Kauftip: Draht-Biegelehre von H0fine

Das ist mal wieder so ein Werkzeug, das man einmal benutzt und sich dann fragt, wieso man sich jahrelang ohne es abgequält hat:

drahtbiegelehre

Das ist die Griffstangen-Drahtbiegelehre von laut Aufschrift digitalzentrale.de, meine Bezugsquelle ist aber H0fine.de. Damit wird das Biegen gleichlanger und damit passender Griffstangen ein Kinderspiel: Draht mit der Zange einmal abwinkeln, ins richtige Loch stecken, auf der anderen Seite in der Kerbe umbiegen, abschneiden, fertig. Geht schneller, als diesen Absatz zu lesen.

Die Abstufung beträgt 0,25 mm, der maximale Drahtdurchmesser 0,4 mm. Und das Bild ist geklaut von und damit wohl auch © by H0fine.de, ich habe es lediglich gedreht. Uneingeschränke Kaufempfehlung, das Dings gehört in jede Frokelutensiliensammlung!

Huch, schon wieder Messe?

Die Weihnachtsgans ist gefühlt kaum verdaut, der Böllermüll liegt noch auf der Straße, und wir können schon Messeneuheiten besprechen. Wie bewährt: die Hersteller alphabetisch — mangels spannender Neuheiten fehlende Hersteller sind unten aufgelistet —, die Auswahl streng subjektiv und die Kritik nicht hinterm Berg. Theoretisch dürfen und sollen alle Autoren hier mitmachen, mal sehen … und natürlich sind auch Kommentare mit Euren Highlights immer willkommen, erstens wegen der Subjektivität und zweitens weil ich/wir ja auch mal was übersehe(n).

