Spielwarenmesse 2010: Mein persönliches Fazit

Ja, ich weiß, die Messe hat erst angefangen. Aber im Internetzeitalter ist ja das Meiste trotzdem schon bekannt. Im folgenden ein ganz persönlicher Überblick, weder vollständig noch repräsentativ, die für mich interessantesten Sachen zuoberst. Update: mit der nachgetragenen Bahnsteigkarre von Preiser sind es jetzt sogar meine „Top Ten“ geworden. Immerhin.

„Mein Gleis“ von Weinert: Die Überraschung der Messe! Weinert bringt Gleise, und zwar keine völlig abgehobenen, sondern für das Gebotene durchaus preiswerte. Was wird geboten? Kompatibilität mit NEM-, RP 25 Code 110- und RP 25 Code 88-Radsätzen; maßstäbliche Weichen in zwei Bauformen (EW 190 1:9 und EW 190 1:6,6) und die feinsten Kleineisen diesseits von Bahnsinn, die ich je gesehen habe. Und das für knapp sechs Euro fürs Flexgleis und knapp 40 für ’ne Weiche. Jepp, Rolf, Du hast es geschafft: das wird mein Gleis!

56.2 von Liliput: Waas, Ermel macht ne Neuheitenliste, und immer noch kein Güterwagen auf Platz 2? Tja — auf die 56.2 wartet die Szene schon viel zu lange, als daß die weiter unten kommen könnte. Denn auch wenn Schönheit im Auge des Betrachters liegen mag: das kleine Maschinchen ist schlicht die ideale Nebenbahndampflok. Schnell genug für einen Personenzug, stark genug für den Ng, beim Vorbild nicht mal selten und optisch halt preußisch: warum die keiner gebaut hat in all den Jahren, seit die Miba in den 80ern (!) dafür zu trommeln begann, werde ich nie begreifen. Hoffen wir mal, daß Liliput die nicht verpatzt; ich bin aber hoffnungsvoll.

R 20 (und Glr 22) von Brawa: Der R 20 ist noch so ein Kandidat. Darüber habe ich vor mehr als zehn Jahren die allererste Seite dessen geschrieben, was dann zu einer gewissen Website namens „Modellbahnfrokler“ geworden ist. Und die Idee war damals schon uralt: Als Stefan Carstens seinen Miba-Artikel „Güterwagen auf Maß gebracht“ zum R 20 schrieb (in Heft 5/82), war ich noch Märklinist und Helmut Kohl noch nicht Bundeskanzler! Nun also, endlich, ein Modell, und dann gleich ein superschönes (und schmerzlich teures) von Brawa. Ich glaube, ich muß meine Umbauten nach Carstens doch noch mal angehen — aber dann kann ich wenigstens bei Brawa abkucken :-) Der Glr 22 auf demselben Fahrwerk kommt auch von Märklin, aber der wird sich höchstens preislich mit Brawa seinem messen können, denke ich mal.

SSlm 25 von Liliput: Ein langer Vorkriegs-Drehgestell-Schienenwagen fehlt auch schon immer. Schön, daß Liliput den genieteten macht — erstens für die Epoche-2-Fans und zweitens, weil bei einem evtl. Selbstbau die Nieten das Hauptproblem gewesen wären.

Europaletten von Herpa: Ja, die gab es schon von einigen Herstellern. Aber bei Herpa kommen sie (hoffentlich, und wehe wenn nicht) ohne die vermeidbaren Fehler und (sicher) ohne das ganze preissteigernde andere Gerödel in der Packung, die bisher gemeinsam dafür gesorgt haben, daß der ab Epoche 3b bis spätestens 4a allgegenwärtige Palettenstapel im Modell ein viel zu seltener Anblick geblieben ist. 50 Stück für einen Zehner, das ist doch ein Wort!

Ford 20m P7b von Brekina: Ich weiß, ich weiß, der paßt nicht in meine Epoche. Für die bringt Brekina ja auch den Opel „Schlüsselloch“-Kapitän 2,5 P von 1958. Aber der Ford stammt dafür geradewegs aus meiner Kindheit: so einen fuhr damals meine Grundschullehrerin Frau Abel. Und deswegen wurde mir schon beim Anblick des Bildes ganz nostalgisch ums Herz. Der muß her!

