Fahrwerke verschmälern II: Messing-Achslager

Nachdem kurz vor dem Jahreswechsel die ersten zwei Musterwagen für die Verschmälerung der alten KMB-Fahrwerke, ein Kmmks 51 und ein Kmmfks 52, entstanden waren, ging es letztes Wochenende auf dem Frokeltreffen in die Großserie: neun Omm 52 wurden zerlegt, ihre Fahrwerke halbiert und verschmälert und wie auch die der Musterwagen mit Messing-Lagerschalen von Romford versehen.

Das ginge sicher leichter mit einem 2-mm-Fräser, aber zur Not geht es auch, wenn man nur einen 2-mm-Kugelschleifer hat, es schmerzt nur mehr. Zunächst stellte ich erfreut fest, daß Klein Modellbahns Einachs-Drehgestelle, wenn auch für einen sauberen Fahrzeuglauf völlig unbrauchbar, doch eine passable Bohrschablone abgeben:

kmb-achslager-bohren

Das so geschaffene, tunlichst nicht zu tief gebohrte Loch muß nun auf 2 mm Durchmesser und hinreichende Tiefe (etwas mehr als 2 mm) vergrößert werden. Mit Fräser, Bohrständer und passend eingestelltem Tiefenanschlag kein Ding, wie ein Mitfrokler am Sonntag bewies; am Samstag hatte sich der Fräser aber noch nicht angefunden, also war Fingerspitzengefühl angesagt:

kmb-achslager-schleifen

Der Finger dient nicht nur dem Festhalten, sondern auch der Kontrolle: wird es zu warm, dann ist Abkühlenlassen angesagt, will man nicht schmelzenden Kunststoff riskieren. Und je nachdem, wie schnell es nach dem Abkühlen und Wiederansetzen wieder zu warm wird, kann man recht gut abschätzen, wie tief man schon geschliffen hat.

Mit schmerzender Fingerkuppe habe ich es leider versäumt, ein Foto des Haufens von 18 halbierten Fahrwerken zu machen.

Das Vorher-Nachher-Bild vom Lager-Einbauen zeigt zweierlei:

kmb-achslager-einbauenErstens wird das Loch so alles andere als fotogen, und zweitens macht das wegen des angedrehten Anschlags an den Romford-Achslagern genau gar nichts. Zum Einkleben reicht Sekundenkleber-Gel, es ist ja nicht viel mehr als eine Rausfall-Sicherung beim Radsatzwechsel nötig.

Anschließend habe ich dann einen Flüchtigkeitsfehler gemacht und sechs der neun Wagen mit Werks-Ballastblech zusammenstabilitiert, nur um festzustellen, daß sie danach auf dem Gleis kippelten. Von der Ursache habe ich kein Bild, aber es ist auch leicht zu erklären: das Ballastblech liegt in Wagenkastenunter- und Fahrgestelloberseite jeweils in einer Vertiefung, nur ist diese bei verschmälertem Fahrwerk natürlich auch entsprechend schmaler. Dadurch waren die Fahrgestell-Hälften entsprechend verzogen nach dem Einbau. Also müssen die Ränder der Vertiefung in Fahrgestell, nur schmale Stege oben an den Langträger-Außenseiten, eingeebnet werden — 20 Sekunden mit dem Stechbeitel, kleine Ursache, große Wirkung.

Nun waren allerdings die Wagenkasten-Unterseiten völlig mit Stabilit verkleistert (von den Fahrgestellen löste es sich recht willig wieder). Eh ich das alles mühsam wegschleife, so dachte ich mir, kann ich die Böden auch gleich raussägen. Aus PS-Profilen 5*1 mm und 2,5*1 mm habe ich sodann den beim Omm 52 sichtbaren Teil des Rahmens im Wagenboden gebaut und in den Wagenkasten geklebt; der Mittelteil des Wagenbodens besteht aus 1 mm Bleiblech mit Bretterfugen und kommt auf das Fahrgestell.

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Das ist jetzt weniger Mehraufwand, als es aussieht. Klar, das Einkleben der Profile in den Wagenkasten dauert einen Moment (ist aber mit passenden Lehren auch kein Akt), aber einen neuen Wagenboden braucht das Modell ja eh wegen der eigenwilligen Bauweise des Vorbilds. Wenn man den also schon ritzen muß, sind einfach nur Bretter-Querfugen schneller ins Bleiblech geritzt als auch noch die Fugen der Langträger. Außerdem läßt sich der Wagen danach innen abklebefrei zweifarbig in braun (Metallteile/Wagenkasten) und “natur strapaziert” (Holzteile/Fahrgestell) lackieren und auch getrennt altern. Spätestens hier dürfte sich der anfängliche Mehraufwand ins Gegenteil verkehren.

Weitere Vorteile: der Wagen bleibt nach dem Bohren der neuen, nun weiter außen liegenden Pufferlöcher im Fahrgestell (mit dem Wagenkasten als Bohrlehre, versteht sich) und dem Einbau der Puffer auch von selber zusammen und muß nicht mehr gesondert verklebt werden, und der neue Wagenboden liegt so natürlich tiefer als ein auf den kunststoffenen Werks-Wagenboden aufgeklebter Bleiblech-Boden. Ich habe jedenfalls auch die Böden der drei unverkleisterten Wagenkästen ausgesägt und baue nun alle meine Klein-Modellbahn-Omm 52 nach diesem Schema um.

kmb-omm52-schmal-roh

Lack und Endmontage hat der gezeigte erste Wagen zum Fotozeitpunkt freilich noch vor sich. Viel zu tun ist trotzdem nicht mehr: Puffer und Kupplungen, Rangierertritte und -griffe, Signalhalter, ein wenig Farbe und Spachtelmasse (letztere für die Wunden, die der Stechbeitel beim Entbeulen gerissen hat), und fertig ist ein Wagen, der sich zwar nicht mit Brawa messen kann, aber trotzdem auch zwischen aktuellen Modellen nicht negativ auffällt, dabei nur einen Bruchteil gekostet und zumindest mir viel mehr Spaß gemacht hat. Das Wagengewicht liegt übrigens nach dem Umbau dank Werks- und Bleiballast bei auch für den Fremo völlig ausreichenden gut 60 Gramm.

Bilder vom fertigen Ergebnis sowohl der Omm als auch der Kmm(f)ks gibt’s dann demnächst im Artikel auf der Website. Mit Ausnahme des Wagenbodens gilt dieser Umbau freilich auch für UIC-II-E-Wagen, also die berühmten verbeulten Omm 55, und die aus Omm abgeleiteten Autotransporter Off 52 und Off 59; allerdings habe ich davon keine mehr mit dem breiten Fahrwerk.

Was zwar viel Arbeit spart, aber trotzdem irgendwie schade ist, denn mir gefallen die Wagen mit dem verschmälerten alten Fahrwerk nun besser als die mit dem neuen. So kann’s gehen …

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