  • Auhagen entsinnt sich des Fabrikbaukastens und bringt vielversprechende, bis jetzt aber nur in Textform bekannte Neuheiten: ein Sheddach sowie viele neue Wandteile und “Säulen Obergeschoss und Ziegelfriese”, die der Hoffnung Nahrung geben, daß eine werkseitige Lösung fürs Aufstocken von Gebäuden in der Mache ist. Beides ist sehr begrüßenswert; schön, daß es da weitergeht! (ermel)
  • Brawa macht endlich einen Handbrems-Oppeln! 50 Jahre (seit der Vorstellung des Liliput Oppeln 1966) war für diese Marktlücke, die drei Hersteller mit jeweils für ihre Zeit zu schlechten Modellen zu füllen versucht haben, ja auch wirklich ein hinreichend hohes Alter. Ansonsten kommen von Brawa der Pwg pr 14 (warum kein Pwg pr 12? Sicher, 14er sind auch schön, erst recht in der DB-typischen Verstrebung, aber 12er hat noch nie jemand gemacht) und Otmm 70 (warum kein Otmm 57? Dasselbe Spiel: 70er gibt’s von Roco und Märklin, 57er noch gar nicht). Und natürlich viele viele bunte Wagen — und ein paar willkommene realistische Kesselwagen-Beschriftungsvarianten aber auch. Für die Epoche-4-Fraktion ist der MDyg 986 mit Plattenwänden höchst erfreulich. (ermel)
  • Brekina brennt mal wieder ein Neuheiten-Feuerwerk vom Feinsten ab. Für meine Leib- und Magenepoche 3a am spannendsten sind der Hanomag L28 als Kastenwagen und der mächtige dreiachsige “Trambus” Büssing 12000 T, aber auch für spätere Epochen sind einige tolle Formneuheiten zu erwarten: Daf “Daffodil” (ab 1958), Mercedes /8 Krankenwagen “hoch-lang”, IFA 4000 S-1 als Feuerwehr-Drehleiter, Setra S 12 (war schon mal bei VK-Modelle angekündigt, ist aber keine Doppelentwicklung — man hat sich geeinigt, sehr löblich!) und Jeep Grand Wagoneer dürften die Hauptneuheiten sein, neben natürlich unzähligen Varianten. Runde Sache! (ermel)
  • Dreika Modellbau, die Älteren werden sich erinnern, hat vor Jahren einen wunderbaren Goliath Express geliefert und verfiel dann in krankheitsbedingte Funkstille. Dieses Jahr kommen sie anscheinend wieder, was allein schon eine Meldung wert ist — ob es auch noch Neuheiten geben wird, zeigt sich wohl erst am Monatsende, aber irgendwas ist da wohl *räusper* “im Busch” … (ermel)
  • Fleischmann bringt E 52 und modernisierte E 60 und fällt ansonsten nur durch teilweise eher obsure Variantenreiterei auf. Noch am bemerkenswertesten die Chutzpe, die zur Tarnung der KKK-Federn wüst in den Laderaum geschmissenen Kisten auf dem Wagenboden des Gl 11 als “Mit Laderaumeinrichtung” zu bewerben. Aber die Preise werden wieder realistischer — der X Erfurt (später X 05) mit neuer (bzw. vom Om 12 geerbter) Druckluftbremse für 15,90 Euro zum Beispiel ist gefühlt nachgerade preiswert und bietet sich, da Erfurts meist ungebremst waren, als Bremsenspender für die vielen ungebremsten Om im Arbeitsvorrat an. Interessant auch der preußische G Hannover (später G 02) in einer Formvariante mit Fenstern als grüner Bahndienstwagen der DB. (ermel)
  • Märklin wollte ich ja eigentlich weglassen hier, aber okay, die Baureihe 42 ist nicht komplett uninteressant, jetzt wo ich nochmal im EMB nachgelesen habe, was man an der Liliput-Maschine gleichen Vorbilds alles so zu ändern hätte, bis man sie ein Modell nennen kann. Und OOtz 44 (Erz Id, die ganz flachen) fast auf dem Niveau der Klein-Modellbahn-Modelle sind ja auch nicht schlecht — mit Sicherheit leichter zu finden als jene jedenfalls, wenn man angesichts von nicht mal 50 Vorbildwagen einen zu brauchen meint. (ermel)
  • Piko bekommt schon mal den Preis für den unübersichtlichsten Neuheitenprospekt. Mitteleinstiegswagen, insbesondere der Steuerwagen ohne Gepäckabteil, sind aber keine schlechte Idee, und der D-Zug der 54er Bauarten in Epoche 3 ist auch lang erwartet — hoffentlich sind die Wagen nicht chromoxidgrün! Ob die Welt indes eine zweite E 52 (neben der schon länger in der Luft liegenden Fleischmann-Neuheit), eine weitere Bügelfalten-E 10 (wer hat noch keine?) und einen dritten VT 98 (nach Roco und Mätrix) gebraucht hat, bleibt offen. (ermel)
  • Roco bringt den FF (bzw. EE) der FS Italia, also den langen metallenen Spitzdachwagen. Löblicherweise mit je zwei Varianten beim Wagenkasten (vier vs. acht Lüfterschieber je Seite), Federpaketen (ein vs. drei Pakete je Rad) und Achslagern (Gleit- vs. Rollenlager), aber leider in ziemlich dämlichen Sets — als hätte es in der Epoche 3 nur Wagen mit vier Lüfterschiebern gegeben! Bei den Vorbildstückzahlen im knapp vierstelligen Bereich und der Nicht-EUROP-Tauglichkeit des Vorbilds sind Sets aber eh sinnfrei. Ansonsten noch interessant: ein abgebordeter Linz als Xfm-Wagen. Für die Epoche 4 sei der Tombereau UIC I der SNCF anempfohlen: in UIC-Rot ein toller Farbtupfer, im EUROP-Park und damit universell einzusetzen — und sonst das wohlbekannte, sehr gute und sehr preiswerte Modell. Und, ach ja, die 85 kommt dieses Jahr anscheinend wirklich. Doch, echt! Es ist sogar ein Handmuster im Prospekt, nach den paar Jährchen schon! Noch älter, aber sehr willkommen, sind Wiederauflagen einiger ziviler Straßenfahrzeuge und, wichtiger fast noch, der zugehörigen Lenkungsteile. (ermel)

Fortsetzung folgt.

