlummert und bald Bekanntschaft mit der Airbrushpistole machen wird. Dumm ist nur: der alte Fleischmann ist viel besser, alle Gravuren viel scharfkantiger.

    Auch wenn mir die Mä-Wagen mit ihren tollen Bedruckungen sehr gefallen, so würde ich mich wahrscheinlich den Rest meiner Tage über die Wagen in meiner Kiste aufregen, die schlechter gemacht sind als der Markt eh schon hergegeben hätte.

    Ich lasse die Dinger im Laden und Suche wohl in den nächsten Wochen noch nach einigen Fleischmännern. Die werden wohl auch ihre Fehlerchen haben, aber damit kann ich dann leben. Und wenn doch noch ein besserer herauskommt, dann weiß ich immernoch, dass es anno 2011 keinen besseren Wagen dieser Art zu kaufen gab.

    Patrick

  6. Vielen Dank für den ausführlichen und wohlfundierten Bericht!

    Endlich mal jemand mit einer eigenen Meinung, der Licht und Schatten aufgezeigt und nicht wie viele andere einfach dem Märklin-Beiß-Reflex folgt…
    Ich denke die Bretterfugen gehen voll in Ordung, sobald da noch etwas Farbe vom Altern drin ist, sehen die bei weitem nicht mehr so schlimm aus. Die angespritzten Details sind natürlich Geschmacksache. Für mich persönlich sind sie super, da ich meine Wagen nicht supern werde und sie sonst einfach fehlen würden…

    Ich freu mich schon sehr auf den Bericht zum Bau der Leig-Einheit :-)

    Grüße,
    Hans

  7. Hallo,

    man nehme es mir nicht übel, aber du hast jetzt oft genug kund getan das DIR die Brawa-Wagen zu teuer sind. Sicher ist das immer eine Ansichtssache und hängt auch vom frei verfügbaren Einkommen ab. Aber wenn man den Märklin-Wagen, insbesondere untergestellmässig auf das Brawa-Niveau bringen müsste, wäre das noch teurer als der Brawa-Wagen…

    Grüsse aus Erstfeld (auch eine Hochpreisinsel und trotzdem habe ich gestern in Basel Wagen gekauft die billiger waren als zum Tageskurs in Euro in Deutschland)

    Matthias

    • Ja, Du hast recht. Bliebe anzumerken, daß ich das Untergestellniveau der Brawa-Wagen für ein Betriebsmodell, gerade auch bei Fremo-H0RE, nicht für erforderlich halte. Auch aufgrund der Empfindlichkeit. Meine Brawa-G 10 bekommen erstmal neue, haltbarere Rangierertritte: Brawa seine fallen schon beim scharfen Hinsehen ab.

      Ich finde es gut, daß man sich beim Gl 22 nun aussuchen kann, welches Niveau man haben möchte — und welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist.

      Liebe Grüße, Ermel.

  8. Äh … was ist denn im JANUAR? Messe oder was?
    Liebe Grüße, Ermel.

    —- Nun, gewisse modellbahnerisch nicht völlig uninteressante Websites scheinen, wenn überhauptens, allerhöchstens im Januar mal ab und an Weiterungen zu erleben …
    ;->

    • Ach soo, Du spielst auf unsere traditionelle Sommerpause an. :-D

      Ja, die ist dieses Jahr länger als sonst. Liegt wohl am verkorksten Wetter … wöchentliche Jahreszeitenwechsel und so. *flöt*

      Sind aber ein paar Sachen in der Mache. Und hoffentlich dauern die auch nicht alle bis JANUAR …

      Liebe Grüße, Ermel.

  9. Hallo ermel –
    bitte nimm doch mal Deinen Messschieber zur Hand und miss mal bei beiden Kandidaten die Länge der Federpakete bzw. den Abstand von Schaken zu Schaken.
    Wie Bilder zwo, drei & vier deutlich zeigen, sind sich die Modell-Konstrukteure da durchaus nicht einig. Und wenn ich mir Bild zwo gegen die Seitenansicht des Dresden in Thomas Noßke seiner Sammlung anschaue dann würde ich fast vermuten, dass die einen zu kurz, die anderen zu lang aber jedenfalls beide nicht maßstäblich sind – so einfach frei Auge.

    Bist du so nett, ja?
    MfG Edgar

  10. Hallo Edgar,

    die Federn sind schon richtig. Beim Glr (MÄRKLIN) sind es 11 Federn zu 1100mm (Vorbild) und beim geschweißten Gls (ROCO) sind es 9 Federn zu 1650mm (Vorbild) oder 7 zu 1400mm. Auch der BRAWA Dresden hat die kurzen Federn. Es sind schon zwei sehr verschiedene Vorbilder!

    Grüße

    • Dankeschön. Praktisch, wenn man seine Leute hat und nicht mal mehr selber antworten muß :-D Ich werde die Federmaße im Modell aber noch ermitteln und nachtragen.

      Liebe Grüße, Ermel.

      • Die Märklin-Dresden haben 14 mm lange Federn, entsprechend 1,20 m im Vorbild — minimal zu lang also. Bei Roco habe ich 18,5 mm gemessen, das wären 1,61 m oder noch minimaler zu kurz (für das längere Vorbild). Die Federblatt-Anzahl ist mit neun bei Märklin und acht bei Roco etwas knapp ausgefallen, was ich aber nicht störend finde — ich mußte sie eh oben in den Fotos zählen, live am Modell schaffen meine Augen das nicht mehr.

        Man gut, daß ich 2011 nicht dazugeschrieben habe, wann ich das nachtragen würde … ;-)

        Liebe Grüße, Ermel.

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