Schlabonski: Schriftart-Auswahl

Ich bin grad am Überlegen, welchen Font ich für die Beschriftung meiner Schlabonski-Lastwagen verwenden soll. „Vorbild“-Baujahre: ca. 1950 bis heute, Schlabonski wird eine fiktive Firma mit ebenso fiktiver Tradition. Allmählich wird es nämlich Zeit, da mal Decals für zu bestellen, damit das auch mal wieder weitergeht mit dem Thema. Zwei Schriftarten sind derzeit in der engeren Wahl: Windsor …

schlabonski-windsor

… und Village Square.

schlabonski-villagesquare

Beide auf verschiedene Art todschick, wie ich finde. Kommentare oder auch weitere Vorschläge würden mich freuen …

8 Replies to “Schlabonski: Schriftart-Auswahl”

  1. Hallo Erik,

    in der Zeit, in der man noch „33 Braunschweig“ geschrieben hat, funktioniert mMn nur die Version in Windsor. Diese Schreibweise war erst von 1961 (Einführung der 4-stelligen PLZ) bis spätestens zur PLZ-Reform von 1993 (Einführung der 5-stelligen PLZ) möglich. Im Zeitraum der deutschen Vereinigung (ab 1989) kam noch ein „W-“ davor. Aber auch vorher sollte schon 4-Stellig (3300) geschrieben werden, da PLZ keine Zahlen, sonder Ordnungsbegriffe sind. Auf LKW oder ähnlichen längerfristigen Beschriftungen (Hauswände, …) haben sie sich sicherlich länger erhalten.

    Nur meine 2 Cent

    Detlev

    • Noch ein Hinweis:

      die 2-stellige Schreibweise wurde ab 1974 nach der Einführung der automatischen Sortieranlagen „bekämpft“, d.h., eine regelmäßige Verwendung war eigenlich nur bis zu diesem Jahr opportun

      Detlev

  2. Hübsch sind ja beide Versionen – aber ganz ehrlich: plausibel finde ich keine davon, jedenfalls nicht als durchgehend von den 50ern bis heute in Gebrauch. Meine typographische Kritik kommt mehr aus der Intuition, als dass ich sie fachmännisch fundiert begründen könnte, aber beide Vorschläge kommen mir irgendwie retrodesign-artig vor. Moderne Kreationen mit einer Aura des Alten, nicht aber wirklich zeittypisch.

    Wegen der Postleitzahlen kannst du sowieso nicht die selben Decals durchgehend verwenden, warum also nicht zeitgerecht auch die eine oder andere behutsame Modernisierung im Design bzw. der Typographie einbauen? Außerdem – ich kenne mich ja in Braunschweig nicht aus, weiß nicht, ob die Adresse real oder fiktiv ist und bin gerade zu faul zum Googeln – wäre irgendwann auch ein Umzug an einen anderen Firmenstandort mit mehr Platz denkbar; für ein 2010 noch existierendes Speditionsunternehmen sogar irgendwann fast unvermeidlich, es sei denn, es hätte sich schon gleich nach dem Krieg auf der „grünen Wiese“ mit massig Platzreserven eingerichtet. Ach ja: warum eigentlich keine Telefonnummer (alle paar Jahrzehnte eine Ziffer länger)? Sagen wir ab ca. 1990 noch eine Faxnummer dazu und ab ca. 2005 eine Homepage-URL…

    Soll das eigentlich eine Beschriftung für Aufbauten (Koffer/Planen) werden oder eine Türbeschriftung? Speziell in letzterem Fall kannst du alles mit Serifen eigentlich knicken, in 1:87 wird das eh nicht mehr lesbar.

    Jetzt mal zu konkreten Gestaltungsvorschlägen: Nehmen wir mal an, die Firmenbeschriftung sei in den 1950ern als zeitgemäß modern gestaltet worden. Da kommt m.E. fast nur eine serifenlose Groteskschrift in Frage. Reizlos, aber gewiss plausibel und weit verbreitet die DIN-Mittelschrift (alt) oder als Stellvertreter für eine namenlose aus Geraden und Kreisbögen konstruierte Schrift die Preußische IV44. Mit etwas mehr Mut zur Moderne könnte der beauftragte Schildermaler etwa zur Futura gegriffen haben (am Computer ersatzweise auch Century Gothic verwendbar). Mit noch mehr Mut zur Extravaganz (für nachkriegsdeutsche Verhältnisse) und vielleicht etwas Einfluss der britischen Besatzungsmacht könnte ich mir auch die Gill Sans vorstellen.