Kommen wir zum Kleingedruckten.

Letzte Änderungen:

  • 20.Januar: Brawa
  • 18. Januar: Auhagen und Brekina
  • 16. Januar: Dreika; bei Roco SNCF UIC 1 und bei Piko E 52 ergänzt
  • 15. Januar: Märklin (und Trix)
  • 12 Januar: Vorlage mit Fleischmann, Piko und Roco

Wegen uninteressanter Neuheiten nicht aufgelistete Hersteller:

  • Rivarossi
  • Trix

Fabrikbaukastenübersichtstabelle

Es gibt sie in ihren Anfängen schon ein paar Jahre, unsere Tabelle zum Raussuchen der passenden Wandteile aus dem Auhagen-Fabrikbaukasten. Aber bisher war sie nur inoffiziell weitergereicht worden, nie richtig verlinkt. Nach ein paar Stunden Sondereinsatz in der Bildverarbeitungsabteilung der Modellbahnfrokler GbR ;-) ist das jetzt anders.

Klick mich, ich bin ein Link!

Aber Vorsicht, Auhagen-BKS ist ein gefräßiges Monster, das Hobbybudgets gnadenlos attackiert. Unter Lebensgefahr ist uns dieses Beweisbild gelungen:

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… sagt also nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt! ;-)

Die ungeahnten Tiefen von Ludwigshafen

Die Firma Piko hat ja schon Jahrzehnte vor der Wende der westlichen Modellbahn-Industrie gezeigt, wo der Hammer hängt. Nein, nicht mit ihrer legendären Antriebstechnik, ihren serienmäßig gefederten Gummipuffern oder ihren immerhin meist ungefähr runden Radsätzen — da konnte der Westen durchaus mithalten, selbst in seinen schwächeren Momenten *hust*Lima*hust* –, sondern bei der Gestaltung von Güterwagen-Aufbauten.

Schon 1959 entstand dort das Modell des Om Essen/Breslau (DB Om 12) der zweiten, dem späteren Om Königsberg (Om 21) ähnlichen Bauform, in einer Qualität der Gravuren, die auch heute noch entspannt mithalten kann. Bis auf die Bretterfugen: die sind bei dem alten Piko-Wagen von einer Qualität, die es heute so nirgends mehr gibt. Da es auch sonst nach nunmehr 58 Jahren (!) kein besseres Modell dieses Vorbilds gibt, nur Rocos vorbildwidrig verlängerten und mit Brettergräben versehenen Piko-Nachbau (!) aus der Einfachserie, ist das Grund genug, sich mal wieder mit den ollen Piko-Wagen zu beschäftigen.

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Für den Anfang allerdings nicht mit dem Om 12, sondern mit dem gezeigten Om Ludwigshafen (Om 04). Das ist beim Vorbild der Vor-Vorgänger quasi, der Kokswagen der preußischen Länderbauart. Im Modell scheint Piko leider die Om-12-Form in diese umgebaut zu haben, zumindest habe ich noch nie einen Piko-Nachwende-Om 12 gesehen — die ersten Ludwigshafen kamen noch vor der Wende, in preußischer Beschriftung, auf den Markt. Und auch die Bretterfugen sind bei diesem Modell — und den anderen Überarbeitungen in dieser Zeit — leider nur noch Durchschnitt. Aber was soll’s, Durchschnitt ist ja genug, und Om 04 ohne Verstärkungsstreben hat sonst auch keiner.