BPw4ümg-59 von Hobbytrain: Der Klapptür-Halbgepäckwagen ist der D-Zug-Wagen meiner Jugend. Der hing immer als Packwagenersatz in den Silberling-Garnituren, und natürlich haben wir Pufferküsser ihn immer sofort gestürmt, weil man darin noch mit Stil reisen konnte. Nahverkehrswagen, pfft! Klar, heute ist auch so ein Silberling Nostalgie. Aber der „Behdüm“ (Epoche-4-Bezeichnung: BDüm) ist einfach Kult.

Still-Bahnsteigkarre von Preiser: Da muß man eigentlich gar nix zu schreiben. Endlich kann das Wiking-Modell in den verdienten Ruhestand. Sicher, für seine Zeit war das nicht mal schlecht, aber seine Zeit ist nun mal auch schon Jahrzehnte her. Besonders hübsch: von Preiser kommen beide Varianten, die ältere mit stehendem Fahrer (Bj. ab 1946/47) und die neuere, wie man sie von Wiking kennt (Bj. ab 1956/57). Danke an Andreas für die Vorbilddaten (siehe Kommentare)!

VT 12.5 von Roco: Dieses Modell werde ich mir zwar mit einiger Sicherheit nicht kaufen. Aber ich anerkenne trotzdem, daß er bitter gefehlt hat, vereinigt er doch in sich die Faszination eines VT 08.5 (des berühmteren Eierkopfes) mit der Eilzugtauglichkeit, die ihn nicht nur im Fremo sehr viel sinnvoller einsetzbar macht.

Maschinenfabrik von Auhagen: Während die anderen Häuslebauer mit viel Kitsch, Blink und Zappel enttäuschen, macht Auhagen mal wieder ein solides Modell, das die Finger förmlich kribbeln läßt. Besonders die Einfahrt über Eck macht die neue Fabrik sehr interessant; trotzdem ist sie schön universell und schlicht. Kibris alte „Farben AG“ kommt zu Hirn, aber an der haben wir uns ja schon mehr als sattgesehen — da ist ein neues altes Ziegelgemäuer hochwillkommen!

Und sonst? Klar könnte man noch viel erwähnen, quasi ein ganzes Messeheft voll, aber die genannten Neuheiten reichen mir eigentlich schon für mein Fazit: Entgegen aller Erwartungen ist es doch ein recht erfreuliches Neuheitenjahr geworden. Der vielprophezeite Untergang der Modellbahnindustrie findet auch weiterhin nicht statt. Klar, es kommt weniger Interessantes von den Großen Drei, die ja eigentlich auch nur noch zwei sind neuerdings. Aber die Kleineren füllen diese Lücken reichlich auf. Ein Trend, mit dem ich gut leben kann!

5 Replies to “Spielwarenmesse 2010: Mein persönliches Fazit”

  1. Highlights sind immer persönlich zu sehen. Daher deckt sich manches von Dir genannten mit den Meinen. Das Weinert Gleis liest sich interessant und sieht auch interessant aus. Die Maschinenfabrik von Auhagen lädt zum Basteln ein, solides Konzept. Über Brekina braucht man kaum Worte verlieren. Der P7b schließt eine schmerzlich klaffende Lücke und läßt Wünsche nach dem Turnier aufkommen. Aber auch andere Fahrzeugtypen werden im Laufe des Jahres folgen. Ganz großartig ist die neue E-Karre von Still aus dem Hause Preiser. Zeitgemäß und filigran, ein echtes Highlight, bei dem man die Altversion mit stehendem Fahrer natürlich nicht vergessen darf. Wiking widmet sich intensiv dem Borgward 611, nett, nicht mit gerechnet.
    Bei Rollmaterial für die Gleise halte ich mich zurück. Da wird genug diskutiert und gelabert. Jeder soll sich das suchen, was er braucht oder einfach nur haben möchte. Egal ob Lenz Köf II, ESU 215 mit Qualm oder DHG 500 von Hbbytrade. Der BDüm ist indes Kult und kann daher hier die Begeisterung nachempfinden … :-)

  2. Die EK 2000 (stehender Fahrer) wurde 1946 vorgestellt und ab 1947 an die DB geliefert. Das Nachfolgemodell EFK 2000 (sitzender Fahrer mit dem legendären Frontschild) erschien 1956/57. Paßt also beides wunnebar auch in Deine Ep. III. Die erste Farbe für die DB weiß ich allerdings nun nicht, könnte auch grau gewesen sein. Nichtsdestotrotz mag ich die EFK von Wiking noch immer sehr gerne. Erinnerungen halt.

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