    Vom Vorbild her gedacht käme für den Firmennamen (und nur den) auch eine schwungvolle, aber dennoch gut lesbare Schreibschrift in Frage. Eine passende Computerschrift zu finden halte ich aber für schwierig – die meisten mir bekannten Computer-Schreibschriften sind entweder angloamerikanischen Typs, eignen sich nicht als Schmuckschriften oder sind wieder zu schwer lesbar.

    Die DIN-Mittelschrift würde ich spätestens in den 70ern, die Futura auch spätestens Ende der 80er durch was moderneres ablösen (die Zukunft ist halt auch nicht mehr das, was sie mal war). Da käme dann mit einem angenommenen Mangel an Fantasie Helvetica oder Akzidenz Grotesk heraus, mit einem Hauch mehr Mut zum ansatzweise Individuellen z.B. Univers oder, wenn die Neugestaltung erst in den 80ern war, vielleicht schon die Frutiger, oder mit einer Prise Extravaganz die Avant Garde oder etwas Optima-artiges. Nur im Fall der Gill Sans wäre meiner Meinung nach keine Ablösung erforderlich.

    Also läuft meine Empfehlung, wenn es denn eine etwas eigenständigere Schrift sein soll, aber unbedingt durchgehend die selbe, wohl auf die Gill Sans hinaus…

    Gruß
    Sven

    • Danke für die ausführlichen Belehrungen (auch an Detlev!). Was ist denn von der Garrison Sans zu halten? Die sieht für mein ungeschultes Auge der Century Gothic sehr ähnlich, ist aber hier auf dem Rechner in sehr viel mehr Schnitten verfügbar …

      Liebe Grüße, Ermel.

      • Hallo Ermel,

        wolltest du eventuell „Gill Sans“ statt „Century Gothic“ schreiben? Denn die Garrison Sans ist eine Kopie der Gill Sans und kann als Ersatz für diese ohne weiteres verwendet werden.

        Wenn ich noch mal darüber nachdenke, wäre die Gill Sans für eine Lkw-Beschriftung im Deutschland der 1950er schon eine sehr ungewöhnliche Schrift gewesen, wenn auch theoretisch möglich. Ab ca. 1980 wäre sie dann leichter denkbar – aber hier kommt gerade für Braunschweig etwas anderes ins Spiel: in der DDR wurde die Gill Sans ab ca. den 1970ern viel verwendet, zumindest als Druckschrift und in der fetten Variante auf Verkehrszeichen und Wegweisern. Für eine so grenznah beheimatete Spedition vielleicht ein Grund, sie nicht zu verwenden? Falls doch: Die Gill Sans hat standardmäßig eine Ziffer 1 ohne Aufstrich, es gab jedoch auch Varianten mit, die ich für eine Verwendung im deutschsprachigen Raum dringend vorziehen würde. Bei der Garrison Sans, zumindest wie ich sie auf http://www.pickafont.com gesehen habe, ist die 1 in manchen Schnitten mit, in manchen ohne Aufstrich. Ist natürlich nur da von Bedeutung, wo die Ziffer 1 in der Beschriftung auch vorkommt.

        Ein Nachtrag zu meiner langen Ausführung weiter oben noch: http://www.100besteschriften.de bietet einen recht brauchbaren Überblick über die verbreitetsten Schriftarten der letzten Jahrzehnte.

        • Vielen Dank für die erneuten Belehrungen. Die Wahl ist gefallen: auf DIN 1451 bis ca. Mitte der 70er (meist Engschrift, aber auch Mittelschrift) und Garrison Sans seither (meist Condensed, aber auch normal). Muster der geplanten Beschriftungen kommen, wenn ich die Decalvorlagen erstellt habe.

          • …ich hoffe, dass meine zugegebenermaßen weitschweifigen Beiträge eher im positiven Sinne lehrreich-informativ als im negativen Sinne belehrend (mit dem erhobenen Zeigefinger von oben herab) ankamen – letzteres wäre nicht meine Absicht gewesen…

          • Ich meinte das mit den Belehrungen ausschließlich positiv. Ich werde gern belehrt, da kann man was bei lernen :-)

            Liebe Grüße, Ermel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*