Diese Modelle — und auch die anderen offenen Piko-Wagen aus Vorwendezeiten, also Omm 33 (Villach), Omm 34 (Klagenfurt), Omm 39 (Duisburg), Omm 42/43/44/49 (UIC-Umbau Linz/Villach/Klagenfurt/Duisburg), Ommp 50 (ex SAAR Ommpu 49), italienische L, (leider unmaßstäbliche) Schweizer L6 und L7 und auch der R 10 (Stuttgart) — haben leider alle dasselbe optische Problem: einen viel zu hoch liegenden Wagenboden, unter dem sich das großzügig bemessene Blechgewicht versteckt. Das muß alles ersatzlos weg! Tarnen hat keinen Zweck, es sei denn, man klebt eine bodenbedeckende Ladung ein, aber wer will das schon? Wir beim Fremo jedenfalls nicht.

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Das Raussägen ist dann auch gar nicht so der Akt. Kreissägeblatt in die Kleinbohrmaschine und von unten, die Seiten-/Stirnwand mit dem Sägeblatt berührend, möglichst einigermaßen senkrecht nach oben durchschneiden. In die Ecken kommt man so natürlich nicht, aber wenn alle vier Wände vom Boden abgesägt sind, kann man den Boden relativ gefahrlos herausbrechen — wer sich nicht traut, kann auch ein Bohrloch in jede Ecke setzen. Es folgt eine kleine Feilorgie, mindestens bis man die Sägespuren an den Wänden nicht mehr sieht; wer mag, kann sie freilich auch noch dünner feilen, ich hab es dann gut sein lassen.

Wagenboden und Gewicht entstehen wieder aus Modellbahnfroklers Allheilmittel: Bleiblech. Bei meinem Wagen 0,5 mm, aber 1,0 wäre eigentlich besser. Das kommt direkt aufs Fahrwerk, mit Außenmaßen gleich den Wagenkasteninnenmaßen und mit eingeritzten Bretterfugen. Der Wagenkasten liegt mit den Stirnwänden auf den Pufferbohlen auf, eine stabile Verklebung ist also kein Problem.

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Naja, der Kenner hat’s bemerkt: meines Wagens Chassis stammt nicht von Piko, sondern von Fleischmann (vom Om 12). Grund dafür ist, daß mein Modell ein Nachwende-Exemplar ist und deswegen diese unsäglich klobigen Austauschbau-Achshalter hatte, mit denen sie es nach der Wende verschlimmbessern mußten. Das alte Piko-Chassis, rechts im Bild, ist zwar auch nicht gerade ein modellbauerisches Kabinettstückchen, aber, wie das Bild zeigt, auch nicht höher oder wesentlich breiter als das von GFN und darob durchaus zu gebrauchen — auch und gerade für den Om Ludwigshafen, den man dann allerdings wegen der schmaleren Federpakete vielleicht eher als Oc Münster (DB Oc 01, aber davon gab’s nur noch homöopathische Stückzahlen) beschriften sollte. Dafür erlaubt das Piko-Fahrwerk mit seinen Blech-Achshalterbrücken aber den einfachen Umbau auf Fachwerkachshalter.

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Aber für den 20-Tonner, also den Om, ist das GFN-Fahrwerk schon prima. Und es paßt auch wirklich schön unter den Piko-Wagenkasten, auch alle Kastenstützen sind da, wo sie hingehören. Wenn zwei das Gleiche tun, kommt eben doch was hinreichend Ähnliches bei raus, wenn beide ihre Arbeit gut machen :-)

Was zu tun bleibt, ist Kosmetik: Eck- und Stirngriffe am Wagenkasten (hat bei meinem der Vorbesitzer schon erledigt — hallo Friedel! ;-) ), Signalhalter, die Kastenstütze unter der Tür, der Tritt dortselbst zur Türbetätigung, mehr ist das gar nicht. Und das fertige Modell wird dann auch nicht mehr als alter Piko-Wagen auffallen, denn sein Laderaum ist sogar ein wenig tiefer als bei guten Großserienmodellen neuerer Machart.

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Die Modelle sind leider, wie ich feststellen mußte, längst nicht mehr so billig gebraucht zu ergattern wie noch vor fünf Jahren, als ich mich blöderweise nicht mit einem Lebensvorrat eingedeckt habe. Aber sei’s drum — für einstelliges Geld sind sie immer noch nicht zu teuer, wenn man das Stündchen Frokelei nicht scheut und die richtigen Vorbildtypen nimmt. An erster Stelle natürlich den Om 12, aber auch für Omm 34, Omm 39 und Ommp 50 lohnt sich der Aufwand auf jeden Fall!

Roco Linz und Villach: die Modellkritik

So, nun ist sie fertig, die Modellkritik zu Omm 32 (Linz) und Omm 33 (Villach) von Roco.

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Natürlich nicht ohne einen Vergleich mit den Liliput-Modellen. Und auch nicht ohne ein Fazit, das zumindest seinen Schreiber doch auch ein bißchen überrascht hat.

Damit verabschiedet sich das Froklerblog für 2016, nehme ich zumindest an (vielleicht macht einer meiner geschätzten Mitautoren ja noch was?). Wir sehen uns im neuen Jahr. Und zwar schon ziemlich zeitig, versprochen!

Danke fürs treue Mitlesen sagt: Euer Ermel.

Mal wieder Fahrwerke verschmälern

Der ausführliche Artikel kommt die Tage auf Modellbahnfrokler in die lang verwaiste Rubrik “Zwischendurch gepfuscht”, denn wider Erwarten war es eine Sache von 40 Minuten: Das Schmalermachen der alten, zu breiten Klein-Modellbahn-Fahrwerke unter dem Omm 53/55, Omm 52, Off 52 und 59 oder, wie hier, Kmm(fg)ks 51/52/58:

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Details wie gesagt demnächst, aber es ist auch nix dabei, was man sich nicht selber ausdenken könnte.  Am Wagen fehlen noch Rangierertritte, schönere Puffer und Farbe sowie eine stabilere Verklebung mit Stabilit statt Sekundenkleber.

Ansonsten ist das ein Umbau, der sich in Serie in deutlich unter einer halben Stunde und einem halben Zehner je Wagen realisieren lassen sollte und das Modell mal eben gefühlte 20 Jahre jünger aussehen läßt. (Vergleichsbilder mit Brawa kommen auch noch.)

Leichte Wagen für schwere Zeiten

So ist seit Oktober 2000 ein Artikel bei Modellbahnfrokler überschrieben, der sich mit den Omm-Wagen der Kriegs- und frühen Nachkriegsbauart beschäftigt und vor allem durch seine außergewöhnlich schlechten Bilder auffiel.

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Bis heute.  Jetzt sind die Bilder nur noch normalschlecht und fallen nicht mehr auf. ;-)

Natürlich blieben nach  gut 16 Jahren auch die Texte nicht komplett dieselben. Aber ich fand schon erstaunlich, wie wenig sich da geändert hat in der langen Zeit. Frei nach U2 (”how long must we sing this song?”) bin ich ja mal gespannt, wie lange wir noch predigen müssen, daß vor allem vom Omm 37 mal ein zeitgemäßes Modell hermuß. Bei der 56.2 hat es ja auch mehrere Jahrzehnte gedauert.

Viel Spaß jedenfalls damit!

… and a happy new Linz!

Mist, mit ein bißchen mehr Voraussicht hätte ich den Artikel zum neuen Roco-Villach natürlich “We wish you a merry Villach …” nennen können, das hätte besser gepaßt.

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Aber sei’s drum — Roco hält sein Versprechen und liefert nun auch die frischen Linze noch 2016 aus. Vor (bis auf ne akademische Viertelstunde in Ehren) genau einem Jahr war so einer schon mal unser Weihnachtsmotiv (damals noch mit einer schönen Demonstration meiner Unkenntnis in Bildbearbeitung), da kann er es heute auch nochmal sein (diesmal mit einer schönen Demonstration meiner Unfähigkeit in Bildkomposition).

Und dem damaligen positiven Fazit zu dem Modell ist auch aus heutiger Sicht kein Wermutstropfen beizufügen. Kann man von seinem Erscheinungsjahr ansonsten ja eher nicht so sagen, aber das ist ein anderer Schnack und gehört auch nicht hierher.

Mir bleibt nur, eine ausführliche Modellkritik zu Linz und Villach noch in diesem Jahr anzukündigen und ansonsten der geschätzten Leserschaft ein zutiefst angenehmes und absolut katastrophenfreies Restjahr nebst reibungsarmem Übergang ins folgende zu wünschen.

Von Fensterbänken und Althippies

Es ist ja nicht so, daß Wikings Ankündigung eines T1a, also der ersten Generation des VW-Transporters aus den Jahren 1949 bis 1955, bei mir Freudentaumel ausgelöst hätte — da war ich ja von ihrem T1c, also Baujahr 1963 bis 1967, schon vorgewarnt, daß das nicht unbedingt ein Supermodell werden müsse. (Mehr zum T1c hier bei Mo87, wobei ich mit dem positiven Fazit des Autors nicht konform gehe.)

Aber es gibt ja den Brekina-T1, sowohl als T1a als auch als späten T1b (1961-63), von denen das jüngere Vorbild zwar auch das jüngere und deutlich bessere Modell, der nun immerhin auch schon im Modell 31 Jahre (!) alte T1a aber auch immer noch ganz ordentlich ist.

brekina-t1a

Auch zu dem gibt es natürlich einen Artikel bei Mo87, diesmal sogar von mir, weshalb ich mir dort auch das obige Bild ausgeborgt habe.

Trotzdem war ich als Bullifan und Epoche-3a-Modellbahner natürlich neugierig, was Wiking da nun abliefern würde nach seiner Urbulli-Ankündigung. Vorweggenommenes Fazit: Nein, ich habe mir keinen gekauft, dafür war mir das Geld selbst unter Berücksichtigung der Möglichkeit, dann einen ausführlicheren Verriß schreiben zu können, zu schade.

Deswegen hier nur diese Gegenüberstellung von Vorbild und Wiking-”Modell” aus im Netz geborgten Bildern — das Vorbildfoto ist uralt und wohlbekannt, und das Modellfoto ist nicht so toll, daß ich ihm eine nennenswerte Schöpfungshöhe zugestehe, insofern hab ich da wenig Gewissensbisse bei. Zu den bunt markierten Stellen gibt’s dann unten noch was.

wiking-t1a-kritik

Auf den ersten Blick fällt auf, daß der Wiking-T1a eine viel zu klobige Nase hat. Außerdem wirken die Scheiben und auch der ganze Wagen zu hoch und/oder zu kurz. Woran es genau liegt, kommt gleich, erstmal laßt bitte die Bilder auf Euch wirken, auch im Vergleich zum Brekina oben.

Alles in allem fühlte ich mich auf den ersten Blick an diesen Kameraden hier erinnert, was auch die Überschrift zu erklären helfen dürfte ;-)

Kommen wir aber zu den in den Vergleichsbildern markierten Details:

  • Die Frontwand steht entweder senkrecht oder nach vorn geneigt, sollte aber nach hinten geneigt sein. Das sorgt zusammen mit dem m.E. zu breiten “V” für den Eindruck der geschwollenen Nase.
  • Vor den Frontscheiben befindet sich eine vorbildwidrige Fensterbank, also ein horizontaler Absatz. Außerdem sind die Frontscheiben zuwenig zugepfeilt, stehen also in einem zu stumpfen Winkel zueinander. Dazu noch viel zu dicke Dachsäulen und zu tiefe Fensterhöhlen, und schon sieht es nach allem aus, aber nicht nach dem hier höchst filigranen Vorbild. Vielleicht sehen die Frontscheiben ja auch nur deshalb zu schmal und zu hoch aus?
  • Auch die Rückseite ist zu rundlich, was den cartoonhaften Eindruck noch verstärkt.
  • Unter den Seitentüren befindet sich ein völlig unerklärlicher hoher senkrechter Türschweller. Das Modell ist auch 1,5 mm zu hoch; was davon aufs Konto des Schwellers geht und was auf das des augenscheinlich zu hohen oberen Teils, kann ich mangels Modell nicht sagen, aber es spielt ja auch keine Rolle eigentlich.
  • Die umlaufende Regenrinne ist viel zu stark ausgeformt. Dadurch ist des Vorbilds charakteristische “fliehende Stirn”, eins der Hauptunterscheidungsmerkmale zum T1b ff. und Quelle seines Spitznamens “Glatzenbulli”, kaum noch zu erkennen.
  • Die Türgravur sollte eigentlich eine zusätzliche ums Türfenster umlaufende Fuge haben. So wie dargestellt wäre das ein VW-Kastenwagen-Coupé, wissenschon, mit rahmenlosen Türscheiben. Daß zusätzlich sowohl die Türfugen als auch die leidige Trennfuge zwischen den Karosseriehälften noch breiter sind als beim diesbezüglich schon grenzwertigen Brekina-Modell, sei nur am Rande erwähnt.
  • Das Modell muß die zu kleinen Felgen seiner jüngeren Geschwister auftragen. Beim Vorbild hatten T1a 16″-Felgen, T1b 15″, T1c 14″. Brekina hat das leider seit der Modellüberarbeitung genauso gemacht, aber die alte Version des Brekina-T1a hatte sehr schön riesige und schallplattenschmale Räder, die sehr gut zum T1a passen.
  • Edit(h) ergänzt: Irgendwie ist mir erst ein paar Tage später aufgefallen, daß an der vorderen Tür zwar im Gegensatz zum Brekina-Modell beide Türscharniere nachgebildet sind, dafür aber die vordere Türfuge unterhalb der Gürtellinie fehlt.  Was umso mehr auffällt, als daß sie oberhalb der Gürtellinie vorhanden ist, aber zu weit innen (Richtung Fahrzeugmitte) im Dachholm liegt und wie auch alle anderen Fugen grotesk überdimensioniert ist.

Alles in allem stellt sich mir dieselbe Frage, die auch beim Herpa-Magic-T1 schon aufkam: Hat der Konstrukteur dieses Modells jemals einen VW T1 länger als einige Sekunden betrachtet? Gibt es in Lüdenscheid kein Internet, keine Monitore, keine Digitalkameras?

Und nein, die Ausrede, es handle sich um die “traditionelle Formensprache” früherer Zeiten, auf die die Wiking-Sammler ja mit sofortigem vermehrten Speichelfluß reagieren, kann ich nicht gelten lassen, denn diese traditionellen T1-Modelle, egal ob unverglast oder verglast, sahen sehr deutlich anders aus als diese Neukonstruktion. Und sie waren auch näher am Vorbild — im Falle des unverglasten allerdings nicht an dem des realen Wagens, sondern an dem seiner zeitgenössischen Werbung.

Naja. Wenigstens ist Wiking als anerkannter Doppelentwicklungs-Weltmeister ja vom Vorwurfe befreit, interessante Vorbilder für fähigere Hersteller zu “verbrennen” … ;-)

Der neue Omm 33 (Villach) von Roco

Ohne große Wertung, aber mit einem positiven Grundgefühl zeigen wir ein paar Bilder vom neuen Omm 33 (Villach) von Roco, zunächst in der Version mit Bremserhaus.

villach-s

villach-brh

villach-achshalter

Größere Versionen aller Bilder (und zwar viel größere) gibt es wie gewohnt durch Draufklicken, weitere, darunter auch Vergleichsbilder mit anderen Modellen, hinter dem “Weiterlesen-”-Link.

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